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Eine Tempo-30-Zone in Baden-Württemberg. Realisiert wurde diese nun auch in Frankfurt. (Symbolbild)

Frankfurt

Tempo 30 bei Nacht: Weniger Lärm in der Nibelungenallee

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In Frankfurt freuen sich die Anwohner über die erste größere Tempo-30-Zone bei Nacht. Bis dahin war es ein langer Weg.

Frankfurt - Es war ein langer, harter Kampf, aber am Dienstag ist es so weit. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) erklimmt die Leiter und entfernt den Klebestreifen vom Tempo-30-Schild an der Nibelungenallee. Einige Anwohner applaudieren spontan. Von nun an müssen Autofahrer zwischen der Nationalbibliothek und der Berger Straße nachts mit Tempo 30 vorliebnehmen. Das Tempolimit gilt somit nunmehr auf einer Strecke von 1,6 Kilometern. Bislang galt Tempo 30 zwischen 22 und 6 Uhr nur auf den 330 Metern der besonders eng bebauten Höhenstraße.

Schon seit 2013 gab es das Bestreben, den Anwohnern stark befahrener Straßen nachts mehr Ruhe zu gönnen. In einem Modellversuch wollte die Stadt auf einem Teil des Alleenrings, in der Lange Straße, der Eschersheimer Landstraße und am Mainkai, Tempo 30 durchsetzen. Doch da hat das Land ein Mitspracherecht. Der damalige hessische Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) hatte sich im Mai 2013 an die verkehrsumtoste Nibelungenallee gestellt und die angeführten Verkehrszahlen der Stadt als „veraltet“ gebrandmarkt. Der Minister empfahl, statt Tempo 30 lieber Schallschutzfenster einzubauen und erst mal zu prüfen, ob die Schlafzimmer der Anwohner überhaupt an der Straße lägen.

Frankfurt: Tempo-30-Zone in der Nibelungenallee gegen Verkehrslärm

Gut sechs Jahre später steht Frankfurts Verkehrsdezernent Oesterling an der Nibelungenallee und nutzt bezeichnenderweise ein Mikrofon, um sich gegen den Verkehrslärm durchzusetzen. Er gehe nicht von einer Verlagerung des Verkehrs aus, dies hätten die Testversuche 2015 und 2016 gezeigt. „Im Versuch lag die gefahrene Geschwindigkeit immer etwa zehn bis 15 km/h über der Anordnung“, so Oesterling. Die Autofahrer werden sich auf häufige Kontrollen einstellen müssen. Schon zwischen Januar und August hatte die Stadt an 45 Tagen ein mobiles Blitzgerät am Alleenring geparkt. In der Zeit gab es 2488 Verwarnungen und 49 Anzeigen, weil Autofahrer die Geschwindigkeit um mehr als 20 Kilometer pro Stunde überschritten hatten.

Frankfurt: Tempo-30-Zone soll Verkehrslärm in Nibelungenallee mindern

Für die Anwohner soll es jetzt nachts im Durchschnitt etwa drei Dezibel leiser sein. Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, der in der Römer-Koalition lange für die Umsetzung der Tempo-30-Zone gekämpft hatte, betont: „Das klingt nicht viel, aber das ist gefühlt die Hälfte des Lärms.“ Mit der 1,6 Kilometer langen Tempo-30-Zone will sich Siefert noch nicht zufrieden geben: „Das kann nur der Einstieg sein.“ Auch in der Eschersheimer Landstraße und in der Lange Straße müsse nun wieder über Tempo 30 in der Nacht nachgedacht werden. Die Anwohner des einst vierten Testgebiets hat es noch besser getroffen: Am Mainkai gibt es derzeit wegen der Sperrung überhaupt keinen Autoverkehr mehr.

Frankfurt: Tempo-30-Zone in der Nibelungenallee soll nicht die einzige bleiben

Auch Dezernent Oesterling wünscht weitere Verkehrsberuhigungen und mehr Radwege zulasten des Autoverkehrs. Für das kommende Jahr kündigte der SPD-Dezernent „heftige Debatten in der Verkehrspolitik“ an, die dann wohl mit der Kommunalwahl 2021 entschieden würden. So weit will Anwohnerin Martina Lansky noch nicht denken. Sie freut sich jetzt erst mal aufs „Schlafen bei offenem Fenster“.

Ein Unfalltod entfacht die Diskussion über eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf dem Darmstädter Cityring neu. 2017 kamen die Ergebnisse des Modellversuchs „Tempo 30 bei Nacht“ in Frankfurt heraus. Sie waren eindeutig. DieIndustrie- und Handelskammer Frankfurt ist gegen eine Verkehrsberuhigung. Der Verkehr in der Stadt müsse "gesamtheitlich" betrachtet werden.

Von Oliver Teutsch

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