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Vor allem in der Innenstadt gibt es zahlreiche Straßenmusiker.

„Spielt immer denselben Ton falsch“

Paulsplatz: Straßenmusiker nerven Anwohner - Stadtverordnete sehen keinen Handlungsbedarf

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Die Stadtverordneten sehen eine Qualitätskontrolle für Straßenmusiker in Frankfurt skeptisch – zum Ärger mancher Anwohner in der Innenstadt.

  • Mehrere Anwohner vom Paulsplatz beschweren sich über die Straßenmusiker.
  • In der Stadtverordnetenversammlung wird über eine Regelung für die Musiker diskutiert.
  • Es zeichnet sich jedoch keinerlei Änderungen am derzeitigen Vorgehen ab. 

Frankfurt am Main - Daniel Dinis war stinksauer. Der Frankfurter, der am Paulsplatz wohnt, war am Montag in den Ausschuss für Recht und Sicherheit im Römer gekommen, um sich über Straßenmusiker vor seiner Haustür zu beschweren. Und nachdem er der Diskussion der Stadtverordneten rund eine halbe Stunde zugehört hatte, verließ er das Rathaus auch nur teilweise zufrieden.

Frankfurt: Anwohner am Paulsplatz wettern gegen Straßenmusiker

Wie Dinis und eine weitere Anwohnerin berichteten, spielen am Paulsplatz jeden Tag Straßenmusiker. Dinis’ Nachbarin sprach von fünf Auftritten am Tag mit jeweils drei Liedern „direkt vor meinem Fenster – und der Mann spielt seit elf Jahren immer denselben Ton falsch.“ Anrufe bei Stadt- und Landespolizei hätten keinen Erfolg gebracht. Ihnen sei mitgeteilt worden, sie sollten doch das Gespräch mit den Musikern suchen, so Dinis: „Das haben wir einmal gemacht und wir können froh sein, dass wir keine aufs Maul bekommen haben.“

Hoffnungen hatten die Anwohner vom Paulsplatz auf einen Antrag der Bürger für Frankfurt-Fraktion (BFF) gesetzt. Darin fordern die Politiker, dass Straßenmusiker eine Erlaubnis brauchen. Diese soll aber nur erteilt werden, wenn die Künstler zuvor eine Qualitätsprüfung bestanden haben. Ein ähnliches Verfahren gibt es in München.

Frankfurter Stadtverordnete gegen neue Regelung für Straßenmusiker

Die Stadtverordneten vertagten am Montag die Entscheidung über den Antrag. Allerdings zeichnete sich eine deutliche Mehrheit gegen die Vorlage ab. Christiane Schubring (CDU) sprach von einem zu hohen Verwaltungsaufwand, Gregor Amann (SPD) fragte rhetorisch: „Wer soll diese Kontrolle denn durchführen?“ Auch Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sagte: „Es wird schwierig, jeden vorsingen zu lassen.“

Frank wies auf die bestehenden Regelungen für Straßenmusiker hin. Danach dürfen sie nur bis 20 Uhr spielen (im Sommer bis 21 Uhr). An Sonn- und Feiertagen sind Auftritte verboten, Verstärker und andere elektronische Geräte dürfen nicht zum Einsatz kommen. Und: Nach spätestens einer Stunde müssen sie den Standort wechseln. Die Stadtpolizei kontrolliere die Einhaltung dieser Normen regelmäßig. Nachdem es vor etwa drei Jahren zahlreiche Beschwerden über Straßenmusiker gegeben hatte, sei mittlerweile sein Eindruck, dass sich die Situation deutlich gebessert habe. Die Anwohner bestätigten diese Einschätzung nicht, Frank bot ihnen daraufhin ein persönliches Gespräch an.

Frankfurt: Linken-Politiker empfiehlt: „Sollten vielleicht besser nach Kalbach ziehen“

Die meisten Stadtverordneten sprachen sich im Ausschuss nicht grundsätzlich gegen Straßenmusiker aus – im Gegenteil. Pearl Hahn (Linke) sagte, die meisten Künstler seien eine „Bereicherung für die Stadt“. Ihr Fraktionskollege Martin Kliehm äußerte zwar Verständnis für Anwohner, die unter schlecht spielenden Musikern leiden. Grundsätzlich sei es aber zu begrüßen, wenn es in der Innenstadt lebendig zugehe. Wer damit ein Problem habe, ziehe „vielleicht besser nach Kalbach“.

Daniel Dinis und seine Nachbarin konnten mit diesem Tipp hingegen wenig anfangen. Sie wollen auch die nächste Sitzung des Ausschusses besuchen. Dann werden die Stadtverordneten vermutlich auch über den BFF-Antrag beraten.

Schon 2014 forderten Einzelhändler auf der Zeil, dass die Stadt härter gegen penetrante Straßenmusiker vorgeht.

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