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Arbeiten und Erholung gehen Hand in Hand im Kleingartenverein Kratzdistel in Ginnheim.

FR-Gartenserie "Grünschnitt"

Frankfurt: Der Kleingarten als Zufluchtsort in der Corona-Krise

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In der Corona-Krise Urlaub im Kleingarten machen: Frankfurter strömen in die Kleingartenanlagen - doch auch dort gelten Regeln. 


Frankfurt - Glücklich ist, wer insbesondere in diesen Tagen über ein eigenes kleines, grünes Reich verfügt. Auch wenn das Vereinsleben in den Frankfurter Kleingarten-Anlagen aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend eingestellt worden ist, gibt es um diese Jahreszeit in den Gärten viel zu tun und ein wenig Erholung darf natürlich ebenfalls nicht zu kurz kommen. Bei einem Besuch der „Gartenfreunde 1947“ am Rande des Rebstockparks fällt schon am vollen Parkplatz auf, dass viele Besucher gekommen sind. Herbert Keiting, Ombudsmann der Gartenfreunde, verweist zur Begrüßung auf das schwarze Brett hinter dem Eingang der Anlage. Dort hängen einige aktuelle Ankündigungen, unter anderem: „Unser Büro bleibt bis auf weiteres wegen Corona geschlossen“.

In Corona-Zeiten in den Frankfurter Kleingarten? Auch dort gelten Regeln

Stilecht in grüner Latzhose mit Strohhut und großer Krempe, führt Keiting über das weitflächige Areal mit rund 170 Parzellen. Er sagt: „Nach Anweisung des Hessischen Kleingärtnerverbands haben Gemeinschaftsarbeiten zu unterbleiben“. Sonst koordiniert der 67-jährige Griesheimer und gebürtige Nordhesse die gemeinsamen Arbeitsdienste der Pächter, wie Hecken schneiden und Müllentsorgung. Vor dem Toiletten-container schaut sich eine Frau fragend um. Keiting spricht sie an. Warum die Toiletten nicht geöffnet seien, will sie wissen. „Auch bei Corona muss man“, sagt sie. Keiting entgegnet: „Wegen Infektionsgefahr sind die Toiletten in allen Anlagen geschlossen“. So soll auch vermieden werden, größere Gruppen anzuziehen.

Einige Meter weiter versperrt ein rot-weißes Flatterband den Zugang zum verwaisten Klettergerüst. An das Nutzungsverbot werde sich bislang gehalten, so Keiting. An der schon seit Jahren geschlossenen Vereinsgaststätte gegenüber, die an einen muslimischen Verein vermietet ist, sind die Klappläden zugeklappt. Die Jahreshauptversammlung der Gartenfreunde, die dort für Anfang Mai geplant war, ist abgesagt.

Volle Kleingärten in Frankfurt: Grüne Zuflucht in der Corona-Krise

Vom Kiesweg aus, der durch die akkurat angelegte Anlage führt, sind zwischen Bäumen und Büschen Leute zu sehen. Auf einem Grundstück sprüht ein Mann Flüssigkeit auf einen Baum, während Kinder weiter hinten auf einem Trampolin springen. „Hier ist Leben, mehr als sonst“, sagt Arzu Tuncer über die Hecke ihrer Parzelle hinweg. Sie liegt in einer Hängematte, die zwischen einem Apfel- und einem Mirabellenbaum gespannt ist und freue sich, Nachbarn aus der Entfernung zu sehen. Kinder spielen hinter ihr in der Erde. „Kein Spielplatz, kein Schwimmbad hat geöffnet“, sagt die 34-jährige Mutter aus dem Gallus und ergänzt: „Ohne den Garten wüssten wir nicht, was wir machen sollten“.

Ihre Tochter Amara kommt vorbei und sagt: „Zu Hause schlafe ich nur, weil ich nix Besseres zu tun weiß“. Im Garten könne die Achtjährige schaukeln und Fangen spielen, Schwerter aus Holz bauen oder Regenwürmer retten, indem sie ihnen Wasser gebe. Ab und zu gieße das Mädchen auch mal die frisch gepflanzten Bohnen, Zwiebeln, Zucchini, Erdbeeren und Petersilie, berichtet sie.

Die kleine hellbraune Mischlingshündin Babsi kläfft zur Begrüßung an Luise Krestins Gartentörchen, an dessen Rosenbogen sich Grünpflanzen empor hangeln. Die 71-Jährige ist mit ihrer Schwester im Garten, die gerade gießt.

Kontaktverbot gilt auch im Kleingarten: Corona-Regeln für den Aufenthalt im Freien

„Sehr viel los“ sei derzeit in der Schrebergarten-Kolonie. „Montags bis freitags bin ich sonst alleine“. Sommers wie winters würde die Höchsterin vorbeikommen. Größere Gruppen habe sie in den vergangenen Wochen entdeckt, die sonst nie da seien. Diese Beobachtung teilt Ombudsmann Keiting. „Ich habe schon mitbekommen, dass verbotene Feiern gelaufen sind“, sagt er. „Das sind dann oft Gruppen von außen, die von Papa den Schlüssel haben“, fügt er hinzu. „Im Großen und Ganzen halten sich die Leute aber an die Regeln“, sagt der Mann mit dem Schnauzbart.

Zuflucht im Kleingarten: Neue FR-Serie zum Thema Garten

Einige Kilometer weiter nördlich, gibt es keine Probleme mit illegalen Zusammenkünften wegen des Coronavirus. Auf dem Gelände des Kleingartenvereins „Kratzdistel“, das sich hinter dem Ginnheimer Friedhof befindet, sind zwar einige Mitglieder zugange, jedoch in großer Distanz zueinander. Gefeiert werde nicht, berichten die stellvertretende Vereinsvorsitzende Mechthild Wagenhoff und die ehemalige Vorsitzende Gabriele Thielmann. Der ökologisch orientierte Gartenverein hat auch lediglich 38 Parzellen, die in Gruppen bewirtschaftet werden. „Wir haben relativ viel Gemeinschaftsfläche, aber alle sind vernünftig und wir mussten nichts sperren“, sagt Thielmann. Ein Unterstand etwa, an dem eine lange Tafel mit Bänken steht, bleibt in diesen Tagen ungenutzt. Abstandsregeln würden bei Unterhaltungen mit den Nachbarn gewahrt, betont Wagenhoff. Familie Pfannmüller nutzt die sonnigen Tage, um zu hoch gewachsenes Gestrüpp freizulegen. „Trotz der vielen Arbeit im Frühjahr finden wir hier Erholung“, sagt Vater Johannes. Von ihrem „Wohnzimmer“ spricht Mutter Alba. Tochter Mareike stimmt beiden zu. Nach getaner Arbeit darf dann auch eine Stärkung und ein kleines Sonnenbad nicht fehlen.

In den nächsten Wochenwerden wir unter dem Stichwort „Grünschnitt“ viele verschiedene Texte rund um’s Thema Garten veröffentlichen.

Von Clemens Dörrenberg

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