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Am Römerhof auf dem Betriebshof: Alle Busse stehen still.

Busfahrerstreik

Frankfurt: Wut der Busfahrer über schlechte Bezahlung

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Die Frankfurter Busfahrer fühlen sich nicht wertgeschätzt. Am Streiktag berichten sie über ihre Arbeitsbedingungen - und warum sie neidisch auf Sachsen sind.

Die türkisblauen Busse, die normalerweise im Frankfurter Stadtgebiet fahren, stehen an diesem Dienstagmorgen auf dem Betriebsgelände am Römerhof. Die Fahrzeuge stehen in mehreren Reihen, an der Fensterscheibe prangt ein rotes Plakat: „Streik“.

Es ist der erste Tag des hessenweiten Busfahrerstreiks und Dutzende Fahrer, die ihre Arbeit niedergelegt haben, stehen am Tor des Betriebsgeländes der Busgesellschaft In-der-City-Bus (ICB). Es gibt Kaffee, Brötchen und Würstchen. Am Pförtnerhäuschen hängen Fahnen der Gewerkschaft Verdi.

Frankfurt: Busfahrerstreik für einen höheren Stundenlohn

Die Stimmung ist auf den ersten Blick gut. Das bestätigt auch Erden Sari vom Betriebsrat. „Stimmung und Beteiligung sind sehr gut“, sagt der 35-Jährige. Dann fügt er noch an, dass die Kollegen auch sehr entschlossen seien, den Streik länger durchzuziehen. Solange es eben nötig sei, um in die aktuellen Tarifverhandlungen Bewegung zu bringen.

In erster Linie gehe es bei den Verhandlungen um mehr Geld, berichtet Sari. Die aktuellen 13,50 Euro pro Stunde seien einfach zu wenig, um in Frankfurt eine Familie mit zwei Kindern zu versorgen. 180 Stunden pro Monat arbeiten und trotzdem reiche das Geld nicht. Viele Kollegen müssten Unterstützung wie beispielsweise Wohngeld beantragen.

Frankfurt: Busfahrer sind die „schlechtbezahltesten im Land“

Andere müssen einen Nebenjob annehmen, um über die Runden zu kommen. Auch bei Peter Kaiser ist das so. Er ist ebenfalls im Betriebsrat und ärgert sich besonders, dass man in dem Job durch längere Betriebszugehörigkeit kein besseres Gehalt bekomme. „Wenn ich 20 Jahre hier bin, bekomme ich 18 Cent pro Stunde mehr“, sagt Kaiser. Es gebe keine Dynamik, wie sie beispielsweise Busfahrer in Baden-Württemberg hätten.

Immer wieder fallen die Namen anderer Bundesländer. Baden-Württemberg, Saarland oder auch Sachsen. Überall liege der Tariflohn höher als in Hessen. „Wir sind mit die schlechtbezahltesten Busfahrer im Land“, sagt Kaiser. Erden Sari ergänzt: „Wir kriegen hier nur Krümel ab.“

Frankfurt: Busfahrer beklagen körperliche Opfer

Immer mehr Kollegen bringen sich in das Gespräch ein. Das aktuelle Angebot des Landesverbands Hessischer Omnibusbetriebe sei nur ein Inflationsausgleich für die kommenden vier Jahre, ruft einer. Ein anderer wirft ein, dass der Beruf auch körperliche Opfer verursache. Bluthochdruck, Bandscheibenvorfälle und besonders kaputte rechte Knie würden immer wieder bei Busfahrern auftreten.

Ein Dritter beklagt das fehlende Weihnachtsgeld und das geringe Urlaubsgeld. Den Punkt greift Erden Sari auf. „Die Kollegen können nur alle drei Jahre mit der Familie Urlaub machen.“ Und er meine keinen weit entfernten Luxusurlaub.

Frankfurt Busfahrerstreik: Betriebsrente nicht umgesetzt

Neuanschaffungen von Elektrobussen oder auch das hessenweite Seniorenticket seien gute Ideen, aber die Frage, wer die Leute fahre, werde nicht gestellt. Wie sollten ausreichend Busfahrer für die Stadt da sein, wenn die Bezahlung nicht stimme, moniert Sari.

Dann kommt die Sprache auf die Pausenzeiten. Verdi fordert eine komplette Vergütung der Pausen und Wendezeiten. „Wenn man zwölf Minuten an der Endhaltestelle steht, wird einem das als Pause abgezogen“, erläutert Sari. Aber in dieser Zeit kommen beispielsweise Fahrgäste und stellen Fragen zum Fahrplan. Nur selten seien die ausgewiesenen Pausen dann auch wirklich Pausen.

Busfahrerstreik in Frankfurt: Warme Würstchen für die Fahrer

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Für ihre Zukunft sehen die Frankfurter Busfahrer schwarz. Die bei den vorherigen Verhandlungen versprochene Betriebsrente sei immer noch nicht umgesetzt. „Man fällt nach dem Beruf in Armut“, sagt Kaiser. Um sich jetzt etwas zur Seite zu legen, reiche das Gehalt eben nicht.

Ein Lob gibt es von Erden Sari dann aber noch für die ICB-Geschäftsführung. Es sei toll, dass man trotz Streik auf das Gelände und etwa den Strom nutzen dürfe. Die warmen Würstchen lassen sich die Fahrer schmecken – eine Stärkung für die kommenden Streiktage.

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