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Katja Unterköfler (51) von der umweltfachlichen Bahnverwaltung überprüft eine Neuanpflanzung entlang der neuen S-Bahn-Trasse in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Die alte Strecke wird dafür in Kürze stillgelegt und renaturiert. 

Anbindung Gateway Gardens

"Der hundertjährige Wald ist verloren" - Großes Opfer für die neue S-Bahn

Am Frankfurter Flughafen müssen für S-Bahn-Anbindung des neuen Quartiers  100 Jahre alte Bäume weichen. Zum Ausgleich wird aufgeforstet.

Frankfurt - Noch fahren die S-Bahnen und Züge auf dem herkömmlichen Schienenstrang zwischen dem Frankfurter Stadion und dem Regionalbahnhof des Flughafens. In einer Woche ist Schluss damit - bis zur Eröffnung der neuen S-Bahn-Station Gateway Gardens im Dezember fahren die Züge den Frankfurter Fernbahnhof an. Katja Unterköfer, zuständig für die umweltfachliche Bauüberwachung des Großprojekts, plant schon an der grünen Zukunft der alten Trasse.

Gateway Gardens am Flughafen Frankfurt: 2020 beginnt die Aufforstung 

"Im kommenden Jahr beginnt der Rückbau, dann hoffentlich ab November oder Dezember 2020 die Aufforstung", sagt die resolute Bauingenieurin, die von Anfang an bei dem Bauprojekt dabei ist. "Wir stehen in der Pflicht, dass alles, was gerodet wurde, eins zu ein aufzuforsten ist." Sprich: Während für die neue Bahntrasse und die Anbindung des Stadtteils Gateway Gardens an das S-Bahn-Netz Bäume gerodet wurden, soll das Gelände der bisherigen S-Bahn-Strecke der Natur zurückgegeben werden.

Und da ein kleiner Setzling bekanntlich Jahrzehnte braucht, um wieder an die Größe der gerodeten Bäume heranzureichen, achtete Unterköfer schon beim Bau der neuen Strecke darauf, wo Bäume unangetastet bleiben konnten. "Der Revierförster war schon ziemlich entsetzt, als wir gerodet haben", räumt sie ein. Sie versuchte aber, die Eingriffe in den gewachsenen Wald so gering wie möglich zu halten.

Frankfurt Flughafen: Biologen siedeln Tiere für Gateway Gardens aus

"Ökologisch ist der Ausgleich ein Gewinn, da die alte Trasse durch ein sogenanntes FFH-Gebiet führte", sagt Peter Rodenfels, stellvertretender Abteilungsleiter im Frankfurter Grünflächenamt, über den Flächenamt. FFH steht für "Flora, Fauna, Habitat" - aus ökologischer Sicht ein wertvolleres Gebiet als das Areal der neuen S-Bahn-Trasse. Es gibt aber auch ein großes "Aber". "Im Gebiet der neuen S-Bahn-Strecke gab es 100 Jahre alte Eichen", bedauert Rodenfels. "Es wird zwar aufgeforstet, aber der hundertjährige Wald ist natürlich verloren."

Auch an die tierischen Bewohner wurde bei den Ausgleichsmaßnahmen gedacht. "Die Zauneidechsen haben ein provisorisches Habitat, bis der Pflanzenbewuchs an der neuen Bahnstrecke so weit ist, dass sie wieder Nahrung finden und gute Lebensbedingungen haben", sagt Unterköfer.

Etwa 30 Eidechsen wurden in den vergangenen Monaten an der alten Bahntrasse von einem Biologen gefangen und zu ihrem vorübergehenden Zuhause gebracht. "Ich hätte gedacht, dass es mehr Tiere sein würden", räumt Unterköfer ein. Doch das zeige nur um so mehr, dass für den Schutz der Echsen gesorgt werden müsse, die im Schotter, aber auch im Seitengraben von Bahnstrecken leben und besonders sonnige Abschnitte schätzen.

Frankfurt Flughafen: Enger Kontakt zum Revierförster für Gateway Gardens

Berücksichtigt wurden aber auch Flugrouten von Fledermäusen: "Wir mussten bei der Planung sicherstellen, dass die Baumreihen, die die Tiere zur Orientierung brauchen, nicht gefällt werden", sagt Unterköfer. Schon ehe entlang der neuen S-Bahn-Strecke gerodet wurde, wurden die sogenannten Hohenbäume "verschlossen", damit Vögel und Fledermäuse dort nicht nisten konnten. Als Ersatz wurden Nistkästen aufgestellt, in denen die Tiere Brutmöglichkeiten hatten. "Bei diesen Maßnahmen gibt es engen Kontakt zum Revierförster und mit der Oberen Naturschutzbehörde", so Unterköfer.

Der Schotter der alten Trasse muss als Sondermüll entsorgt werden, das darunter liegende Erdreich wird auf Verunreinigungen untersucht. Die neuen Bäume sollen nach der Aufschüttung und Umgestaltung des Geländes auf gutem Waldboden Wurzeln schlagen: "Wir haben den wertvollen Oberboden abgetragen, als wir die neue Bahntrasse bauten", zeigt Unterköfer auf einen Erdwall, der an einer Waldschneise aufgetürmt wurde. Hier ist der Boden zwischengelagert, bis es Zeit ist, ihn vor der Wiederaufforstung auf die frühere S-Bahn-Strecke zu bringen.

Frankfurt Flughafen: An Gateway-Gardens arbeiten 18.000 Menschen

 Ähnlich wie beim Bau selbst wird es dann auch für die Aufforstung eine Abnahme geben, sagt Rodenfels. Zum einen muss "herkunftszertifiziertes Saatgut" nachgewiesen werden, sprich die jungen Bäume müssen für die Lage im Rhein-Main-Gebiet geeignet sein. Zum zweiten müssen sich die jungen Bäume so gut entwickelt haben, dass sie auch ohne Betreuung und Wässerung überleben.

Der Stadtteil Gateway Gardens liegt zwischen der Autobahn 3 und der Bundesstraße 43 direkt am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens und ist vor allem Standort von Büros und Firmen.

Bis zu 18.000 Menschen werden nach der endgültigen Fertigstellung im neuen Quartier Gateway Gardens arbeiten. Mit der Anbindung an die S-Bahn-Strecke sollen der Stadtteil und die Frankfurter Innenstadt näher zusammenrücken und das Straßennetz rund um das Frankfurter Kreuz entlastet werden.

In das Bauprojekt für die S-Bahn-Anbindung von Gateway Gardens mit der unterirdischen Bahnstation und einer Unterquerung der A 5 am Frankfurter Kreuz veranschlagte die Bahn Investitionskosten in Höhe von insgesamt rund 260 Millionen Euro.

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Gateway Gardens wurde 2004 als "Global Business Village" am Flughafen konzipiert. Lange verharrte der Stadtteil im Dornröschenschlaf. Jetzt kommt für rund 300 Millionen Euro der Anschluss an die S-Bahn. Vor der Inbetriebnahme der neuenS-Bahn-Station Gateway Gardens kommt es zu Behinderungen auf der Strecke zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und Mainz / Wiesbaden. Derneue Stadtteil am Flughafen soll lebendig und grün werden. Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt: Wohnungen sind tabu, dafür sollen 20.000 Arbeitsplätze entstehen.

lhe

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