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Die Geschäftsführer der Firma „Schutzbekleidung MiG“: Ali Faramarzi und Patrycja Janeczek.

Vom Software-Entwickler zum Unternehmer

Frankfurt: Der Mann mit den Masken - das Start-Up gegen den Lock-Down 

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Aufgrund der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Schutzmasken derzeit gigantisch. Das hat auch ein Frankfurter Software-Entwickler erkannt – und eine Produktion gestartet.

  • Corona-Krise: Große Nachfrage bei Schutzmasken
  • Frankfurt: Software-Entwickler ruft Start-Up ins Leben
  • Masken gegen Corona: Produktion soll nach Deutschland geholt werden

Frankfurt - Eigentlich will Ali Faramarzi nur den Kontakt zu einem Großhandel für Arbeitsschutzkleidung vermitteln. Der Unternehmer aus Frankfurt hat einen Bekannten aus Offenbach, der noch über Schutzmasken verfügt. Als aber immer mehr Anfragen von Ärzten, Apothekern und Privatleuten auf ihn einprasseln, entschließt sich der 40-Jährige zum Handeln: Softwareentwickler Faramarzi macht nun Atemschutzmasken.

Frankfurt: Masken gegen die Ausbreitung von Corona

Dafür hat er die Ärmel weit hochgekrempelt, denn die Nachfrage nach Schutzmasken ist gigantisch. „Die Sache hat uns definitiv überrollt“, gesteht der gebürtige Iraner, der seine Jugend am Niederrhein verbracht hat und seit 2002 in Frankfurt lebt. Das Knowhow zum Nähen der Masken erweist sich noch als geringstes Problem; ein Bekannter vom Institut für Textilwirtschaft in Aachen hilft aus. Dann kauft Faramarzi zwei Ultraschallschweißmaschinen, mit denen die Masken mit einer kontinuierlichen Naht produziert werden können. Danach begibt er sich auf die Suche nach dem geeigneten Material für medizinisch zugelassene Masken, einem Vliesstoff, der nach seiner Herstellungsweise kurz „Meltblown“ genannt wird.

Masken gegen Corona: "Produktion muss nach Deutschland geholt werden"

Die synthetische Mikrofaser wird in Deutschland von einigen Unternehmen gefertigt, dann aber meist nach China exportiert, weil es in Deutschland keinen großen Markt dafür gibt. Aus China werden die Masken schließlich wieder importiert. Das will Faramarzi ändern: „Die ganze Produktionskette muss nach Deutschland geholt werden.“ Mit seiner Lebensgefährtin Patrycja Janeczek gründet er kurzerhand die Firma „Schutzbekleidung MiG“ – das Kürzel steht für „Made in Germany“.

Masken Produktion rettet vor Kurzarbeit - das Beste aus Corona-Krise machen

Doch währenddessen merkt der 40-Jährige, dass die Idee, die Masken mit einigen Bekannten selbst zu nähen, angesichts der gewaltigen Nachfrage viel zu klein gedacht ist. Faramarzi findet einen Automobilzulieferer in Sachsen, der 40 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holt und jetzt Masken fertigt. Und es geht noch mehr, eine vollautomatische Maschine soll her. Die produziert 3000 Masken pro Stunde, kostet allerdings auch 300 000 Euro. Aber die finanziellen Rücklagen sind erschöpft, das Organisieren geht auch ins Geld. „Wir sind in ganz Deutschland unterwegs“, sagt Faramarzi, nachdem er 60 000 Meter Gummibänder aus Konstanz geholt hat. Ein paar Tage später steckt er „gerade an der tschechischen Grenze fest“.

Mit Crowdfunding gegen Corona - Gegenpol zu Scharlatanerie

Über ein Crowdfunding soll die Maschine finanziert werden. Sein Bruder Shirzad hilft ihm dabei und koordiniert auch die vielen Anfragen. Schon jetzt liegen dem kleinen Start-up-Unternehmen Bestellungen für 200 000 Masken vor, viele jammern und wissen nicht weiter. „Das ist auch eine Belastung“, sagt Shirzad. Hinzu kommen Angebote vermeintlicher Helfer, die aber doch nur das große Geld wittern. „Da tun sich Abgründe auf“, sagt Shirzad, der sich mit seinem Bruder vorgenommen hat, fair zu bleiben. „Wir wollen einen Gegenpol schaffen zu der Scharlatanerie, da machen wir nicht mit.“

Amtsgericht Frankfurt genehmigt Masken Produktion 

Mittlerweile hat das Institut für Arbeitsschutz (IFA) die Masken zertifiziert, doch bis das Crowdfunding beginnen kann, dauert es noch. Es fehlt noch eine Antwort vom Amtsgericht Frankfurt. Im Laufe des Donnerstags aber, ein paar Wochen nach der ursprünglichen Idee, Masken selbst zu nähen, kann es losgehen.

Wer das junge Start-up-Unternehmen unterstützt, erhält entweder zwei Baumwollmasken für den privaten Gebrauch oder das hochwertige Meltblown, um sich eigene Masken zu basteln.

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