Fährt Frankfurt Straßenbahn bald über die Stadtgrenzen hinaus nach Süden? Das Potenzial eines Ausbaus soll eine Studie nun klären.
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Fährt Frankfurts Straßenbahn bald über die Stadtgrenzen hinaus nach Süden? Das Potenzial eines Ausbaus soll eine Studie nun klären.

Nahverkehr in Frankfurt

Straßenbahn für Pendler aus dem Süden: Tram-Verlängerung in Aussicht

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Frankfurts Tram könnte in Zukunft bis nach Neu-Isenburg und Dreieich fahren. Tausende Pendler wären auf der Linie 17 zu erwarten. Eine Studie steht nun in den Startlöchern.

  • Die Verlängerung von Frankfurt Straßenbahn nach Süden wird seit Jahren diskutiert
  • Tram-Ausbau: Eine Studie soll jetzt das Potenzial des Projekts erörtern 
  • Eines ist schon klar: Die Linie 17 würde tausende Fahrgäste zusätzlich bekommen

Frankfurt/Neu-Isenburg/Dreieich -In ein paar Jahren könnten Tausende Pendler aus dem südlichen Umland per Straßenbahn nach Frankfurt fahren. Wie groß das Potenzial dafür ist, soll nun eine Studie klären. Die Städte Frankfurt, Neu-Isenburg und Dreieich möchten die Straßenbahnlinie 17 von Frankfurts Stadtgrenze aus rund 5,5 Kilometer nach Süden bis Sprendlingen verlängern. Es wäre die erste Umland-Straßenbahn-Linie in Rhein-Main.

Frankfurt: Studie zu Ausbau von Straßenbahn: „Historischer Moment“

"Ein historischer Moment" sei das, zischt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mit seinen Amtskollegen aus dem Kreis Offenbach den Vertrag für die gemeinsam finanzierte Studie unterschreibt. "Seit 130 Jahren ist das ein Thema." Über die Verlängerung der Strecke, auf der heute die Linie 17 rollt, wird nachgedacht, seit die Waldbahn bis an die Stadtgrenze nach Neu-Isenburg saust. Also seit 1889. Wann die erste Tram bis Sprendlingen fährt, ist noch offen. Zunächst soll die 50 000 Euro teure Studie bis Jahresende das Potenzial ergründen. Danach müssen Bürger und Politiker in allen drei Städten über das Ergebnis diskutieren - und dann Ja sagen.

Frankfurts Tram könnte in Zukunft bis nach Neu-Isenburg und Dreieich fahren. 

Unstrittig scheint: "Die Fahrgastzuwächse werden deutlich sein", sagt Tom Reinhold, Chef von Frankfurts lokaler Nahverkehrsorganisation Traffiq. Er rechnet mit "einer Verdopplung oder mehr" der Fahrgastzahl. Kein Wunder: "Das wäre eine gravierende Verbesserung des Nahverkehrs südlich von Frankfurt", urteilt Dezernent Oesterling. Bislang herrscht südlich der Waldbahn-Endhaltestelle nahezu Nirwana im Nahverkehr. Busse rollen bestenfalls alle 30 Minuten, die Nachbarstädte mit je rund 40 000 Einwohnern sind nur an ihren westlichen Rändern an die S-Bahn angeschlossen. Zugleich nimmt der Autoverkehr ständig zu.

Tram-Verlängerung würde nicht nur Frankfurt entlasten

Darunter leidet nicht bloß Frankfurt: 20 000 Fahrzeuge pro Tag rollen in Neu-Isenburg über die zentrale Einkaufsmeile, die Frankfurter Straße, erinnert Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). "Die Hoffnung auf weniger Durchgangsverkehr wäre ein starkes Argument", sagt Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) ein.

Während Frankfurt und Dreieich längst überzeugt sind, war die neue Strecke in Neu-Isenburg lange umstritten. Zwar attestierte schon 1994 eine Studie die technische Machbarkeit. Doch fürchten einige, dass Parkplätze in der Frankfurter Straße wegfallen, Geschäfte dann schlechter erreichbar sind und das Stadtbild unter der Oberleitung leidet.

Frankfurt: Straßenbahn könnte teils ohne Oberleitung fahren

"Die Straßenbahn wird den Einzelhandel eher stärken", schätzt Klaus Oesterling. Er macht den Nachbarn das Angebot, in der Studie auch zu prüfen, ob in den historischen Kernbereichen der Städte die Tram in Abschnitten ohne Oberleitung geführt werden könne. Die aktuell von der Stadt bestellten neuen Wagen der Baureihe T sind nämlich auch als Hybridfahrzeuge mit Batterie lieferbar.

"Eine oberleitungsfreie Lösung wird dem Projekt einen positiven Schub geben", ist Herbert Hunkel überzeugt. Den gordischen Knoten hatten CDU, Grüne und Freie Wähler in Neu-Isenburg durchschlagen, als sie 2017 in ihrem Koalitionsvertrag die "vertiefende Prüfung" der Tram-Strecke vereinbarten. Diese erfolgt jetzt und soll auch ergründen, wie sich die Gleistrasse verträglich in den "Stadtraum" einfügen lässt.

Verlängerung der Tram nach Süden wäre ein 100-Millionen-Euro-Vorhaben

Das gilt auch für Dreieich: Anders als bisher vorgesehen soll die Tram nicht im Norden Sprendlingens enden, sondern am Bahnhof im Süden - und damit zusätzlich eine Verknüpfung zur Dreieichbahn bieten, erklärt Dreieichs Rathauschef Martin Burlon (parteilos). "Das wird der Region nur Vorteile bringen."

Mit Kosten von wenigstens 110 Millionen Euro rechnet Oesterling - wovon Bund und Land wohl 80 bis 90 Prozent übernehmen. Angesichts der Klimaziele des Bundes seien die Fördertöpfe gerade prall gefüllt, frohlockt der Verkehrsdezernent. "Das ist auch die günstigste Finanzierungssituation seit 130 Jahren."

Ausbau der Frankfurter Straßenbahn: Ideen auch für Bad Vilbel und Offenbach

Ob die Strecke nach Süden die erste Verlängerung des Straßenbahnnetzes ins Umland wird, ist noch nicht ausgemacht. Im Januar wurde eine vergleichbare Studie gestartet, die eine Verlängerung der Straßenbahnstrecke aus der Friedberger Landstraße nach Bad Vilbel vorsieht.

Auch mit Offenbach ist Frankfurt im Gespräch. Hier sind die Ideen aber noch nicht deckungsgleich. Die Frankfurter denken über den Ringschluss von der Hugo-Junkers-Straße in Fechenheim via Offenbach-Marktplatz nach Oberrad nach. Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hingegen will lieber eine teils unterirdisch geführte Ost-West-Strecke bauen. 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Die Straßenbahnen in Frankfurt sind oft überfüllt. Die „Super-Tram“ soll das ändern*. Zudem sind drei neue Straßenbahn-Linien in Frankfurt geplant. Ein besserer Anschluss für den Riedberg: Was VGF und Traffiq in Frankfurt* bald verbessern.

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