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Stephan Ullrich und seine gutbürgerliche Küche in der "Mutter Ernst" müssen raus aus der Alten Rothofstraße 12a in Frankfurt.

Eröffnung 1938

Adieu, „Mutter Ernst“ in Frankfurt - Investor will Haus abreißen

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Die beliebte Traditionsgaststätte „Mutter Ernst“ in der Innenstadt von Frankfurt muss schließen. Ein neuer Investor hat das Haus übernommen und will es abreißen.

Frankfurt - Noch im vergangenen Jahr war Stephan Ullrich hoffnungsfroh. „Ich würde gerne bis zur Rente weitermachen“, sagte der heute 56-Jährige der Frankfurter Rundschau anlässlich des 80. Jubiläums. Gut ein Jahr später sagt er: „Es ist eine Katastrophe.“

Die Gaststätte „Mutter Ernst“ muss zum 1. April 2020 schließen. Der Investor will das in die Jahre gekommene Haus abreißen. Das Haus in der Alten Rothofstraße 12a hatte jahrzehntelang der Binding-Brauerei gehört, der Käufer hatte zunächst keine Anstalten gemacht, das Haus abzureißen. Doch nun hat ein neuer Investor aus Berlin die Häuser Alte Rothofstraße 12a und 12b übernommen und will alles neu machen. 

Am Dienstag flatterte bei Ullrich die Kündigung ins Haus. „Ich war schockiert“, gesteht Ullrich, der die „Mutter Ernst“ im Jahr 2000 von seiner Stiefmutter Marita übernommen hatte. Eröffnet hatte die Gaststätte am 1. Oktober 1938 der Metzgermeister Richard Ernst. Als er 1965 starb, führten seine Frau Else und Tochter Marita das Lokal weiter. Da der Vater Ernst nicht mehr war, gingen die Leute immer zur „Mutter“. Als Marita die Kneipe 1975 übernahm, kam sie auf die Idee, das Lokal „Mutter Ernst“ zu nennen.

Frankfurt: „Mutter Ernst“ muss schließen - Monströse Party angedroht

Der Stiefenkel der Mutter Ernst hat sich von seinem anfänglichen Schock erholt. „Ich habe unglaublichen Zuspruch bekommen, das hat mich positiv überrascht“, so Ullrich, der nun nach einer geeigneten Lokalität sucht, um auch weiterhin seinen guten Kartoffelsalat und freitags seine legendären Frikadellen anbieten zu können. Einige Angebote hat er schon bekommen, und auch die Wirtschaftsförderung habe bereits ihre Hilfe zugesagt. Ein Stammgast drohte indes eine monströse Abschiedsfeier an: „Wir kommen mit 100 Leuten.“

Ursprünglich sollte Ullrich das Lokal schon zum 1. Februar räumen, doch er bekam zwei Monate Aufschub. Von einem Anwalt hat er noch mal prüfen lassen, ob die Kündigung auch rechtlich in Ordnung ist, nun will er nach vorne schauen. Zunächst will er die Frist in der „alten“ Mutter Ernst bis zum letzten Tag nutzen. Die neue Gaststätte soll nach Möglichkeit „am liebsten nahtlos“ aufmachen. „Eine Pause gönne ich mir nicht, die kann ich machen, wenn ich in Rente bin.“ 

Frankfurt: Restaurant „Mutter Ernst“ in der Innenstadt muss schließen

Das neue Lokal soll auf alle Fälle auch wieder „Mutter Ernst“ heißen. „Ich will versuchen, ein bisschen was vom Flair mitzunehmen.“ Dass die neue „Mutter Ernst“ ein völlig neues Konzept habe, müssten Stammgäste nicht befürchten, verspricht Ullrich, der die Kneipe am liebsten wieder in der Innenstadt aufmachen würde. „Vielleicht noch in Sachsenhausen, aber danach wird es schon sehr eng.“

Vielleicht hat der Umzug ja sogar etwas Gutes. Denn in den Sommermonaten war das kleine Lokal in der Innenstadt nicht unbedingt ein Publikumsmagnet. Eine „Mutter Ernst“ mit Sommergarten wäre für Ullrich ein Traum. In der neuen Rothofstraße 12a soll es ein Ladengeschäft und vermutlich teure Wohnungen geben.

Teuer dürften auch die Bauarbeiten im Bolongaropalast sein. Die Eröffnung verschiebt sich in jeden Fall auf 2022.

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