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Angeklagter Alexander Falk.  

Justiz

Frankfurt und Falk-Prozess: Kronzeuge belastet Falk  schwer

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Der Prozess gegen den Stadtplan-Erben wegen der Anstiftung zum Mord gibt auch Einblicke in die organisierte Kriminalität Hamburgs.

Zu Beginn seines zweiten Vernehmungstages möchte Etem E., Hauptbelastungszeuge im Falk-Prozess, erst mal eine Ehrenerklärung abgeben. Nicht in eigener Sache, sondern für Serhad Y., seinen ehemaligen guten Kumpel und Mitbelastungszeugen, der zwei Verhandlungstage zuvor seine Aussage überraschend revidiert hatte: Der Stadtplan-Erbe Alexander Falk habe ihnen nicht aufgetragen, einen Frankfurter Rechtsanwalt zu erschießen, der in einem Zivilprozess 30 Millionen Euro von Falk erstritten hatte. Er habe das nur behauptet, weil E. ihn bedroht habe.

Dieser Wankelmut ärgert E. zwar, aber als Mann von Ehre liegt ihm dennoch eine Klarstellung am Herzen. Am jüngsten Verhandlungstag sei die Rede davon gewesen, dass Y. unter anderem deswegen vorbestraft sei, weil er einem Schuldner seines Räuberhauptmanns eine geladen Pistole in den Mund gesteckt und durchgeladen habe, erinnert sich E. Dies sei unwahr. „Sachen in den Mund stecken – so was gibt’s bei uns nicht“, sagt E. Er sagt es laut, er sagt es entrüstet, er sagt es drei Mal. Und mit einem Stolz in der Stimme, als habe ihnen die Queen dafür soeben den Hosenbandorden verliehen, stellt er klar: „Wir sind wegen Kokainhandel vorbestraft!“

Zwei Fraktionen im Falk-Prozess: Pfeffersäcke und Vitaliencousins

Die Organisierte Kriminalität in der Hansestadt Hamburg, dieses Bild vermittelt zumindest der Falk-Prozess, ist aufgeteilt in zwei Fraktionen: Pfeffersäcke und Vitaliencousins. Die einen treiben Handel mit allem, was die Polizei erlaubt, die anderen mit dem Rest. Die einen tragen Maßanzug, die anderen Undercut, die einen haben Patrizierstammbaum, die anderen Migrationshintergrund, die einen stechen in See, die anderen in die Milz. Gesellschaftlich geht man sich so gut es geht aus dem Weg. Alexander Falk aber waren wohl zumindest in dieser Hinsicht Standesdünkel fremd.

Der wegen Betruges und Bilanzfälschung vorbestrafte Unternehmer, der, wie mafiainterne Chats belegen, in diesen Kreisen liebevoll „der Blonde“ oder „der Deutsche“ genannt wurde, hatte laut Etem E. vor allem einen Narren an den Brüdern B. gefressen, zwei Halbweltgrößen, die den Prozess gegen Falk aus ihrem selbst gewählten Istanbuler Exil von Vertretern beobachten lassen. E. erneuert seine Behauptung, Falk habe den Brüdern B. für 200 000 Euro den Auftrag erteilt, den Frankfurter Rechtsanwalt zu erschießen. Nachdem diesem die Kugel vor seinem Wohnhaus bloß ins Bein gefahren war und ihn schwer verletzt hatte, habe es aber lediglich die 50 000 Euro Vorschuss als Blutgeld gegeben – und als Bonus eine wütende E-Mail von Falk an Niyazi B.: „Deine Jungs taugen nichts!“

Alexander Falk, Niyazi B. und ein Hamburger Rechtsanwalt

Dabei sei Niyazi B. eigentlich nicht der Typ, der sich gerne ausschimpfen lässt, sagt E. und gibt zur Veranschaulichung eine Anekdote aus der Heimat zum Besten: Ein Hamburger Rechtsanwalt habe sich einst angeboten, eine geschäftliche Irritation zwischen Niyazi B. und Alexander Falk zu klären – was dann aber nicht nach B.s Gusto gelaufen sei. 

Jedenfalls habe der Anwalt kurz darauf beim Parkspaziergang ein paar von B.s „Cousins“ getroffen, die ihm ihre Sicht der Dinge erläutert hätten, und am Ende des Gesprächs sei der Anwalt reuevoll auf seine Knie gesunken und habe gefleht: „Bitte, bitte, ich tue alles, was ihr sagt, ich mache das auch nie wieder!“ Und so sei es am Ende doch noch ein schöner Tag geworden.

Was denn der Anlass für solch einen Streit gewesen sei, will die erstaunte Kammer wissen. Da muss E. ein bisschen ob der landgerichtlichen Naivität schmunzeln, weil es doch immer um das eine geht: „Respekt“. Der Anwalt habe B. bei dem Gespräch „ohne Respekt“ behandelt und auch ein bisschen „so von oben geguckt“. Das habe B. gewurmt, aber ein Streit sei das doch nicht gewesen, bloß so eine Art… und dann fehlen E., der eigentlich gut Deutsch spricht, plötzlich die Worte. Er nennt dem pro forma anwesenden Dolmetscher den türkischen Fachausdruck für das Rechtsgespräch im Hamburger Park, und dieser übersetzt es, so gut er kann, mit „freundschaftliches Gezicke“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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