Die Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames gibt es seit 2016. 
+
Die Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames gibt es seit 2016. 

Stadtteil Bonames

Frankfurt: Die Stadt reagiert auf Protest von Flüchtlingen

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
    schließen

Die Bewohner der Unterkunft am Alten Flugplatz Bonames haben mit einer Demo auf die aus ihrer Sicht mangelhaften Zustände in der Einrichtung angeprangert. 

  • Flüchtlinge demonstrieren in Frankfurt gegen Zustände in ihrer Unterkunft.
  • Viele stammen aus Syrien und Afghanistan.
  • Die Stadt will reagieren.

In der vergangenen Woche haben nach Polizeiangaben knapp 100 Menschen gegen die Bedingungen in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz Bonames protestiert. Die demonstrierenden Bewohnerinnen und Bewohner zogen durch die Stadtteile Bonames und Kalbach. Die Demo dauerte etwa zweieinhalb Stunden, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch Straßen blockierten und mit Sprechchören auf die Zustände aufmerksam machten.

Frankfurt: Flüchtlinge demonstrieren gegen Hygienemängel 

333 Menschen, darunter 189 Minderjährige, leben in den Modulen der Unterkunft. Ein Großteil sind Familien, die aus Syrien und Afghanistan stammen. Aktuell leben 4450 geflüchtete Menschen in Einrichtungen der Stadt. Jede Woche gibt es sechs Neuzuweisungen an Frankfurt.

Die Unterkunft inBonames wurde 2016 errichtet und sollte ursprünglich für drei Jahre genutzt werden. Mittlerweile hat das Regierungspräsidium Darmstadt eine Verlängerung der Nutzung bis Ende 2021 genehmigt. Betrieben wird die Unterkunft von der Diakonie Frankfurt im Auftrag der Stadt.

Die geflüchteten Menschen beschwerten sich unter anderem laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks bei ihrerDemo vorrangig über fehlende Kochmöglichkeiten, undichte Dächer und Hygienemängel in der Anlage. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, soll eine Forderung der Stadt gewesen sein, laut der die Familien ihre Küchenherde entfernen sollten. Die Beschwerden sind allerdings sehr vielfältig*.

Flüchtlinge in Frankfurt-Bonames beklagen undichtes Dach

Das Sozialdezernat der Stadt erklärt dazu, dass der Strom in der Anlage mangels Alternative mit einem Trafo gestützt werden muss. Aus Sicherheitsgründen müsste deswegen die Zahl der angeschlossenen elektrischen Geräte beschränkt werden. Jeder Familie stünden vor Ort zwei Herdplatten zur Verfügung.

Einige Bewohnerinnen und Bewohner hätten sich aber zusätzliche Geräte beschafft und seien nun verärgert, weil sie diese nicht nutzen dürfen. Die Sprecherin des Dezernats versicherte, dass man nochmals prüfen wolle, wie man die Stromversorgung verbessern könne. Kurzfristig seien auch Verlegungen von Familien in andere Unterkünfte möglich, um so die Zahl der Stromnutzer zu reduzieren. Im Dezernat könne man den Frust dergeflüchteten Menschen nachvollziehen und sei intensiv um die Verbesserung der Situation bemüht. 2019 habe man mit Blick auf die verlängerte Nutzungsdauer umfangreiche Sanierungen mit Instandsetzungen und Neuanschaffungen vorgenommen. So seien Küchenschränke und Bodenbeläge ausgetauscht sowie die Klima-Splitgeräte, die sowohl kühlen als auch heizen können, gewartet beziehungsweise ausgetauscht worden.

Frankfurt reagiert auf den Protest von Flüchtlingen

Das Problem mit undichten Dächern ist der Stadt bekannt. Die Reparaturen wurden beim Hersteller der Module bereits in Auftrag gegeben und seien im Gange. Obwohl nur einige Dächer von Wassereintritt betroffen sind, sollen alle instandgesetzt werden. Auch beim Thema Warmwasser sei man um eine Lösung bemüht, so die Stadt. Obwohl die leistungsstärksten und größten Boiler verbaut worden seien, werde das Wasser an manchen Tagen nicht richtig warm. Ein Installateur arbeite mit Hochdruck an der Ursachenforschung. Insgesamt habe man 335 000 Euro zuzüglich Monteurstunden in die Instandhaltung der Unterkunft investiert.

Das Dezernat kritisierte das ungewöhnlich aggressive Verhalten, mit dem einige Bewohnerinnen und Bewohner die Mitarbeitenden des Diakonischen Werks am Demonstrationstag angegangen seien.

Am Montagvormittag hat es ein Gespräch zwischen der Stadt, einigen Geflüchteten und weiteren Funktionsträgern gegeben. Dabei wurden weitere dringende Probleme wie nicht funktionierendesWLAN erörtert. Die Stadt will nach Lösungen suchen. In der kommenden Woche soll es ein weiteres Treffen geben.

Ein Insider erhebt schwere Vorwürfe gegen die Diakonie Frankfurt - diese sei für die miserablen Zustände in der Unterkunft Bonames verantwortlich.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare