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Blick auf das Frankfurter Waldstadion aus der Luft.

Frankfurter WM-Stadion

Nazi-Fanschals bei DFB-Länderspiel in Frankfurt aufgetaucht

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    Georg Leppert
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Ein fliegender Händler hat beim Länderspiel Deutschland gegen Nordirland Artikel mit rechter Symbolik verkauft. Ein Experte kritisiert die „martialische Bildsprache“.

  • Beim Länderspiel Deutschland gegen Nordirland tauchen Nazi-Fanartikel auf
  • Fanschals mit rechter Symbolik könnten illegal sein
  • Vorfälle mit rechten Hintergrund ereignen sich vor allem bei Spielen der Nationalmannschaft 

Ein Schal in schwarz-weiß-rot mit der Aufschrift „Deutschland – Unsere Heimat“. Einer mit der Kriegsflagge des Deutschen Reiches und dem Spruch „Meine Heimat Deutschland“. Und einer, auf dem ein Reichsadler mit langgestreckten Flügeln zu sehen ist, wie er zur Zeit des Nationalsozialismus populär war. 

Diese Fanschals mit rechter Symbolik wurden offenbar vor dem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Nordirland im Frankfurter Waldstadion am vergangenen Dienstag verkauft. Ein Foto von dem Stand eines fliegenden Händlers kursiert derzeit im Internet.

Frankfurt: Nazi-Fanartikel vor WM-Arena augetaucht - Ordnungsamt weiß von nichts

Frankfurts Sport- und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sagte der FR auf Anfrage, dem Ordnungsamt seien solche Fanartikel nicht aufgefallen. Sollte man bei Kontrollen allerdings auf entsprechende Sprüche und Symbolik stoßen, werde man sehr genau prüfen, ob die verkauften Artikel legal seien.

Im konkreten Fall spricht wenig dafür, dass die Fanschals illegal sein könnten: Die Reichsfarben schwarz-weiß-rot dürfen verwendet werden, die Reichskriegsflagge ist nur in der unter den Nazis üblichen Version verboten, weil darauf ein Hakenkreuz zu sehen ist.

Frankfurt: Nazi-Symbolik beim Länderspiel - „männlich-martialische Sprache“

Michael Weiss, Experte für die extreme Rechte und Autor der Broschüre „Das Versteckspiel“ über rechte Szenecodes, sagte der FR*, die Schals zeigten „männlich-martialische Sprache und Symbolik, die bedrohen, einschüchtern und ausgrenzen soll“. 

Er erkenne darin die Sprache „von Rechten und von denen, die Fußball als eine kriegerische Heimatverteidigung sehen“, so Weiss. Bei Spielen der Nationalelf gebe es öfter Vorfälle mit rassistischen Gesängen und Neonazis in den Stadien.

Länderspiel in Frankfurt: Gewalt in Stadien und gegen Schiedsrichter thematisiert

In letzter Zeit werde im Fußball viel über Gewalt in den Stadien, auch gegen Schiedrichter, geklagt. „Ein wichtiger und überfälliger Schritt wäre es, all diese männlich-martialische Bildsprache und Kriegssymbolik zu problematisieren und Fußball als einen Raum zu gestalten, an dem man nicht durch so etwas eingeschüchtert wird“, sagte Weiss.

Nazi-Symbole beim Fußball - keine Seltenheit

Auch in Ostwestfalen-Lippe sind Nazi-Symbole bei Amateurfußballspielen aufgetaucht. Der Trainer des SuS Wolferdingsen war mit einer Mütze zum Spiel erschienen, auf der ein Totenkopf mit Stahlhelm sowie ein eisernes Kreuz abgebildet waren.

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*Die Frankfurter Rundschau und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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