Geschlossen wegen Corona

Frankfurt in Zeiten von Corona: Der noch verbotene Palmengarten

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Ein Spaziergang an einem Ort in Frankfurt, dem es besonders weh tut, dass ihn wegen Corona jetzt fast niemand besuchen darf – aber er profitiert auch davon.

  • Auch der Palmengarten in Frankfurt ist wegen Corona geschlossen
  • Gerade im Frühling gäbe es dort viel zu sehen
  • Die Zwangspause hat jedoch auch gute Seiten

Frankfurt - Eine der vielen Gemeinheiten, derer das Coronavirus sich erdreistet, ist: ausgerechnet in unserem geliebten Frühling herumzuspringen. Im Frühling wollen wir doch raus! Na gut, das dürfen wir ja noch. Bis zu einem gewissen Grad. Wir wollen aber auch rein – in den Palmengarten zum Beispiel, denn dort ist es im Frühling so schön wie sonst kaum irgendwo. Aber da dürfen wir eben nicht rein.

Beziehungsweise: Sie dürfen nicht rein. Andere Leute schon. Ausnahmsweise. Und mal nachschauen. Wir können Sie beruhigen: Sooooo schön ist es da jetzt auch wieder nicht. Es gibt deutlich mehr Baustellen als sonst.

Während der Corona-Zwangspause: Es gibt wieder Schwäne im Palmengarten Frankfurt

Eine Kiefer für die Zukunft. Der freundliche Jonas Glaser für die Gegenwart.

Aber schon ziemlich schön. Frühlingsblumen blühen um die Wette und bestehen darauf, dass die Welt nun gelb sein möge, als könnten sie ihre Glorie einem Publikum zeigen. Ein Schwanenpaar ist erst in diesen Tagen wieder in den Palmengarten eingezogen. Ob es den beiden großen Vögeln gefallen hat, dass jetzt kaum Menschen da sind? Ausschlaggebend war das vermutlich nicht. Denn als die kleine Menschengruppe sich am Donnerstag nähert, paddeln die Schwäne neugierig heran.

„Wir sehen diese Zeit mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, beschreibt Jonas Glaser, Bereichsleiter Mitte, zuständig etwa für Rosen, Bäume, Stauden. „Ohne Besucher können wir nicht existieren“, sagt er, auch der Austausch mit den Kollegen fehle wegen des Schichtbetriebs, auf den der Palmengarten aus Sicherheitsgründen umgestellt hat. „Aber manches ist im Moment auch einfacher.“

Palmengarten Frankfurt hat wegen Corona-Krise Zeit für Bauarbeiten

Stichwort Baustellen: Zu normalen Zeiten ginge das nicht, dass an jeder Ecke ein Erdhügel liegt, ein Graben klafft, eine Wasserfontäne die schon wieder seit Wochen nicht beregnete Erde nässt. Jetzt hat der Palmengarten Zeit, so viel Zeit wie sonst nie. 365 Tage im Jahr geöffnet – unter normalen Umständen. Unter unnormalen Umständen kann Werner Schick, Sachgebietsleiter Betriebstechnik, plötzlich die Ringwasserleitung zügig erneuern lassen – „ungehemmt“, wie er sagt. Das Projekt, das den Palmengarten seit Jahren beschäftigt, der Austausch der uralten Wasserleitungen samt Installation neuer Laternen, jetzt geht es voran wie noch nie, weil die Bauarbeiter nicht dauernd alles wegräumen müssen, was Ausstellungsbesucher stören könnte. Es gibt ja keine Ausstellungen. Azaleenschau: gestrichen. Osterhasengärtchen: gestrichen. Vorerst. Was mit den Schauen danach wird: unklar.

Coronavirus in Frankfurt: Palmengarten kann Ringwasserleitung erneuern

Sieht aus wie ein Reh. Ist kein Reh. Normalerweise wäre hier am Wochenende die Hölle los.

Wenn man es positiv sehen möchte: Die Ringwasserleitung dürfte in drei bis vier Wochen fertig sein, wenn es so weitergeht, schätzt Werner Schick. Geplant war: bis zum Rosen- und Lichterfest im Sommer. Das sind glatte drei Monate gewonnene Zeit.

„Hallo!“ Die Kollegin wässert die Pflanzen. Solange die Leitung wegen der Sanierung abgestellt ist, muss das Wasser herangekarrt werden. Manches wird auch beschwerlicher. Und manches ist geradezu unwirklich schön. Der Blick aus dem Bambushain am Bachlauf entlang, den Glaser und seine Leute mit der Hand ausgebuddelt haben, um die Rohrkolben zu fassen zu kriegen, umstanden von Zaubernuss und Schlüsselblumen – wie ein Traum. „Morgens singen die Vögel dazu.“

Palmengarten Frankfurt nutzt Corona-Pause: Neuer Bootssteg, neue Brücke

Glaser hat jetzt Zeit, Bäume zu pflanzen, eine Samtesche hier, zwei Eichen dort, eine Kiefer mit Blick auf das Haus Leonhardsbrunn. „Investitionen in die Zukunft“, sagt er. „Wir werden nicht erleben, dass sie groß sind. Wer weiß, was die Leute dann dazu sagen?“ Die heutigen Gärtner wunderten sich auch manchmal, was die Kollegen seit Heinrich Siesmayer, Palmengartengründer vor 149 Jahren, sich bei diesem oder jenem wohl gedacht haben.

Diese Blumen blühen aus Protest gegen Corona.

Die botanische Sammlung erhält eine neue Beschattungsanlage – per Baukran. Ein Bootssteg am großen Teich wird erneuert, eine Brücke am kleinen. Die seit Jahren geschlossene Grotte am Steingarten wird untersucht, ob sie bald wieder geöffnet werden darf, natürlich unter Schonung der Fledermäuse, die dort wohnen. Sehr sanftes Licht fällt hinein in diesen Ort, der wirkt, als müsste der Graf von Monte Christo jeden Moment erscheinen.

In der Gärtnerei wächst der Sommerflor einer hoffentlich vielbeachteten Zukunft entgegen. Die Azaleen? Ihnen wird es guttun, in diesem Jahr vor der Blüte beschnitten zu werden; so sparen sie Kraft. Den Blumenfreunden, die sie vermissen, blutet das Herz. Den Palmengärtnerinnen und -gärtnern auch. Schick und Glaser loben sie über den, nun ja, grünen Klee: „Alle sind motiviert, alle wollen jetzt den Grundstein legen für das ganze Jahr.“

Es ist keine gute Zeit für ein Virus. Aber wann war sie das je? „Wir tun alles, damit es wieder schön ist, wenn die Leute kommen“, versprechen die Palmengärtner. Bis dahin zeigt Anja Prechel aus der Kommunikationsabteilung den Fans, wie schön es jetzt ist – mit Fotos und Storys auf Instagram, Twitter und Facebook.

Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

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