Kreationen der Designerin Hoermanseder bei der Berlin Fashion Week. Die Modemesse zieht nach Frankfurt um.
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Kreationen der Designerin Hoermanseder bei der Berlin Fashion Week. Die Modemesse zieht nach Frankfurt um.

Neue Mode-Hauptstadt?

Fashion Week in Hessen: Hat ausgerechnet Frankfurt das Zeug zur Mode-Metropole?

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Unklar bleibt, was das für die Formate der Hauptstadt bedeutet. Und ob Frankfurt das Zeug hat, seine Fashion Week auch international zu etablieren.

Es geht weiter: Auch im Sommer 2021 wird es eine Woche geben, auf der sich theoretisch die deutsche Mode präsentieren kann. Das ist eine gute Nachricht und für den Moment vielleicht das einzige, was zählt.

Fashion Week in Frankfurt: Planung ist ein ambitioniertes Vorhaben

Die Planung einer Frankfurt Fashion Week statt einer Berlin Fashion Week ist allerdings ein ambitioniertes Vorhaben. Wird es tatsächlich nur die Frankfurter Modewoche geben oder nicht doch auch eine ähnliche Veranstaltung in Berlin? Die Fashion Week dort besteht schließlich nicht nur aus den Messen der Premiumgruppe, die in Kooperation mit der Messe Frankfurt nun von der Spree an den Main ziehen wollen. 

Zur selben Zeit – und unabhängig von Premium, Seek und Neonyt – präsentieren seit 2007 unzählige Marken ihre Kollektionen in Berlin, in einer eigenen Location subsummiert der „Mercedes-Benz Fashion Week Berlin“ genannte Teil der Modewoche mit dem Autohersteller als Hauptsponsor Schauen größerer Labels, daneben gibt es Konferenzen und Talks, Cocktails und Partys, Buchpräsentationen, Kosmetikevents, Branchentreffen. Eben alles, was eine Fashion Week zur Fashion Week macht. Es ist ein gewissermaßen loser Titel, der nicht nur eine einzige, echte Fashion Week Deutschlands benennt.

Wer oder was also kommt nun tatsächlich nach Frankfurt? Bloß Premium, Seek und Neonyt, die laut Vorabmeldung auf dem Frankfurter Messegelände näher zusammenrücken sollen? Oder packen nun auch Deutschlands Designerinnen und Designer, die nun mal zu einem überragend großen Teil in Berlin arbeiten, ihre Koffer? Premium-Chefin Anita Tillmann und Messe-Frankfurt-Geschäftsführer Detlef Braun versprechen zwar ein Rahmenprogramm, das auch abseits des wenig charmanten Messegeländes weit in die Stadt hineinreichen soll – kann aber Frankfurt tatsächlich internationale Einkäuferinnen und Einkäufer, Journalistinnen und Journalisten locken, die nicht nur einen gut funktionierenden Messebetrieb, sondern auch eine intakte Modeszene vor Ort zu schätzen wissen?

Fashion Week: Weniger internationale Besucher in Berlin

Die internationalen Besucherinnen und Besucher blieben zuletzt auch der Modewoche in Berlin vermehrt fern. In ihrer 13-jährigen Geschichte hat die Berlin Fashion Week deutlich an Größe verloren. Viele Hoffnungen, die mit der ersten Ausgabe 2007 verbunden waren, haben sich nicht erfüllt. Berlin macht Mode, konnte sich aber als Modestadt neben Paris, Mailand, London und New York nie behaupten.

Damals hatte es unter anderem mit großen Präsentationen von Hugo Boss angefangen, einem vollen Kalender mit mehr als 50 Schauen und neben der Premium weiteren bekannten Messen. Zuletzt aber schrumpfte die Modewoche auf drei überschaubare Tage. Die Marke Boss war da schon mit ihrer Schau nach New York abgewandert, die zeitweise gut besuchte Messe Bread & Butter ging 2014 pleite, in der Location von Mercedes-Benz gab es kaum mehr als zehn Schauen.

Fashion Week: Kann Frankfurt schaffen, was Berlin nicht gelungen ist?

Stabil aber hielten sich – und das mag ein positives Signal für die Frankfurt Fashion Week sein – die Formate der Premiumgruppe. Das Flaggschiff Premium allein zählte zuletzt rund 60 000 Besucherinnen und Besucher. Und wer die Gründerin Anita Tillmann aus dem Branchenumfeld kennt, wird ahnen, dass sie auch für einen erfolgreichen Neustart in Hessen nichts unversucht lässt. Aber kann Frankfurt schaffen, was Berlin nicht gelungen ist? Kann ausgerechnet Frankfurt, wo es bisher faktisch keine nennenswerte Modeszene gibt, ein Treffpunkt der internationalen Branche werden?

Viel hängt von den jungen Designerinnen und Designern ab, die in Berlin nicht selten unter prekären Bedingungen arbeiten, mit ihren zukunftsgerichteten Entwürfen und oft nachhaltigen Konzepten aber die größte internationale Strahlkraft unter den deutschen Modemarken haben. Diese kleinen Labels sind zur Planung ihrer Schauen angewiesen auf die Netzwerke ihrer Stadt – auf Freunde von Freunden, die ihnen etwa eine Location gratis zur Verfügung stellen, und auf die finanzielle Unterstützung durch das Land Berlin, das mit Förderprojekten und Zuschüssen viele Modenschauen überhaupt erst möglich macht.

Frankfurt Fashion Week: Die Stadt bietet einiges

Im Römer und im hessischen Wirtschaftsministerium gibt man sich zwar willig, die Frankfurt Fashion Week tatkräftig zu unterstützen – ob dabei aber auch die deutsche Modeszene allgemein berücksichtigt wird, blieb auf der Pressekonferenz am Montag offen. Sollte die Politik diese Chance verpassen, könnte sich eine Entwicklung verschärfen, die in Berlin seit Jahren zu beobachten ist. Längst nämlich haben sich auch dort viele Marken von der Modewoche abgewandt.

Erfolgreiche Labels wie Kaviar Gauche und Lala Berlin zog es auf die größeren Fashion Weeks nach Paris und Kopenhagen, international gehypte Berliner Marken wie GmbH und Ottolinger haben ihre Mode noch nie in Deutschland präsentiert. Andere Labels suchen ihr Glück zwar weiter in Berlin, allerdings zeigen sie abseits der Fashion Week ihre Kollektionen etwa im Rahmen des Galleryweekend oder auf dem Modefestival Reference.

Faschion Week in Frankfurt: Entscheidend wird sein, welche Designer mit im Boot sind

Frankfurt bietet einiges, was dem Vorhaben einer Fashion Week dienlich sein dürfte – unabhängig von einer guten Verkehrsanbindung, schnellem Internet und der Vielsprachigkeit der Bürgerinnen und Bürger, die Oberbürgermeister Peter Feldmann auf der Pressekonferenz etwas ulkig lobte: Das Museum Angewandte Kunst etwa inszenierte in den vergangenen Jahren die vielbeachtetsten Modeausstellungen Deutschlands, im Gallus sitzt das wichtigste deutsche Branchenblatt „Textilwirtschaft“, in der Goethestraße finden sich viele Boutiquen der bekanntesten internationalen Marken.

Entscheidend wird sein, wen man sich zur Konzeption und Umsetzung der ersten Frankfurt Fashion Week im Juli 2021* mit ins Boot holt. Eine Messe nämlich macht noch keine Modewoche.

Von Manuel Almeida Vergara

Frankfurt darf bei der Fashion Week 2021 mitmischen. Kerstin Görling, Inhaberin der Boutique Hayashi, erzählt, was der Umzug der Fashion Week für die Modewelt am Main* bedeutet.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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