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Viele Läden in den Einkaufszentren dürfen wieder verkaufen.

Lockerung der Beschränkungen

Einkaufszentren bereiten sich auf Eröffnung vor

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Viele Läden in den Einkaufszentren dürfen wieder verkaufen. Die Vorbereitungen laufen – und es gibt Kritik an der 800-Quadratmeter-Regel.

  • Wegen der Lockerung der geltenden Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen Einkaufszentren in Frankfurt wieder öffnen
  • Die EinkaufszentrenMy Zeil“ und „Main-Taunus-Zentrum“ treffen Sicherheitsvorkehrungen
  • Die Öffnung der Läden gilt nämlich nur unter bestimmten Bedingungen

Frankfurt - Annett Gurczinski, die Center-Managerin des Frankfurter Einkaufszentrums My Zeil, ist bis Freitagnachmittag zunächst vor allem eins: in unschöner Warteposition. Denn sie weiß einfach nicht, ob ab Montag nun auch Läden wieder öffnen dürfen, wenn sie maximal 800 Quadratmeter groß sind, aber sich in Einkaufszentren befinden.

„Wir stehen den ganzen Tag im Austausch mit den Ämtern“, sagt sie am Vormittag. Auch bei der Pressestelle des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen herrscht am Freitagmittag noch hektische Stimmung. „Wir melden uns per Mail“, sagt ein Sprecher.

Frankfurt: Fast alle Läden im Einkaufszentrum My Zeil dürfen wieder öffnen

Um 16 Uhr ist das Zittern und Warten vorbei. Die von vielen Ladenbesitzern und Einkaufszentren ersehnten neuen Verordnungen des Landes Hessen zu den gelockerten Corona-Regeln liegen nun auch Gurczinski schriftlich vor, die sie sogleich über ihren Mailverteiler an alle Ladenmieter weitergeleitet hat. „Außer den drei Geschäften, die größer als 800 Quadratmeter sind, also die Kleiderläden Bershka, Anson’s und der Elektroladen Saturn, dürfen bei uns alle wieder aufmachen. Wir sind super happy“, sagt die Managerin. „Es ist für den Handel sehr wichtig, dass wieder Umsätze getätigt werden können und dadurch einige Insolvenzen vermieden werden.“

Das Kino Astor-Filmlounge und das Fitnessstudio Fitness First im Einkaufszentrum müssten wegen des Kontaktverbots weiter geschlossen bleiben. Die Gastronomien dürften „to go“ anbieten. „Aber das durften sie auch schon die ganze Zeit, sie haben es bislang nur nicht in Anspruch genommen. Mal sehen, ob sich das mit der Öffnung der Läden ändert.“

In der am Freitag veröffentlichten Verordnung des Landes ist festgehalten, dass sich nur ein Kunde auf 20 Quadratmetern aufhalten darf. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern muss eingehalten werden, Spielbereiche für Kinder müssen gesperrt sein. Die Betreiber sollen darauf hinwirken, dass die Kunden eine „Mund-Nasen-Bedeckung“ tragen. Außerdem sollten Aushänge zu den Hygiene- und Abstandsregeln gut sichtbar angebracht werden. Unabhängig von ihrer Größe können Kfz- und Fahrradhändler, Buchhandlungen, Bibliotheken und Archive ab dem 20. April öffnen.

Frankfurt: My Zeil und Main-Taunus-Zentrum treffen Sicherheitsvorkehrungen für Eröffnung

Seit der Schließung der Läden Mitte März wegen der Corona-Pandemie durften in My Zeil nur der Lebensmittelmarkt Rewe, die Drogerie DM sowie Starbucks to go öffnen. „Jeder Ladenbesitzer ist selbst verantwortlich, in seinem Geschäft die Hygieneregeln einzuhalten, also beispielsweise den Mindestabstand zwischen den Kunden“, sagt Gurczinski. Das Einkaufszentrum selbst werde zusätzliches „Bewachungspersonal“ einsetzen, das dafür sorgen soll, dass sich weder vor noch im Zentrum Schlangen bilden, Menschen nicht zu dicht aneinander vorbeilaufen und sich nicht zu viele Besucher gleichzeitig in den Aufzügen oder auf den Rolltreppen aufhalten. „Damit sich keine Besucher ansammeln, bleiben unsere Sitzmöglichkeiten abgesperrt.“ Der Zugang über die drei Eingänge sei gut zu regeln. Ob tatsächlich am Montag alle Läden öffnen, denen es erlaubt ist, sei noch unklar.

„Klar sind wir froh, dass wir wieder aufmachen dürfen. Aber es bleibt nur wenig Zeit, um bis Montag alles vorzubereiten“, sagt Felix Gutberlet, Geschäftsführer des Sportladens Feflogx. Der Laden im zweiten Stock von My Zeil misst 125 Quadratmeter. In den vergangenen Wochen hätten sie über ihren Onlineshop verkauft und den Laden auf Vordermann gebracht. „Ich glaube nicht, dass die Massen strömen werden. Covid-19 ist ja noch da, viele Menschen haben also weiter Angst sich anzustecken.“

Ob die Massen kommen oder nicht, kann auch Daniel Quaas, Center-Manager des Main-Taunus-Zentrums, noch nicht abschätzen: „Wir haben im Hintergrund aber alles gut vorbereitet. Wir werden die Parkhäuser schließen, die Leute dürfen nur auf dem unüberdachten Parkplatz parken. Damit regulieren wir, dass nicht zu viele Menschen auf einmal kommen und in den Treppenhäusern des Parkhauses kein Chaos entsteht.“ 90 Prozent der Kunden kämen mit dem Auto.

Einkaufen in Zeiten der Corona-Pandemie: Bodenaufkleber, Infoschilder und Desinfektionsspender

„Unser Vorteil ist, dass das Main-Taunus-Zentrum zum größten Teil offen und nur teilweise überdacht ist, also somit die Leute viel an der frischen Luft sind“, sagt Quaas. Er betont: „Und wir haben ein Weglaufsystem entwickelt.“ Sprich: Bodenaufkleber weisen die Richtung, damit die Besucher nicht kreuz und quer laufen. Von den 170 Geschäften seien nur elf größer als 800 Quadratmeter. Doch ob alle anderen 159 am Montag öffnen, bleibe abzuwarten. „Die neuen Regelungen kamen jetzt sehr kurzfristig, und nicht alle Mieter werden sie so schnell umsetzen können.“

In Hanau will das Einkaufszentrum Forum am Freiheitsplatz, in dem es auf 22 500 Quadratmetern Ladenfläche rund 90 Geschäfte und Lokale gibt, wieder öffnen. Laut Center-Management sollen sämtliche Hygiene- und Abstandsvorschriften eingehalten werden, wozu etwa Markierungen auf dem Boden angebracht, Infoschilder aufgebaut und Desinfektionsspender installiert wurden.

Martin Bieberle, der im Rathaus den Bereich Stadtplanung leitet und Geschäftsführer der städtischen Hanau-Marketing GmbH ist, hält die Entscheidung, wieder Kunden ins Forum zu lassen, für richtig. Die Schutzvorschriften müssten aber erfüllt werden. Besucher könnten am Eingang warten, damit drinnen nicht zu viele Menschen seien. Forum-Mitarbeiter würden darauf achten, dass sich alle an den Abstand halten. „Das ist aufwendig, aber machbar.“

Corona-Regeln in Frankfurt: Kritik an 800-Quadratmeter-Grenze für Einzelhandel

Das Zentrum sei vor allem eine Ansammlung kleinerer Läden, sagt Bieberle. Den mehr als 800 Quadratmeter großen Geschäften ist eine Verkleinerung der Verkaufsfläche zum Ärger vieler Händler bekanntlich nicht erlaubt. Dies hatte in Hanau zum Beispiel das Modehaus Müller-Ditschler in der Rosenstraße erwogen.

Die Grenze von 800 Quadratmetern „können wir überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). „Es ist weder aus hygienetechnischen Gründen noch mit Blick auf die Abstandsregelungen erklärbar, warum man dem großflächigen Einzelhandel diese Chance nicht einräumen will.“

Frankfurt: Lockerung der Regelungen während der Corona-Pandemie

Generell sei der Handel zufrieden, dass erste Schritte in Richtung Öffnung getätigt werden, sagt Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Händler und Inhaber eines Koffergeschäfts. „Schwer nachzuvollziehen sind die Kriterien, warum es für manche Branchen Ausnahmen gibt und für andere nicht.“ Kritisch sähen es auch viele Mittelständler mit größeren Räumen.

Dringend brauche man eine Teilöffnung von Großflächen, vor allem in kleinen und mittelgroßen Städten. Dort seien es vor allem inhabergeführte Kaufhäuser und Textilhändler, deren Flächen die Grenze nur knapp überschritten. Die Angst, dass die Innenstädte schnell wieder überfüllt würden, teile er nicht, sagt Stoll. Viele Menschen arbeiteten noch im Homeoffice und gingen nicht in der Mittagspause oder nach Feierabend in die City.

Von Kathrin Rosendorff, Judith Köneke und Gregor Haschnik

Viele Frankfurter Händler freuen sich, wieder öffnen zu dürfen – und bereiten alles zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter vor.

Wegen Corona gelten in Hessen ab dem 20.04.2020 neue Regeln. Läden dürfen wieder eröffnen.

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