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Am städtischen Klinikum in Höchst war Krankenpfleger Daniel B. sechs Monate lang beschäftigt, glänzte dort vor allem durch Abwesenheit. Wegen Vorfällen an einer Klinik im Saarland ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen den Mann.

Ermittlungen wegen fünffachen Mordes

Todespfleger Daniel B. war auch im Klinikum Höchst beschäftigt

Der Krankenpfleger Daniel B., der im Verdacht steht, in einer Klinik im Saarland mindestens fünf Menschen getötet zu haben, war auch am Klinikum Höchst tätig.

Frankfurt - Wegen fünffachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Krankenpfleger Daniel B. (27). Nun stellt sich heraus: H. war vor einigen Jahren auch am Klinikum Höchst tätig. Das berichtete der Hessische Rundfunk (HR).

Die Vorfälle im Saarland sollen sich auf der Intensivstation einer Klinik in Völklingen ereignet haben. Daniel B. wird verdächtigt, Patienten dort nicht verordnete Medikamente verabreicht und sie damit in einen lebensbedrohlichen Zustand versetzt zu haben, um sie anschließend zu reanimieren. Fünf Patienten sollen die Prozedur nicht überlebt haben. 

Die Taten sollen sich zwischen März 2015 und März 2016 ereignet haben. In dieser Zeit sei der Pfleger in der SHG-Klinik Völklingen beschäftigt gewesen, teilt der Hessische Rundfunk mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. In jener Klinik hatte Daniel B. 2011 bis Anfang 2014 die Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert, erfolgreich und mit sehr guten Noten."

Daniel B. als Krankenpfleger in Frankfurt beschäftigt – Klinikum Höchst arbeitet eng mit Ermittlern zusammen

Das Klinikum Höchst teilte am Montag (09.09.2019) auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass Daniel B. vom 1. April bis 30. September 2014 als Krankenpfleger in Höchst angestellt war. "Er wurde aufgrund erheblicher Ausfallzeiten noch innerhalb der Probezeit gekündigt", so eine Unternehmenssprecherin. "Wir wurden bereits 2016 von den Ermittlungsbehörden kontaktiert. Uns liegen derzeit keine Erkenntnisse über Auffälligkeiten vor. Wir arbeiten eng mit den ermittelnden Behörden zusammen." Derzeit sollen im Klinikum Höchst die Akten von Patienten, die 2014 in dem Zeitraum verstarben, als Daniel B. dort beschäftigt war, überprüft werden. 

Auffälligkeiten seien bislang nicht festgestellt worden. Das teilt der HR mit. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt, laut einer Sprecherin "etwa seit Juli" mit den Ermittlungen betraut, kommentierte gestern auf Anfrage weder die vom HR verbreiteten Nachrichten noch machte sie Angaben zu Details der Ermittlungen. "Wir stehen noch ganz am Anfang", so die Sprecherin. Schmallippig zeigte sich auch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Sie könne keine Auskunft erteilen, teilte gestern eine Sprecherin auf Anfrage mit. Zuständig sei die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Auch in Klinik in Wiesbaden angeheuert – Ermittler kamen Todespfleger 2016 auf die Spur

Daniel B. soll bereits während der Zeit, als sein Arbeitsvertrag beim Klinikum Höchst noch ungekündigt war, bei einer Klinik in Wiesbaden angeheuert und ab 1. September 2014 auf der Intensivstation tätig gewesen sein. Auch dort soll er mit hohen Ausfallzeiten aufgefallen und, so berichtet der HR weiter, ab November 2014 gar nicht mehr erschienen sein.

Dem dubiosen Pfleger auf die Spur waren die Ermittler 2016 gekommen. In einer Notarztjacke, so berichtet es der Saarländische Rundfunk, soll Daniel B. frühmorgens auf der Intensivstation des Krankenhauses in Saarburg (Rheinland-Pfalz) aufgetaucht sein. Ausgerüstet mit einem Defibrillator, habe er sich als Arzt ausgegeben. Das Pflegepersonal verweigerte ihm allerdings den Kontakt zu Patienten und alarmierte die Polizei.

Todespfleger Daniel B. sitzt wegen Betruges in Haft – Geschädigte auch aus Wiesbaden und Bad Homburg

Ermittlungen ergaben, dass Daniel B. keineswegs Notarzt war, sondern Pfleger am Universitätsklinikum Homburg/Saar. Zu jenem Zeitpunkt sollen dort bereits interne Ermittlungen gegen ihn am Laufen gewesen sein. Er wurde verdächtigt, einer Patientin ein nicht verordnetes Medikament gegeben zu haben.

Daniel B. sitzt zurzeit in Haft: wegen Betruges. Das Amtsgerichts Saarbrücken hatte ihn 2018 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, die er in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken verbüßt. Er hatte unter anderem Luxus-Uhren im Wert von rund 100.000 Euro bestellt und nicht bezahlt. Zu den Geschädigten zählen auch Verkäufer aus Wiesbaden und Bad Homburg.

Von Sylvia A. Menzdorf

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