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Gewerkschaften bereiten sich angesichts der möglichen Banken-Hochzeit auf Widerstand vor.

Deutsche Bank und Commerzbank

Große Skepsis in Frankfurt vor Banken-Fusion

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Gewerkschaften warnen vor Arbeitsplatz- und Filialabbau bei Deutscher Bank und Commerzbank.

Ein mögliches Verschmelzen der Deutschen Bank und der Commerzbank löst in Frankfurt alles andere als Begeisterung aus. Noch halten sich Kommunalpolitiker, Verbände und andere Akteure am Finanzplatz mit öffentlichen Stellungnahmen sehr zurück, scheinen viele erstmal abwarten zu wollen. Klar überwiegen aber die ablehnenden Stimmen.

Mit großer Skepsis reagiert etwa der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks auf Anfrage der Frankfurter Rundschau auf die beginnenden Gespräche über eine mögliche Fusion. Rosi Haus, Geschäftsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Frankfurt und Region, kündigt bereits vehementen Widerstand gegen Kündigungen und Verschiebungen von Beschäftigten an. Sie warnt davor, erneut Finanzinteressen über die Interessen der Beschäftigen und einfacher Kunden zu stellen.

Jacks fordert, dass die Fusion „keinesfalls zu weißen Flecken im Filialnetz ohnehin strukturschwacher Regionen“ führen dürfe. Die Entscheidungsträger „müssen sich bewusst sein, dass sie nicht nur den Aktionären verpflichtet sind, sondern auch dem Grundgesetz, nach dem Eigentum auch dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll“.

Deutlich schärfer und klarer stellt sich die Linke im Römer gegen die Pläne. Die Ankündigung der Fusionsabsichten sei ein schwarzer Tag für die Beschäftigten gewesen, sagt der finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Michael Müller. Schließlich gehe Verdi davon aus, dass 10 000 Arbeitsplätze direkt, längerfristig sogar 30 000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet seien.

Allein in Frankfurt hat die Deutsche Bank nach eigenen Angaben rund 11 000 Beschäftigte, die Commerzbank etwa 11 600 Beschäftigte. Die Deutsche Bank unterhält elf Filialen im eigentlichen Stadtgebiet, die Commerzbank 18. Teils liegen die Geschäftsstellen der bisherigen Konkurrenten sehr nah beieinander, etwa am Roßmarkt und der Konstablerwache sowie an der Schweizer Straße in Sachsenhausen.

Auch finanzpolitisch findet die Linke eine Fusion falsch. „Wenn Deutschland eines nicht braucht, dann noch eine Großbank, die mit faktischer Staatshaftung im Rücken auf den internationalen Finanzmärkten hemmungslos herumspekulieren kann“, sagt Müller.

In der Immobilienwirtschaft sieht man die Pläne offenbar etwas anders. Das Frankfurter Maklerhaus Nai Apollo geht zwar davon aus, dass die Zusammenlegung des Filialnetzes für viele Kommunen in Deutschland negative Konsequenzen hätte. Für den inzwischen angespannten Büromarkt im Bankenviertel könne die Fusion aber neues Potenzial schaffen, heißt es. Selbst wenn nur 2000 Arbeitsplätze in Frankfurt wegfielen und man mit 15 Quadratmetern Bürofläche pro Mitarbeiter rechne, würden schließlich rund 30 000 Quadratmeter Bürofläche frei – die Größe eines der beiden Zwillingstürme der Deutschen Bank.

Die Banken selbst halten sich mit Statements zurück. Auch bei einem Pressegespräch der Commerzbank zum Geschäft in der Region Mitte am Mittwochmorgen war nicht mehr zu hören, als dass es nun ergebnisoffene Sondierungsgespräche gebe. Bei den Kunden sei keine Verunsicherung zu spüren, sagte Bereichsvorstand Frank Nierhaus auf Fragen hin. Für diese werde sich auch nichts ändern.

Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Frankfurt: Commerzbank gewinnt mehr Privatkunden

3100 zusätzliche Privatkunden hat die Commerzbank im Jahr 2018 in Frankfurt hinzugewonnen. Damit hat sie, wie es am Mittwoch bei einem Gespräch zur Entwicklung im Marktgebiet Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) hieß, nun fast 250 000 Privatkunden in Frankfurt. Das Bestandsvolumen in der Region Mitte stieg auf 46 Milliarden Euro. Die Commerzbank wirbt unter anderem mit einem kostenlosen Girokonto um diese Kundengruppe.

Ein Wachstum verzeichnete die Commerzbank auch im Kreditgeschäft. Allein an Frankfurter Privatkunden vergab sie Ratenkredite in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Beim Neugeschäft mit Immobilienfinanzierungen profitiert das Institut vom Immobilienboom in Frankfurt. Es lag laut Bank mit 577 Millionen Euro allein in Frankfurt knapp unter dem bisherigen Rekordergebnis.

Bei den Firmenkunden legte die Bank ebenfalls zu. Die Niederlassung Frankfurt gewann rund 170 hinzu. Das Kreditvolumen stieg um sieben Prozent.

Die Commerzbank hat 18 Filialen in Frankfurt, 60 in der Rhein-Main-Region. Die Zahl soll nicht sinken. Teils werden Filialen aber laut Bank durch neue ersetzt, etwa in Rödelheim. Bundesweit investiert die Bank dieses Jahr rund 20 Millionen Euro ins Filialnetz.

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