+
Einige Abiturienten feiern mit Sekt vor dem Lessing-Gymnasium das Ende der schriftlichen Prüfungen.

Abitur

In Frankfurt endet das schriftliche Abi ohne große Feiern

  • schließen
  • Helen Schindler
    schließen

In Frankfurt ist wegen der Corona-Krise das traditionelle Abisaufen im Grüneburgpark ausgefallen. Die Abiturienten halten sich an die Verbote.

  • In Frankfurt müssen Abiturienten auf die Abschlussfeiern verzichten
  • Wegen des Coronavirus fällt das Abisaufen im Grüneburgpark aus
  • Die Erleichterung, den Abschluss zu haben, ist trotzCorona-Krise da

Frankfurt - Natürlich ist Gesundheit am wichtigsten“, sagt Adele. „Aber eigentlich sollte das die Zeit unseres Lebens sein.“ Die Abiturientin steht am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit einigen Mitschülern vor dem Frankfurter Lessing-Gymnasium. Mit den Prüfungen in Biologie ist am Donnerstag das schriftliche Abitur in Hessen beendet worden. Nun stehen noch Nachschreibtermine und die mündlichen Prüfungen an. Auch diese sollen nach Möglichkeit regulär stattfinden, versichert das Kultusministerium.

Bisher keine Bußgelder für Abiturienten wegen Coronavirus

Der letzte Tag der schriftlichen Abiturprüfungen ist eigentlich ein Tag zur Freude. Doch wegen der Corona-Krise sind Partys in diesem Jahr verboten. Dementsprechend stellt sich auch keine richtige Feierlaune vor den Schulen ein. So gerne würde sie ihre beste Freundin in den Arm nehmen, sagt Adele. Doch größtenteils halten die Schüler Abstand zueinander. Ein paar Meter weiter stößt Lucie mit sechs Freundinnen an, sie trinken Sekt aus grünen Bechern. „Ich bin erleichtert, dass ich es geschafft habe. Aber es ist schade, dass wir nicht feiern können“, sagt die Abiturientin.

Auch an der Wöhlerschule haben sich einige Schüler versammelt, viel los ist aber auch hier nicht. „Ich habe überlegt, ob ich überhaupt herkommen soll, aber meine Freundin hat es sich gewünscht“, sagt Eva, die vor der Schule wartet. Sie ist, wie viele andere, bereits seit der Matheprüfung am Mittwoch voriger Woche fertig. „Nach Mathe hatten sich hier viele Schüler versammelt, da hat es ordentlich Ärger mit der Schule gegeben“, erzählt Eva.

Auch heute nehmen den Sicherheitsabstand nicht alle so genau. Mehrmals fährt die Polizei vor – um deeskalierend zu wirken, wie ein Beamter sagt. Bisher habe er aber kein Bußgeld verhängen und keine Platzverweise erteilen müssen.

Auch das traditionelle Abisaufen im Grüneburgpark muss in diesem Jahr ausfallen. Carl, der heute seine letzte Prüfung geschrieben hat, sagt: „Klar wäre Abisaufen cool, aber es ist nun mal verboten. Ich habe von keinem gehört, dass er trotzdem in Gruppen feiern geht.“ Und tatsächlich: Die Absolventen halten sich an das Verbot, am Nachmittag bleibt es ruhig im Grüneburgark. „Wir haben hier heute noch keinen einzigen Abiturienten gesehen“, sagt ein Polizist im Park gegen 15.30 Uhr.

Bei Adele und ihren Freunden ist die Stimmung trotzdem gut. „Es ist schön, dass wir immerhin vor der Schule ein bisschen zusammenstehen können“, sagt sie, gibt aber auch zu bedenken: „Viele von uns haben große Pläne für die Zeit nach dem Abi. Wann wir diese umsetzen können, weiß momentan noch niemand.“

Nur wenige Ausfälle beim Abitur wegen Coronavirus

Der ungewöhnlichen Situation ist sich auch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bewusst. „Die schriftlichen Abiturprüfungen haben in diesem Jahr unter besonders schwierigen Bedingungen stattgefunden“, räumte er ein. „Obwohl wir den Schülern freigestellt haben, zur Prüfung zu kommen, sind fast alle erschienen.“ Das zeige, wie groß die Leistungsbereitschaft unter ihnen war und welchen Stellenwert das Abitur für sie habe.

Immerhin rund 96 Prozent der 23 500 hessischen Abiturienten haben an den schriftlichen Prüfungen teilgenommen*. In normalen Jahren sind es knapp 99 Prozent. Einige der Prüflinge standen unter Quarantäne, andere, die mit leichten Symptomen in der Schule erschienen waren, wurden von den Lehrkräften nach Hause geschickt.

Appell des Kultusministers an Abiturienten

Laut Kultusministerium fanden die Prüfungen ohne nennenswerte Zwischenfälle statt*. Es sei richtig gewesen, die Termine einzuhalten, sagte Lorz. Die Schulen waren angehalten, die Prüfungsgruppen so klein wie möglich und die Abstände zwischen den Prüflingen so groß wie nötig zu halten. Dies habe in den allermeisten Fällen gut funktioniert.

Lorz appellierte an die Abiturienten, wegen der weiterhin bestehenden Ansteckungsgefahr auf die sonst üblichen Feierlichkeiten zu verzichten. Auch die Polizei und die Landesschülervertretung haben sich diesem Appell angeschlossen.

Veränderte Prüfungsbedingungen in der Corona-Krise

Die Nachprüfungen sind für die Zeit vom 23. April bis 7. Mai vorgesehen. Die mündlichen Prüfungen sollen zwischen Mitte Mai und Ende Juni stattfinden. Man gehe davon aus, dass dies auch so geschehen könne, teilte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag auf Anfrage mit.

Ein Sonderfall sind die praktischen Prüfungen im Leistungskurs Sport, die eigentlich Anfang Mai beginnen sollen. Laut Kultusministerium ist es möglich, diese nach hinten zu verschieben. Eventuell könnten Schüler auch eine andere als die ursprünglich geplante Sportart wählen, wenn diese einfacher zu handhaben wäre. Oder die praktische Prüfung könne in eine theoretische umgewandelt werden.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare