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In einer Waschküche kommt es zum Streit. Vor dem Landgericht Frankfurt verstrickt sich der Angeklagte in Widersprüche. (Symbolbild)

Prozess

Aus der Waschküche ins Amtsgericht - widersprüchliche Aussagen verwirren die Richterin

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Ein Streit in der Waschküche beschäftigt erneut das Gericht in Frankfurt. Nicht nur juristisch, sondern auch linguistisch. Denn der Angeklagte sorgt für viele Fragezeichen. 

Frankfurt - „Mein Mandant will sich nicht äußern“, sagt Falil X.s Verteidiger zu Prozessbeginn. Das ist falsch. Richtig ist, dass Falil X. nicht damit aufhören will.

Zum Glück hat das Amtsgericht den Nachbarschaftsstreit, der längst die Waschküche verlassen hat und am Landgericht weitertobt, in seinem Urteil vom März auf den Punkt gebracht und Falil X. wegen Raubes und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt. 

Amtsgericht Frankfurt: Streit in Waschküche - Körperliche Auseinandersetzung

Sowohl X. als auch die Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt. Am 31. März 2018 betritt die heute 50 Jahre alte Miriam W. die gemeinsame Waschküche des Niederräder Mehrfamilienhauses, um nachzusehen, ob dort Platz zum Aufhängen ihrer an Omas Webstuhl gewebten und darum handzuwaschenden norwegischen Flickenteppiche sei. 

Sei keiner, sagt Falil X.s Ehefrau und erklärt die Waschküche zu ihrem Hoheitsgebiet. Miriam W. fühlt sich fremd im eigenen Waschkeller und zückt das Handy, um den Disput aufzuzeichnen. Falil X. kommt hinzu, schlägt W. in Gesicht und Bauch, schnappt sich das Handy und rückt es bis heute nicht raus.

Frankfurt: Aussage vor Gericht - „Die lacht immer so wie eine Schauspielerin“

Nachdem sein Verteidiger das große Schweigen angekündigt hat, sprudelt der 53-jährige X. los. Leider hat der gebürtige Kosovare zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, nicht aber die deutsche Sprache angenommen und eine eigene erfunden. 

In dieser erzählt er vermutlich in etwa diese Geschichte: Seit er aus Versehen ihr Fahrrad auf den Sperrmüll gestellt habe, habe Nachbarin W. Charakteristika entwickelt, die die grimmsche Knusperhexe alt aussehen ließen: „Die lacht immer so wie eine Schauspielerin und redet Politik. Sie tauscht die Lampen, tauscht die Schlösser, hat immer Handy im Kopf.“

Frankfurt: Der zur Tatenlosigkeit verdammte Übersetzer

An besagtem Tag habe er nach einem Verdauungsspaziergang W. seine Frau bedrohend im Waschkeller angetroffen. Sie sei sofort auf ihn losgegangen, habe ihn „geschlagen mit Mops und Fuß, die große Schlage waren Hunderte, Zweihunderte“.

Er habe sich schwerverletzt in seine Wohnung gerettet, W. habe die Polizei gerufen. Der zur Tatenlosigkeit verdammte gerichtlich bestellte Dolmetscher betrachtet X. mit einer Mischung aus Bewunderung und Verzweiflung.

Nach anderthalb Stunden Einlassung nennt die Richterin diese „widersprüchlich und lebensfremd“, was eine höfliche Umschreibung ist, und schlägt X. vor, seine Berufung zurückzunehmen. Der denkt nicht dran. Es folgen ein halbes Dutzend Zeugen. Und ein zweiter Verhandlungstag. „Ich habe nix gemacht“, sagt X.

Von Stefan Behr

Bei einem anderen Fall führt ausufernde Israelkritik in einem Lokal in Frankfurt zunächst zu fliegenden Fäusten und einem Schädelbruch. Und endet schließlich vor dem Amtsgericht. 

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