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Coronavirus in Frankfurt: Selbständige Künstler sind gefährdet. (Symbolbild)

Interview mit Galeristin

Kunst in der Corona-Krise: Selbständige aufs Höchste gefährdet

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„Bilderhaus“-Betreiberin Karin Beuslein spricht im Interview über Probleme für Bildender Künstler in der Corona-Krise in Frankfurt.

  • Die Corona-Krise hat Frankfurt fest im Griff
  • Viele Wirtschaftsbereiche leiden unter fehlendem Umsatz
  • Selbständige Künstler sind besonders gefährdet

Frau Beuslein, Ihre Galerie „Das Bilderhaus“ im Frankfurter Nordend ist bekannt für die fröhlichen Feste, mit denen Sie gemeinhin ihre Ausstellungen eröffnen. Doch die Vernissage für Ihre jüngste Schau mit den Werken der Künstlerin Merja Herzog-Hellstén mussten Sie absagen. Die Wandpaneele, Acrylskulpturen und Tuschemalereien hängen in den Räumen, die verlassen sind. Was sind Ihre Gedanken?

Es ist natürlich sehr schade, für Kunstfreunde, für die Künstlerin, auch für mich. Wir hatten noch gehofft, die Eröffnung am 19. März in den Garten verlegen zu können und die Gäste einzeln die Ausstellung betreten zu lassen. Aber das ging natürlich nicht. Ich bin jetzt in der gleichen Situation wie viele Galerien. Ich zeige einzelne Werke auf meiner Webseite und kann nach Voranmeldung eine einzelne Person die Ausstellung betreten lassen.

Corona in Frankfurt: Das Internet kann die Galerien nicht ersetzen

Die Frankfurter Galeristin Karin Beuslein.

Viele Kunstmuseen und Galerien bauen ihren Internetauftritt weiter aus. Das führt zu der grundsätzlichen Frage, ob das Digitale die tatsächliche Begegnung mit der Kunst in der Wirklichkeit ersetzen kann.

Das Internet kann eine Anregung sein. Es ist sicherlich gut, dass es dieses Angebot gibt. Aber natürlich wollen die Menschen der Kunst in der Wirklichkeit begegnen. Eine Galerie oder ein Museum ist ein Ort der Begegnung und der Inszenierung, es entsteht eine Kommunikation mit den Kunstwerken und den anderen Menschen. Dies alles kann das Internet nicht ersetzen.

Fürchten Sie, dass sich Menschen von den Galerien und den Museen abwenden werden, je länger diese geschlossen sind?

Bei Menschen, die mit der Bildenden Kunst nicht so eng vertraut sind, kann das geschehen. Bei einem Publikum, das über Jahre hinweg Galerien und Museen besucht hat, kann ich mir das nicht vorstellen.

Corona in Frankfurt: Selbständige Künstler stark gefährdet

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Selbständige Künstlerinnen und Künstler, die von ihrer Arbeit leben müssen, sind aufs Höchste gefährdet. Merja Herzog-Hellstén ist zum Glück Dozentin an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Sie trifft es nicht so hart wie andere.

Karin Beuslein(79) arbeitete nach dem Studium in Berlin zunächst als Lehrerin, auch von 1974 bis 1977 in Tansania, später in Peru und Spanien. 

Schon in den 70er Jahren begann sie auch mit der Tätigkeit als Kunstvermittlerin, organisierte Kunstreisen in Länder wie Russland und Ungarn. 

Seit 2009 führt sie die Galerie „Das Bilderhaus“ in Frankfurt am Main, Herrmannstraße 41. 

Die aktuelle Ausstellung„Thin Skin of time“ von Merja Herzog-Hellstén kann nach telefonischer Vereinbarung (069/5972-854) von Einzelpersonen besucht werden.

Wie lange können Sie, wie lange kann die Galerieszene die Schließung durchhalten?
Bei mir ist es so, dass das Haus, in dem sich die Galerie befindet, der Familie gehört. Also fällt die Miete weg. Ich muss natürlich laufende Kosten wie Strom oder Versicherung aufbringen. Aber viele Galerien in Frankfurt und in anderen Großstädten zahlen horrende Mieten; die kommen jetzt in große Schwierigkeiten. Fast alle versuchen nun, verstärkt über das Internet und die sozialen Medien den Kontakt zu ihren Kunden zu halten, in der Hoffnung auf eine möglichst baldige Rückkehr zum normalen Galeriebetrieb.

Corona in Frankfurt: „Ich habe noch nie eine vergleichbare Situation erlebt“

Sie sind seit Jahrzehnten Galeristin. Können Sie sich an eine vergleichbar schwierige Situation erinnern?

Nein. Ich verfüge über Galerieerfahrung seit 1976, ich habe noch nie eine vergleichbare Situation erlebt. Auch nicht in der großen Finanzkrise 2008, als die Situation für die Bildende Kunst auch nicht einfach war.

Es gibt einen Hilfsfonds der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters. Haben Sie schon daran gedacht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Ich denke zunächst, dass dieses Angebot für viele in der Bildenden Kunst, insbesondere für die Künstler selber, ganz wichtig ist. Ich freue mich über die Geschwindigkeit, mit der die Bundesregierung reagiert hat. Für mich selbst habe ich noch nicht ins Auge gefasst, um Hilfe zu bitten. Aber wenn die Corona-Pandemie andauert, wird die Lage auch für mich kritisch.

Ein Bild aus der aktuellen Ausstellung der Künstlerin Merja Herzog-Hellstén.

Corona in Frankfurt: Pandemie ist nicht das Ende der Galerien

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Noch glaube ich: Die Corona-Pandemie wird nicht das Ende der Galerien und das Ende für das direkte und unmittelbare Erleben von Kunst sein. Ich sehe die Gefahr bei den Kinos größer als bei der Bildenden Kunst. Beim Film ist der Gebrauch des Internets schon wesentlich mehr eingeübt als in der Bildenden Kunst. Es könnte sein, dass ein Teil des Kinopublikums, insbesondere jüngere Menschen, dauerhaft abwandert. Für meine Galerie bleibe ich optimistisch. Ich plane für den 27. Juni ein Sommerfest mit den Künstlerinnen und Künstlern, die ich vertrete. Das habe ich noch nicht abgesagt.

Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert

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