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Auf diesem Gelände am Kaiserlei, bestens für den Verkehr erschlossen, könnte die Multifunktionshalle entstehen. Aber das will nicht jeder.

Großprojekt zwischen Frankfurt und Offenbach

Gezacker um die geplante Multifunktionshalle am Kaiserlei - Investor hat Forderungen

Der Investor möchte für das Projekt eine Bürgschaft. Gleichzeitig hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) im Falle eines Scheiterns des Vorhabens das Grundstück am Kaiserlei für den Bau der Europäischen Schule beansprucht.

Frankfurt - Es ist ein Sehnsuchtsprojekt der Basketballer der „Skyliners Frankfurt“ und des Eishockey-Teams der Frankfurter Löwen. Die Vereine hätten gerne eine Mega-Halle mit bis zu 13 000 Zuschauerplätzen. Seit mehr als zehn Jahren wird im Römer über den Bau einer solchen Halle diskutiert. Die beiden Vereine möchten dort ihre Heimspiele vor einer großen Kulisse austragen, was ja in der Regel auch den sportlichen Aufschwung fördert. Doch auch für Pop-Konzerte und andere Massen-Events soll die Halle zur Verfügung stehen.

Das Projekt hat auch Eingang in den Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen 2016 gefunden. Dort heißt es: „Wir möchten Bau und Betrieb einer neuen Multifunktionshalle unter anderem für Sportveranstaltungen mit bis zu 13 000 Besuchern durch private Investoren fördern und stellen städtische Grundstücke als Beitrag der Stadt dafür kostenlos zur Verfügung.“ Mit dem Gelände am Kaiserlei schien ein Standort gefunden. Der Bau ist als interkommunales Projekt zwischen Offenbach und Frankfurt geplant. Doch nun gerät das Vorhaben in eine schwierige Phase.

Multifunktionshalle zwischen Frankfurt und Offenbach

Die rund 130 Millionen Euro teure Arena soll am Kaiserlei an der Autobahn 661 an der Grenze zwischen Frankfurt und Offenbach entstehen. Der Bewerber Lagardère möchte ein Bürgschaftsprogramm des Landes zur günstigen Finanzierung nutzen. An der Bürgschaft müsste sich auch die Stadt beteiligen. Das dürfte für die Stadt ohne Risiko sein. Denn das Verlags- und Medienunternehmen Lagardère will rund 60 Millionen Euro investieren und den Rest der Bausumme finanzieren. Die Stadt könnte also ihre Bürgschaft über eine Hypothek absichern lassen. „Ohne dass man Geld in die Hand nähme, bekäme man eine hervorragende Infrastruktur für Sport und Veranstaltungen“, sagte Bürgermeister Uwe Becker (CDU), der auch Kämmerer ist. Gleichwohl wäre es Becker lieber, „wenn der Investor komplett in die Verantwortung treten würde“. Das Bürgschaftbegehren beschleunige nicht das Verfahren und sei „ein komplexer Vorgang“. Gleichwohl solle das Projekt nicht an dieser Frage scheitern.

Kaiserlei-Gebiet in der Tagesschutzzone des Flughafens

Für den Fall des Scheiterns hat Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) bereits Ansprüche angemeldet. Falls die Halle nicht kommen sollte, will Weber dort die Schule der Europäischen Zentralbank ansiedeln, wie sie erklärte. Sie verweis darauf, dass bereits Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) den Kaiserlei als Standort für die Schule vorgeschlagen habe. Ein hochrangiger Parteifreund Webers, der allerdings nicht genannt werden möchte, verwies allerdings darauf, dass das Kaiserlei-Gebiet in der Tagesschutzzone des Flughafens liege. Er könne sich daher nicht vorstellen, dass die Bildungsdezernentin dort eine Schule bauen wolle.

Bei den Grünen hält sich die Begeisterung für die Halle in Grenzen. Fraktionchefin Jessica Purkhardt betonte, dass das Projekt die Stadt nichts kosten dürfe. Eine Bau der Europäischen Schule am Mainwasen schloss sie aus.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) ist ein Verfechter des Projekts: „Wir würden ein Stadtviertel neu entwickeln.“ Die Halle bringe Sport und Entertainment in die Region. Das werde sich wirtschaftlich rechnen. Prominente Unterstützung erhält Frank von Peter von Löbbecke, Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Löbbecke fordert: „Leute, baut endlich diese Arena. Frankfurt braucht sie.“

Kommentar von Thomas Remlein:

Eine Sportstätte für das Wirtschaftswachstum

ür die geplante Multifunktionshalle gibt es kaum einen bessern Standort als am Kaiserlei. Die Anbindung über die A 661 garantiert eine reibungslose An- und Abfahrt der bis zu 13 000 Besucher. Anwohner werden dabei so gut wie nicht gestört. Natürlich weckt dieses ideale Gelände auch andere Begehrlichkeiten. Auch die Geländewagen fahrenden Mütter der Schüler der Europäischen Schule würden ihren Nachwuchs gerne in ein neues Gebäude am Kaiserlei bringen. Doch ein Neubau der Schule auf dem Mainwasen, direkt gegenüber dem Doppelturm der EZB, auf der anderen Mainseite wäre natürlich noch näher. Doch anders als eine Super-Halle lässt sich eine Schule verkehrstechnisch nahezu im gesamten Stadtgebiet unterbringen. Dass Frankfurts Sport- und Veranstaltungmanager eine Multifunktionshalle brauchen, steht außer Frage. Seit den ersten Plänen sind mehr als zehn Jahre vergangen. In dieser Zeit ist die Bevölkerung um 100 000 Einwohner gewachsen. Die wollen bespaßt werden. Der Bau einer Mega-Halle mit den entsprechenden Events wird den Tourismus und damit auch das Wirtschaftswachstum der Region ankurbeln.

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