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Als erstes Amtsgericht Deutschlands setzt Frankfurt bei Klagen nach dem Fluggastrecht auf Videokonferenztechnik im Sitzungsaal.

Luftverkehr

Frankfurter Amtsgericht: Flut von Klagen gegen Airlines

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Das Amtsgericht Frankfurt will den vielen Klagen gegen Airlines mit moderner Technik begegnen.

Das Bild ruckelt ein bisschen bei der Liveschalte aus Köln, aber Amtsrichter Frank Richter ist recht zufrieden. „Ich empfinde die Atmosphäre als sehr angenehm“, lässt er die Prozessbeteiligten wissen. Das Amtsgericht Frankfurt hat am Freitag sein Pilotprojekt „Videoverhandlung im Zivilprozess“ gestartet. Videotechnik im Gerichtssaal ist nicht neu und vom Gesetzgeber bereits seit 2001 erlaubt. Doch bei Klagen nach dem Fluggastrecht hat bislang noch kein Gericht in Deutschland diese Technik genutzt.

Amtsgericht Frankfurt: Arbeitserleichterung durch Videotechnik

Richter, gleichzeitig auch Vizepräsident des Amtsgerichts, kam die Idee bei einer Dienstreise nach China. Im Reich der Mitte wird die Videotechnik schon regelmäßig eingesetzt, um die großen Entfernungen zu überbrücken. Für das Amtsgericht Frankfurt erhofft sich Richter vor allem eine Arbeitserleichterung, und die sei bei den Verfahren zu Fluggastrechten dringend geboten. 

Denn die Zahl der Verfahren, in denen Flugreisende von Airlines Geld zurückhaben wollen, weil der Flieger verspätet oder gar nicht abhob, hat sich binnen zwei Jahren verdreifacht. 2017 waren es etwa 5000, in diesem Jahr schon 15 000 Klagen, die beim Amtsgericht eintrudelten.

Frankfurt: Kanzlei von Ryanair hat viel zu tun

Zum allerersten Verfahren mit Videotechnik begrüßt Richter den Rechtsanwalt Lasse Conrad: „Guten Morgen nach Hamburg.“ Dort sitzt Conrad an einem mit Getränken und Gläsern geschmückten Konferenztisch. Er arbeitet für die Kanzlei, die sich für den irischen Billigflieger Ryanair ins Zeug legt, und hat reichlich zu tun. Rechtsanwalt Jan Bielich und sein Mandant sitzen in Frankfurt auf der Klägerbank. Der Fluggast will etwa 700 Euro haben, weil Rynanair im Jahr 2017 einen Flug von Glasgow nach Frankfurt wegen zu viel Wind ausfallen ließ. Den Ersatzflug zwei Tage später wollte der Kläger nicht, er flog stattdessen mit Lufthansa ab Edinburgh zurück. Richter hört sich die Vorträge der beiden Anwälte an, eine Entscheidung will er im Januar verkünden. Ähnlich läuft es im zweiten Fall, Beklagte ist wieder Ryanair, Kläger diesmal das Fluggastrechteportal Flightright: ein Flug nach Madrid fiel einfach aus. Auch hier wird das Urteil im Januar verkündet. Im dritten Fall sind sogar beide Parteien zugeschaltet, ein Rechtsanwalt sitzt in Köln, Conrad für Ryanair noch immer in Hamburg.

Richter will die Videotechnik erst einmal ein paar Monate erproben, doch schon jetzt sind alle dankbar, dass viele Reisen und der Organisationskram wegfallen. Die Klagen indes könnten sogar noch zunehmen. Bislang machten erst 20 Prozent der Kunden ihre Ansprüche überhaupt geltend, hieß es bei Flightright.

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