+
13 Monate ohne Blechkarossen: Von August an werden Autos vom Mainkai verbannt.

Altstadt-Ufer

Frankfurter Mainkai wird ab August für Autos gesperrt

  • schließen

Am Frankfurter Altstadt-Ufer beginnt im August für 13 Monate ein großer Verkehrsversuch.

Frühere Planergenerationen wollten den Mainkai sogar mal großflächig untertunneln. „Das wurde damals aber aus finanziellen und technischen Gründen verworfen“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Den eigentlichen Zweck der Übung setzt die Stadt jetzt um: Das nördliche Mainufer entlang der Altstadt wird für Kraftfahrzeuge gesperrt.

Mit Beginn des Mainfests am 2. August müssen Motorisierte sich neue Wege suchen – oder auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke ist dann für Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer reserviert. Das hat der Magistrat beschlossen. Ausnahmen bis zur Straße Zum Pfarrturm gibt es für Busse, die Passagiere zu den Mainschiffen bringen.

Verkehrsversuch am Mainkai: Testphase bis Ende August 2020

Bis zum Ende des Museumsuferfests im Jahr darauf, am 30. August 2020, dauert die Testphase. Sie soll Aufschluss darüber geben, wie sich eine solche Umwidmung langfristig auswirkt. Mit Bedacht sprechen sowohl Stadtverordnete als auch Magistrat nicht von einer Sperrung, sondern von einer Öffnung für den Fuß- und Radverkehr. „Die Öffnung wird aus meiner Sicht ein Erfolgsmodell“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Ich löse damit ein Versprechen ein. Der Main gehört den Menschen hier.“

Feldmann und Oesterling überbieten einander am Montag mit Vergleichen bei der Präsentation des Projekts: Als es einst darum ging, die Zeil für Fußgänger zu reservieren, den Opernplatz, den Römer, die Konstabler- und vor allem die Hauptwache, stets habe es geheißen: „Das könnt ihr doch nicht machen!“ Heute wolle kein Mensch mehr diese Flächen den Autos zurückgeben. Die Stimmung in der Stadt hat sich gewandelt: Die Widerrede gegen ein autofreies Mainufer sei inzwischen „fast harmlos“, sagt Feldmann. Oesterling ist überzeugt: „Das wird ein bundesweit beachtetes Beispiel.“ Ob es bleibt, entscheiden die Stadtverordneten nach der Testphase.

Wo sollen die Kraftfahrzeuge hin, die den Mainkai passieren?

„Erlebnisorte und Ruheräume“ verspricht sich der Magistrat von den Plänen, „identitätsstiftenden Raum“, Platz für Außengastronomie und Grün und vieles mehr, wenn sich das Projekt durchsetzt. Die Betonung liegt auf: Ruhe. „Wir wollen den Bürgern zeigen, was ginge“, sagt Rita Jakoby vom Planungsbüro Albert Speer und Partner, das ein Konzept für den Mainkai entwickelt, „aber wir wollen keinen Rummelplatz.“ – „Wir wollen auch keinen zweiten Friedberger Platz haben, wo sich die Leute bis 2 Uhr nachts treffen“, sagt Oesterling, „aber eins ist klar: Das ist Innenstadt.“ Mit anderen Worten: Es gibt auch mal Geräusche.

Nur eben keine Motorengeräusche. Wo soll er hin, der Verkehr, die 20 000 Kraftfahrzeuge täglich, die bisher den Mainkai passieren? „Dafür machen wir den Verkehrsversuch“, sagt Oesterling. Und geht davon aus: „Teils verschwindet er großräumig, teils steigen die Leute auf Bus, Bahn und Fahrrad um.“ Veränderte Grünphasen etwa auf der Berliner Straße sollen helfen.

Wie das funktioniert, untersuchen die Planer in Kooperation mit einem Navigationsgerätehersteller und den Hochschulen aus Frankfurt, Offenbach und Darmstadt. Die Kosten des Tests: 83 600 Euro. Größter Posten: die Parkhauskosten für 17 Stellplätze. Die muss die Stadt den betroffenen Anwohnern erstatten. Macht 38 800 Euro.

Lesen Sie auch:

Täglich geraten Fußgänger und Radfahrer in Frankfurt sich auf den Wegen entlang des Mains ins Gehege. Die Teilung des Wegs am Nordufer in Rad- und Fußgängerspur aber ist umstritten.

Frankfurter Zahlen seit 1988 zeigen einen Trend weg vom Kraftfahrzeug – aber nur für die City. Drumherum nimmt der motorisierte Verkehr stark zu.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare