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Nach langem Rechtsstreit beginnt im Mai 2019 der Bau der DFB-Akademie auf dem ehemaligen Rennbahn-Gelände in Frankfurt. 

DFB-Akademie

Kosten in Millionenhöhe: Kampf um Rennbahn kommt Beteiligte teuer zu stehen

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Der jahrelange Kampf um die DFB-Akademie in Frankfurt kostet die Rennbahn 700.000 Euro, die Stadt mehr als sieben Millionen Euro. 

Frankfurt - Der fünf Jahre lange Kampf um die geplante DFB-Akademie in Frankfurt ist sowohl die Stadt wie auch die Gegner des Projekts teuer zu stehen gekommen. Der Wortführer des Widerstands, Carl-Philipp Graf zu Solms-Wildenfels, hat jetzt im Gespräch mit der FR erstmals Bilanz gezogen. Der frühere Vizepräsident des Rennklubs Frankfurt bezifferte die Ausgaben der Freunde des Turfs für die jahrelange juristische Auseinandersetzung und den Bürgerentscheid 2015 auf „mit Sicherheit 700.000 Euro“.

Nach dem Entscheid einer Mitgliederversammlung befinde sich der Rennklub mittlerweile „in Liquidation“. Auf dem Rennbahn-Gelände im Frankfurter Stadtteil Niederrad sind die Bauarbeiten für die DFB-Akademie im Gange, die 2021 eröffnet werden soll.

„Wegen Wegfall des Vereinszweckes“, so zu Solms-Wildenfels, habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als den Rennklub zu liquidieren. Er sei „als Vorstand zurückgetreten“. Dennoch sah sich der Unternehmer „positiv gestimmt“. Er habe allerdings gelernt, „dem Rechtsstaat nicht blindlings zu vertrauen“, sagte der Kaufmann, der als ehrenamtliches Magistratsmitglied auch der Frankfurter Stadtregierung angehört.

Die Stadt Frankfurt wiederum hat ihre Ausgaben dafür, das Rennbahn-Gelände freizukämpfen, auf mehr als sieben Millionen Euro berechnet. Nach Angaben von Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) fielen für den Erwerb von Anteilen an der Hippodrom GmbH, als Entschädigung für die Aufhebung bestehender Mietverträge sowie für den Abbruch der Rennbahn-Tribüne und die Sicherung des Grundstücks insgesamt 6,8 Millionen Euro an.

Dazu kamen vertraglich vereinbarte Kostenerstattungen an den DFB etwa für die Untersuchung des Bodens in Höhe von 260.000 Euro.

Einige Gerichtsverfahren um den Rennklub sind noch anhängig

Rennbahn-Chronik

2014 geben Stadt Frankfurt und DFB bekannt, dass auf dem Gelände der traditionsreichen Galopprennbahn in Niederrad die DFB-Fußballakademie gebaut werden soll.

2015 strengen die Freunde des Turfs gegen die Pläne einen Bürgerentscheid an, erreichen aber nicht genügend Zustimmung.

Dennoch verzögert sich die Übergabe des Areals an den DFB durch Rechtsstreits um mehr als drei Jahre. jg

Noch nicht „abschließend beziffert“ hat die Stadt ihre Ausgaben für die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Rennklub. Zeitweise habe es 19 Gerichtsverfahren gegeben. Einige sind noch immer anhängig. So hat der Rennklub die frühere städtische Rennbahn-Gesellschaft Hippodrom auf eine Entschädigung in Höhe von knapp drei Millionen Euro verklagt. Diese Summe hatte der Bad Homburger Kaufmann Manfred Hellwig von der Stadt bekommen, nachdem er seine Anteile an der Hippodrom GmbH an die Kommune abgetreten hatte. 

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt außerdem noch immer gegen Hellwig wegen des Verdachts auf Veruntreuung. Das bestätigt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Nadja Niesen, auf Anfrage der FR. Angezeigt hatte Hellwig 2017 der Rennklub. Der Kaufmann soll die knapp drei Millionen Euro, die er von der Stadt bekommen hatte, nicht für den Rennklub, sondern für private Ausgaben verwendet haben. „Es gibt eindeutige Signale der Abteilung Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft, dass Anklage gegen Hellwig erhoben wird“, behauptet zu Solms-Wildenfels.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft will das so nicht bestätigen. Sie sagt lediglich, es sei „nicht ungewöhnlich“, dass Ermittlungen bei Wirtschaftskriminalität so lange dauerten.

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Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt hat den Rennklub in Liquidation dazu verurteilt, ausstehende Stromkosten an den Energieversorger Mainova zu zahlen. OLG-Sprecherin Gundula Fens-Boehr siedelt die Summe im „mittleren vierstelligen Bereich“ an. Gegen die Entscheidung sei kein Rechtsmittel möglich.

Zu Solms-Wildenfels nennt das Verfahren „einen Witz“. Das Oberlandesgericht habe immerhin die ursprüngliche Forderung der Mainova von 25.000 Euro „deutlich reduziert“.

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