Einzelhandel

Karstadt in Frankfurt droht Abriss – Gegner der Schließung organisieren eine Protestkundgebung

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
    schließen

Bei einer Kundgebung protestieren Menschen gegen die Schließung der Karstadt-Filiale auf der Zeil in Frankfurt. Der Vermieter bietet Mietkürzungen über eine Million Euro an - die Zukunft bleibt jedoch weiter unklar.

  • Dem einstigen Premiumhaus an der Zeil in Frankfurt droht die Schließung.
  • Das alte Karstadt-Gebäude soll voraussichtlich abgerissen werden.
  • Die Konkurrenz mit Kaufhof Frankfurt könnte ein Grund gewesen sein.

Update vom Montag, 29.06.2020, 11.06 Uhr: Am Nachmittag findet vor dem dem Karstadt-Gebäude auf der Zeil in Frankfurt eine Kundgebung statt. Menschen versammeln sich dort gegen 14 Uhr, um gegen die Schließung der Filiale zu protestieren.

Es gibt aber noch Hoffnung für die Filiale: Der Vermieter des Gebäudes in Frankfurt hat angeboten, die Miete zu senken – das ergäbe eine Gesamtersparnis von mehr als einer Million Euro. Mit diesem Angebot könnte das Gebäude vermutlich doch erhalten werden – das muss jedoch der Generalbevollmächtigte von Galeria Karstadt Kaufhof entscheiden.

Eigner von Karstadt Frankfurt nicht bereit für einen Mietnachlass

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 14.44 Uhr: Im Gegensatz zum Vermieter der Karstadt-Immobilie auf der Zeil in Frankfurt, Uwe Sahle, ist der Eigner der Kette Galeria Karstadt Kaufhof, René Benko, offenbar nicht bereit, den kriselnden Warenhäusern Mietnachlässe zu gewähren.

Benko ist Eigentümer der Immobilie des Kaufhofs auf der Zeil. Weder für das dort untergebrachte Warenhaus noch für die Galeria am Alexanderplatz in Berlin plane er mit Mietkürzungen. Das berichtet das Managermagazin.

Bangen bei Karstadt in Frankfurt: An der Zeil droht der Abriss

Erstmeldung vom Dienstag, 23.06.2020, 19.00 Uhr: Frankfurt - Norbert Sachs hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Der Betriebsratsvorsitzende von Karstadt auf der Frankfurter Zeil hat derzeit zunächst einmal alle Hände voll zu tun, die vielen Anfragen der besorgten Kollegen nach der angekündigten Schließung des Hauses zu beantworten. „Wir haben nicht damit gerechnet“, gesteht Sachs, der seit 43 Jahren im Betrieb ist.

Karstadt in Frankfurt: Kaufhaus auf der Zeil steht Schließung bevor

Er hat alle Höhen und vor allem die Tiefen der vergangenen Jahre mitgemacht, aber am vergangenen Freitag war er wirklich geschockt. Denn in den Verhandlungen mit der Konzernspitze in Köln bekam er keine Informationen, ob Karstadt auf der Zeil den Schließungen zum Opfer fallen würde. Das habe er erst am Freitag in einer Telefonkonferenz erfahren. „Das ist schon unmenschlich“, empört sich Sachs.

Auch über die Gründe, warum es das einstige Premiumhaus erwischt hat, herrscht Unklarheit. In den vielen Gesprächen, die Sachs mit Kollegen anderer Standorte geführt hat, gab es zwei verschiedene Begründungen.

Karstadt an der Zeil: Der Konkurrenz zu Kaufhof Frankfurt zum Opfer gefallen

Einmal heißt es, Karstadt sei in der Konkurrenz zu Kaufhof an der Hauptwache dem besseren Standort und der besseren Ausstattung zum Opfer gefallen. Fest steht, dass Karstadt auf der Zeil nach derzeitigem Verhandlungsstand zum 31. Oktober 2020 schließen soll. Nur bei Solitärfilialen, also solchen, die trotz fehlender Konkurrenz eines eigenen Hauses auf der Streichliste stehen, will die Konzernleitung das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen. Das spricht dafür, dass die Sanierer vor allem Doppelstandorte ins Visier genommen haben.

Andere Stimmen behaupten, die Grundstückseigentümer auf der Zeil hätten sich in den Verhandlungen um Mietkürzungen besonders hartleibig gezeigt. Kompliziert wird es auch, weil das verwinkelte Kaufhaus im Laufe der Jahrzehnte die Fläche von drei verschiedenen Eigentümern angemietet hat.

Frankfurt Zeil: Grundstückbesitzer von Karstadt Schließung überrascht

Es gibt einen Schlauch hinten in Richtung ehemaliger Post und das Parkhaus. Der überwiegende Teil der Fläche, die Adresse Zeil 90, gehört den Gebrüdern Albert und Uwe Sahle, die im Münsterland das Unternehmen Sahle-Wohnen führen. Auf Anfrage der FR heißt es dort, das Unternehmen sei von dem Rückzug ebenfalls überrascht worden. Bei der letzten Karstadt-Krise sei das Haus noch als unverzichtbar eingestuft worden.

Sahle habe bei den jetzigen Mietverhandlungen Zugeständnisse gemacht, die in der Summe Einsparungen von mehr als einer Million Euro brutto jährlich ausgemacht hätten, sagte Unternehmenssprecherin Sybille Jeschonek. Gleichzeitig bot das Unternehmen dem Betriebsrat ein Gespräch mit der Geschäftsführung von Sahle an, um keine „Sagen“ entstehen zu lassen. Miete indes habe Karstadt für das Objekt auf der Zeil schon seit April 2020 nicht mehr gezahlt.

Karstadt-Standort in Frankfurt: Kein neues Kaufhaus an der Zeil geplant

Joachim Stoll, der Vorsitzende des Frankfurter Einzelhandelsverbands, sieht indes schwere Zeiten auf seine Branche zukommen. Jedes Kaufhaus habe einen festen Kundenstamm von ein paar Tausend Menschen. „Ein Grund, in die Innenstadt zu kommen, fällt jetzt für ein paar Tausend Menschen weg.“

Stoll hat auch wenig Hoffnung, dass es an dem Karstadt-Standort wieder ein Kaufhaus geben wird. „Es gibt keine alternativen Kaufhäuser mehr, eine ähnliche Verwendung über mehrere Etagen halte ich für nicht machbar.“ Es sei auch Aufgabe der Eigentümer, neue Ideen zu entwickeln.

Sahle-Wohnen gibt zu bedenken, dass der Bebauungsplan dort derzeit nur eine gewerbliche Nutzung zulasse. „Wir gehen daher von einer weiteren Einzelhandelsnutzung zumindest in den unteren Etagen aus“, so Jeschonek. Kombiniert werden könnte das mit anderen Gewerbenutzungen darüber.

Frankfurt: Karstadt Schließung - Gebäude an der Zeil soll abgerissen werden

Voraussichtlich werde eine veränderte Nutzung aber den Abriss und einen Neubau erfordern, da das Gebäude den Anforderungen potenzieller Nachnutzer nicht gerecht werden dürfte.

„Unsere Architekturabteilung befasst sich derzeit unter Hochdruck mit der baurechtlichen Klärung und wir schauen uns zugleich nach möglichen Ankermietern um, mit denen wir das Projekt gemeinsam entwickeln können.“ Das Unternehmen hofft, „dass die Stadt Frankfurt konstruktiv mitwirkt, damit sich Planung und baurechtliches Genehmigungsverfahren nicht unnötig in die Länge ziehen“.

Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank sicherte zu, die Stadt werde sich dafür engagieren, „dass die Fläche wieder für den Einzelhandel genutzt werden kann“. Von Oliver Teutsch

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

Kommentare