+
Der Angeklagte Alexander Falk (M) wartet zusammen mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts (Bild vom Prozessauftakt).

Mutmaßlicher Auftragsmord

Falk-Prozess: Wichtiger Zeuge verweigert Aussage

  • schließen

Der Prozess gegen den Geschäftsmann Alexander Falk wegen versuchten Auftragsmords kommt nicht so recht weiter.

Frankfurt - Viel passiert ist nicht am sechsten Verhandlungstag, aber über mangelnde Unterhaltung konnten sich die Zuschauer nicht beklagen. Ursprünglich gehört werden sollte am Donnerstag Ertem E. Der 47-Jährige soll aussagen, was er über den mutmaßlichen Auftragsmord an dem Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J. weiß. 

Bei seiner polizeilichen Aussage hatte er den angeklagten Alexander Falk als Drahtzieher belastet. Doch schon die Zeugenbelehrung geriet zum Drama. Die Verteidigung hält E. für einen „infamen Lügner und Betrüger“, wie der Pressestab des Angeklagten in einer eigens verfassten Mitteilung vorab kundtat. 

Frankfurt: Falk-Prozess - Hauptbelastungszeuge soll aussagen

Da auch die Kammer davon ausgeht, dass E. im organisierten Verbrechen Hamburgs zu Hause ist, wurden zunächst die gegen den 47-Jährigen anhängigen Verfahren aufgezählt, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Denn Zeugen dürfen die Aussage verweigern, wenn sie sich dadurch selbst belasten würden. E.s Rechtsbeistand gab nun an, er könne gar nicht sagen, inwieweit sich E. bei einer Aussage belaste, da er gar keinen Überblick über alle Verfahren habe. 

Falk-Prozess in Frankfurt: Zeuge sagt nicht aus - Gutachten wird trotzdem gehört

Dafür brauche er Akteneinsicht in ein Verfahren, das in Hamburg gegen seinen Mandanten geführt werde. Daher könne E. zurzeit nicht vor dem Frankfurter Landgericht aussagen, sondern frühestens in ein paar Wochen.

Lesen Sie auch: Falk-Prozess in Frankfurt: Zeuge revidiert Aussage

Gegen diesen Aufschub lief die Verteidigung nun Sturm, hatte sie doch so gehofft, den Zeugen der Lügen überführen zu können. Dafür hatten Falks Rechtsanwälte eigens einen renommierten Aussagepsychologen von der Uni Kiel bestellt. 

Frankfurt: Sechster Verhandlungstag im Falk-Prozess - Viele Überraschungen

Paradoxerweise wurde der Gutachter gehört, obwohl der Belastungszeuge gar nicht ausgesagt hatte. Nicht ganz überraschend konnte der Experte somit nichts Erhellendes zum Prozess beitragen.

Lesen Sie auch: „Nicht erklärlich“ - Bundespolizist belastet angeklagte Kollegen nach Einsatz am Hauptbahnhof

Bis der Hauptbelastungszeuge überhaupt seine Aussage verweigern durfte, hatte die Kammer um den Vorsitzenden Jörn Immerschmitt noch einige andere Klippen zu umschiffen gehabt. So lehnt die Verteidigung ihn als befangen ab, da er die Wahl für E.s Zeugenbeistand der Polizei überließ. 

Falk-Prozess in Frankfurt - Stenograf kommt umsonst ins Gericht

Die Verteidigung hält dies für anstößig, da E. eine gewisse Nähe zum Landeskriminalamt Hamburg nachgesagt werde, für das der 47-Jährige laut Verteidigung als geheimer Informant gearbeitet hat. Über den Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden wurde noch nicht entschieden.

Entschieden wurde hingegen, dass die Aussage von E., so sie denn noch kommt, nicht auf Tonträger aufgenommen wird. Dies sei in deutschen Gerichtssälen nicht üblich, so die Kammer. Die Verteidigung hatte in weiser Voraussicht einen Stenografen mitgebracht. Auch der war am Donnerstag vergeblich erschienen.

Von Oliver Teutsch

Bei einem anderen Fall stehen Betrüger in Frankfurt vor Gericht. Sie haben einen 70-Jährigen aus Kelkheim um über 180.000 Euro erleichtert. Dessen Reaktion überrascht die Richterin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare