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Die aktuelle Ausstellung zeigt Filmschaffende verschiedener Generationen.

Deutsches Filmmuseum

Deutsches Filmmuseum: neuer Name, neues Design

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Die neue Direktorin des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt, Ellen Harrington, will das Haus verändern. 

Seit einem Jahr und einem Monat ist Ellen Harrington nun die Direktorin des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt. Und die 55-jährige US-Amerikanerin hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass sie das altehrwürdige Haus verändern möchte. Nun hat die Wissenschaftlerin mit ihrem jungen Team ein erstes, umfassendes Bündel von Veränderungen präsentiert: neuer Name, neues Design, neue Website.

Kaum angekommen, hatte die Direktorin, die mehr als zwei Jahrzehnte in Hollywood zubrachte, schon im Februar 2018 eine Arbeitsgruppe zur Neuorientierung gegründet. Umfangreiche Befragungen der Besucherinnen und Besucher begannen. Das Ergebnis fasst Frauke Haß, die Sprecherin des Hauses, so zusammen: „Unser Auftritt ist verwirrend, wir werden nicht als geschlossene Einheit wahrgenommen – wir müssen etwas tun.“

27 Namensvarianten durchgespielt 

Obwohl das 70 Jahre alte Deutsche Filminstitut und das 1984 gegründete Museum 2006 fusionierten, werden sie nicht als Ganzes angesehen. Drei Buchstaben sollen das künftig ändern. DFF ist der neue Name des Hauses – das steht für Deutsches Filminstitut und Filmmuseum. Ob sich dieses Kürzel durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Es ist das Ergebnis eines langen Prozesses, bei dem immerhin insgesamt 27 Namens-varianten durchgespielt wurden.

Vielversprechender sind das neue Logo und das neue Grafikkonzept. Das junge Offenbacher Designbüro Urban Media Project entwarf den neuen Auftritt. Das neue Logo zeigt die Buchstaben DFF, vom Projektionsstrahl eines Kinos durchbrochen. Die vier Leitfarben grün, blau, gelb und rot durchziehen den gesamten Auftritt.

Dieses Farbspektrum wird mit zwölf Farben für zwölf Monate auch das neue Programmheft für das Kino des Hauses prägen, das mit einer weiteren revolutionären Änderung aufwartet: Einer ausklappbaren Programmtafel, „die in Zukunft „an jedem Kühlschrank hängen sollte“ (Loimi Brautmann von Urban Media Project). Das Heft wirkt klarer und aufgeräumter als bisher.

Noch eine kleine, aber wichtige Veränderung: Der lange Publikumstag, an dem das Haus bis 20 Uhr geöffnet ist, war bisher der Mittwoch – künftig ist es der Freitag.

Furchtbar hip mit „mission statement“

Das Filmmuseum hat sich außerdem ein neues Leitbild – im Film-Englisch: Ein „mission statement“ – gegeben. Darin bezeichnet sich das DFF als „führende internationale Filmerbe-Institution“. Das zielt darauf, dass das Haus jedes Jahr analoge Filme digitalisieren lässt, um sie so der Nachwelt zu bewahren. Digitalen Zugang besitzt das Museum zu 100 000 Filmen und zu den Daten von 200 000 Filmschaffenden.

In Arbeit ist gegenwärtig noch die neue Website des Hauses. Sie soll im März online gehen. Dort gibt es dann nicht nur einen Überblick über alle Angebote des Museums. Es wird auch möglich sein, online Eintrittskarten zu buchen.

Kosten werden nicht verraten 

Was der gesamte neue Auftritt kostet, verrieten Harrington und ihr Team auf Nachfrage der FR nicht. Nur so viel: Der Freundeskreis Deutsches Filmmuseum habe 50 000 Euro zur Verfügung gestellt – diese Summe habe man dann noch um einiges aufstocken müssen.

2018 zählte das Haus 201 000 Besucherinnen und Besucher. 2016 waren es noch 240 417 gewesen – ein Rekord. Doch damals hatte man die Ausstellung über das Trickfilmstudio Aardman gezeigt – dessen Arbeiten wie etwa „Shaun, das Schaf“ ungewöhnlich populär sind.

Ungewöhnliche Art, Besucher zu zählen 

Ellen Harrington zählt ohnehin anders. Sie addiert zu den Besucherinnen und Besuchern auch die von Frankfurter Ausstellungen, die in anderen Ländern gezeigt werden. Etwa die Schau über Leben und Werk des Regisseurs Stanley Kubrick, die seit langem tourt und demnächst in London und New York zu sehen sein wird. Rechnet man diese Ausstellungen mit, verzeichnete das Deutsche Filmmuseum im Jahre 2018 rund 365 000 Besucher weltweit. Hinzu kamen drei Millionen Aufrufe der Website.

Unklar ist der Direktorin und ihrem Team gegenwärtig noch, was mit dem von der Stadt geplanten freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre auf das Museum zukommt. Denn die Kehrseite dieser Reform ist der Einnahmeausfall für das Museum – den Harrington nicht beziffern wollte. Ihre Vorgängerin Claudia Dillmann hatte eine Einbuße von mehr als 100 000 Euro für das Haus geschätzt. Diesen Ausfall will aber die Stadt allen betroffenen Museen ersetzen.

Wie sich das Publikum des Museums genau zusammensetzt, wollte das Team nicht verraten. „Es ist sehr breit aufgestellt – von Familien bis 80-Jährigen“, sagte Frauke Haß.

„Für uns ist alles Film und Film alles“

In ihrem neuen Leitbild legen die mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses ein Bekenntnis ab. „Von der kulturell vielfältigen und dynamischen Metropole Frankfurt am Main aus arbeiten wir aktiv an der Gestaltung einer offenen Gesellschaft mit.“ Gemeinsam wolle man „Filmkultur lebendig halten“. Das Statement mündet in den Schlusssatz: „Für uns ist alles Film und Film alles.“

Offenheit und keine großen Hierarchien: Das passt jedenfalls bestens, wie sie sagt, auch zum Stil der Direktorin. Mit den Veränderungen im Auftritt des Hauses hat sie ein erstes Zeichen gesetzt.

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