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Tagsüber ist alles ruhig an der Kiosk-Kneipe Birsteiner Stubb in Frankfurt.

„Wir können nachts nicht schlafen“

Ärger über Birsteiner Stubb: Für Anwohner zu laut - Inhaber findet Beschwerden übertrieben

Anwohner im Norden des Stadtteils klagen über nächtlichen Lärm. Kioskpächter Baist findet das übertrieben. Er unternehme bereits viel gegen Ruhestörer.

Frankfurt - Direkt um die Ecke eine kleine Kneipe mit Spielautomat und Gartenhütte zu haben, einen Kiosk, an dem es auch spät am Abend noch kühles Bier oder Knabbersachen gibt, klingt für viele verlockend. Für andere ist es ein schlaf- und nervenraubedes Dauerärgernis.

Seit zweieinhalb Jahren ist Swen Baist Inhaber der Kiosk-Kneipe „Birsteiner Stubb“ an der Birsteinerstraße 64a. Direkt daneben steht ein Mehrfamilienhaus. „Seit es den neuen Besitzer hat, ist es immer laut“, klagen drei Anwohnerinnen unlängst dem Ortsbeirat 11 ihr Leid. „Wir können nachts nicht schlafen.“

Frankfurt: "Birsteiner Stubb" ist für Anwohner ein Problem - "Jede Nacht Partys"

Oft hätten sie das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht. „Dann ist es mal zwei, drei Tage besser, dann geht es wieder weiter“, sagt eine der Damen. „Wir müssen ständig die Polizei rufen. Da sind fast jede Nacht Partys“, fügt eine Anwohnerin an. Vor allem Jugendliche würden dort trinken, rauchen, lärmen. Sie wüssten nicht mehr weiter.

Auch die Anrufe beim Ordnungsamt zeigten wenig Erfolg. „Die kommen dann. Aber kaum sind sie wieder weg, ist es wieder laut“, erzählt eine Nachbarin. Mehrfach am Abend würden sie dort anrufen, so dass die Beamten sie mittlerweile bitten würden, die Anrufe einzustellen. „Sie schließen jetzt abends auch die Tür“, sagt eine Nachbarin. „Aber es steht eine Bank davor, dann sitzen die Leute draußen.“ Trotzdem, räumt eine Nachbarin ein, gäbe man sich Mühe, den Lärm zu mindern. Die Bank würde abends mittlerweile weggeräumt.

Ärger um Birsteiner Stubb in Frankfurt: Inhaber versucht für Ruhe zu sorgen

„Ich war auch mal jung“, sagt Inhaber Baist. Der 39-Jährige ist in der Siedlung im Fechenheimer Norden groß geworden. „Ich hätte mich gefreut, wenn wir so etwas gehabt hätten“, sagt er über seine Gartenhütte, die er mittlerweile für Gäste geschlossen hat. „Ich dachte am Anfang, für die Jungen ist es besser. Die sind ja gerne auch ein bisschen unter sich und sitzen nicht so gerne zwischen den Alten. So lange sie ihren Dreck weggemacht haben, war mir das Recht.“

Mehrmals sei jemand vom Ordnungsamt da gewesen, deshalb habe er Konsequenzen gezogen. Umso verwunderter zeigte er sich nun über die Beschwerde beim Ortsbeirat. „Ich schließe die Bänke ab, die eine räume ich rein. Wir machen die Fenster zu, die Jalousien runter.“ Den jüngeren Stammgästen, alle Anfang zwanzig, habe er eine Ansage gemacht. „Wir versuchen wirklich darauf zu achten, dass es ab Zehn leise ist“, versichert er.

Frankfurt: Kiosk-Kneipe Birsteiner Stubb wieder mit Leben gefüllt

Baist sagt, er habe Verständnis für die Beschwerden in der Vergangenheit, aber teilweise würden die Nachbarn übertreiben. „Die Polizei hat meine Nummer. Die haben mich schon angerufen, da war ich zu Hause und hatte längst Feierabend gemacht. Oder sie sind ankommen und haben selbst festgestellt, dass wir mit einer Hand voll Leute drin sitzen, die Fenster zu, der Fernseher an und das war’s.“

Die Vorbesitzer seien alle älter gewesen und hätten um 22 Uhr „dicht gemacht“. „Grade am Wochenende oder wenn der Laden noch voll ist, hab ich gerne länger auf“, sagt Baist. Die einen mag es stören, aber viele in der Siedlung, so der Eindruck des Inhabers, würden sich freuen, dass wieder Leben im Kiosk ist.

Der Ortsbeirat entschied sich, der Beschwerde mit einem Brief nachzugehen. Die betroffenen Frauen verwies das Gremium außerdem an den „Schutzmann vor Ort“, ein Mitarbeiter des Ordnungsamts, der unbürokratisch bei Konflikten in den Stadtteilen Unterstützung biete.

Der Fechenheimer Schutzmann vor Ort, Jürgen Gries, ist unter der Telefonnummer 75 51 07 62 zu erreichen.

Von Sophie Vorgrimler

Eine andere beliebte Frankfurter Kneipe, die Terminus Klause, hat nach einem unfreiwilligen Ende vor einem Jahr ein neues Zuhause gefunden. 

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