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Auch Michael Herl kämpft mit der Corona-Krise. (Archivbild von 2017)

Interview mit Michael Herl

Stalburg Theater extrem in seiner Existenz bedroht

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Die Corona-Krise stellt auch das Stalburg Theater in Frankfurt vor riesige Probleme. Die FR hat mit Gründer Michael Herl über die Situation gesprochen.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher. Seit 2012 schreibt er jeden Dienstag eine Kolumne für die FR.

Herr Herl, das Stalburg Theater hat wegen der Corona-Krise geschlossen. Was machen Sie als Theatermann stattdessen?

Eigentlich dachte ich, nun richtig schön Zeit zu haben, endlich mal wieder ein Stück zu schreiben. Pustekuchen. Seit wir zu haben, sitze ich länger im Büro als sonst. Viele Sitzungen mit unserem Finanzberater, unserem Leitungsteam und mit anderen Theatern, die Entwicklung und Realisierung unseres Online-Auftritts und nicht zuletzt Beratungsgespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, das alles kostet viel Zeit.

Wie sehr ist das Theater in seiner Existenz bedroht? 

Extrem. Wir haben ja kaum noch Einnahmen, aber immer noch Fixkosten. Der April ist gesichert, wie es im Mai kommt, ist schon ungewiss. Von den vielen kommenden Monaten ohne Einkünfte ganz zu schweigen. Zum Glück lassen uns die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht im Stich, unser Spendenaktion läuft prima an.

Corona-Krise: Stalburg Theater bekommt keine Hilfsgelder vom Land Hessen

Wie sieht es mit den Geldern aus, die als Hilfe vom Land Hessen zugesagt wurden? 

Da fallen wir leider durchs Raster, da unser Hauptproblem die fehlenden Zuschauereinnahmen sind – und die werden leider nicht übernommen. Wir sind nun mal von allen Frankfurter Häusern mit am meisten auf Eintrittsgelder angewiesen und nicht auf Subventionen.

Gäbe es nicht eine Möglichkeit, Theateraufführungen vor Ort so zu gestalten, dass die Corona-Regeln eingehalten werden können? 

Im Moment besteht ja immer noch Kontaktsperre. Und selbst, wenn die gelockert wird, wird es lange dauern, bis auch Veranstaltungen, bei denen 90 Leute dicht an dicht sitzen, wieder erlaubt werden. Theater werden als letztes wieder spielen dürfen – und das ist ja auch vernünftig.

Im Sommer findet gewöhnlich der Stoffel statt. Auch 2020? 

Geplant war er ab Mitte Juli. Bis Ende August sind nun Großveranstaltungen verboten. Und ein STOFFEL mit 5000 Leuten auf einer Wiese wird wohl eine solche sein. Also Aus, mit 99-prozentiger Sicherheit.

Aber die Verbote von Großveranstaltungen sind doch generell sinnvoll und notwendig. 

Selbstverständlich. Die berüchtigte „zweite Welle“ des Virus ist nicht zu unterschätzen.

Corona-Krise in Frankfurt: Stoffel-Verschiebung in den September ist keine Option 

Könnte man den Stoffel nicht auf den September verschieben? 

Wer garantiert uns, dass wir am 1. September anfangen könnten? Und selbst wenn. Bis der STOFFEL aufgebaut ist, kostet uns das rund 70.000 Euro. Die sind nur zu refinanzieren, wenn wir mindestens zwei Wochen bestes Wetter und auch abends bis zehn wohlige Wärme haben. Das ist im September ein Mords-Risiko. Und selbst wenn, würden dann wirklich von heute auf morgen genügend Leute kommen und so tun, als wäre nichts gewesen? Gewiss nicht. Die Leute brauchen Zeit, sich angstfrei wieder an Nähe zu gewöhnen. Außerdem hoffen wir, im September wieder im Theater spielen zu können. Kurzum: Eine Verschiebung in den September ist keine Option.

Was dann?

Wir sind dieser Tage mit einem täglichen Programm online gegangen, von dem jetzt schon viele sagen, es sei anders als all die anderen. Das ist ja auch mit dem Theater unser Anspruch. Diesen Online-Auftritt würden wir dann natürlich auch stoffelesk aufbauen und die Wiese in die heimischen Stuben verlagern. Halt ohne unsere legendären Bratwürste – aber mit virtuellem rotem Eimer für das Entrichten eines freiwilligen Eintrittsgeldes. Alle Infos dazu unterwww.stalburg.de

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