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Die Angeklagten, sagt die Staatsanwaltschaft, Frankfurt hätten „aus Freude am Misshandeln“ gehandelt.

Gericht

Frankfurt: Bewusstlos in den Main geworfen und die Tat gefilmt

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Prozessauftakt wegen versuchten Mordes gegen drei junge Männer in Frankfurt. Sie sollen ihr Opfer bewusstlos geschlagen und in den Main geworfen haben. Die Tat haben sie selbst gefilmt.

  • Frankfurt: Drei junge Männer wegen versuchten Mordes angeklagt
  • Betrunkenes Trio stößt Mann in den Main 
  • Tat am Mainufer: Video macht Geständnis sehr einfach

Marcel D. (18), Alexander S. (27) und Alain J. (21) stehen seit Mittwoch wegen versuchten Mordes vor der Jugendkammer des Landgerichts. Glaubt man der Anklage, ist das keinesfalls übertrieben.

In der Nacht auf den 18. August 2019 treffen die drei gegen 1 Uhr am nördlichen Mainufer nahe der Ignatz-Bubis-Brücke auf den 24 Jahre alten Mert U., der nicht mehr ganz nüchtern ist. Von diesem Zustand hat sich das Trio ebenfalls vor Stunden verabschiedet. Die drei bauen sich vor U. auf und fragen ihn, ob er „nass werden“ wolle, U. verneint, die drei gehen auf ihn los, U. versucht zu fliehen, die drei holen ihn ein, schlagen ihn zu Boden und treten so lange auf ihn ein, bis er das Bewusstsein verliert.

Frankfurt: Opfer hat nur lückenhafte Erinnerungen

Im Zeugenstand wird sich U. nur teilweise an das erinnern, was dann passiert. Aber er hat es ja auf Video gesehen. Alain J. habe zu Beginn der Anmache ein Handy gezückt und losgefilmt, sagt U. Das nächste, an das er sich erinnern kann, sei, dass ihn jemand am Gürtel gepackt und in den Main geworfen habe. „Ich habe gedacht, ich wäre gleich wieder aufgetaucht, aber der Film zeigt ja, dass ich mehrere Sekunden unter Wasser war.“

„Haut ab! Der stirbt!“, ruft Alain J., so die Anklage, und seine Freunde tun, wie ihnen geheißen. Passanten, die den Angriff aus der Ferne beobachtet hatten, ziehen U. mit Hilfe eines Schals ans rettende Ufer. U. kommt mit einem Nasenbeinbruch, einer Gehirnerschütterung und diversen Platzwunden, aber auch mit dem Leben davon.

Die Angeklagten, sagt die Staatsanwaltschaft, hätten „aus Freude am Misshandeln“ gehandelt – und um „absolute Dominanz zu demonstrieren“. Es tue ihren Mandanten „unendlich leid“, sagen ihre Verteidiger. Sie hätten U. ja nicht umbringen wollen, als sie ihn in den Main warfen. J.s Verteidiger Ulrich Endres, ein mit allen Wasser gewaschener Fahrtenschwimmer, erinnert daran, dass besagter August „einer der heißesten seit langem“ war. Alle drei Angeklagten sind geständig. Das von ihnen selbst aufgenommene Video macht ein Geständnis erfrischend einfach.

Frankfurt: Trio hat mit ein paar Flaschen Schnaps „vorgeglüht“

Angesichts des Mainwurfs verblassen die anderen Delikte, derer die drei angeklagt sind. Etwa zwei Stunden vor dieser Tat hatten sie im Ostend nach eigenen Angaben mit ein paar Flaschen Schnaps „vorgeglüht“, einen ihnen unbekannten Passanten beleidigt, niedergeschlagen und getreten, sich aber mit ein paar Prellungen ihres Opfers begnügt.

Kurz darauf stieß ihr ebenfalls betrunkener Freund Marco H. mit seinem E-Scooter zu dem fidelen Trio. Der war jedoch so stark alkoholisiert, dass er vom Roller fiel und sich die Kniescheibe brach. Während Marcel D. und Alain J. auf den Krankenwagen warteten, brausten sie zu zweit auf dem Roller durch die Gegend, stürzten ebenfalls, aber die Kniescheiben blieben heil. Diese heitere Eskapade ist nicht angeklagt. Dafür die: Eine Woche nach der Tat schnappte sich Marcel D. beim „Chillen“ am Mainufer die Krücken seiner Kumpels Marco H., zog sie einer Passantin hart über den Schädel und erpresste von ihrem Begleiter zwei Euro. Und bereits im März 2019, diese Zusatzanklage stammt von der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg, besuchte J. mit einem Teleskopschlagstock eine Karnevalsveranstaltung. Narren fragten ihn, warum er einen Schlagstock mit sich führe, und J. zeigte es ihnen.

Man kann den drei jungen Männern viel vorwerfen. Ideenlosigkeit gehört nicht dazu. Für die auf den ersten Blick furchtbar dämliche Idee, so eine Tat mit dem Handy aufzunehmen und sich anschließend damit dicke zu tun, hat J. eine einleuchtende Begründung. Er saufe so dermaßen, dass er eigentlich jeden Abend einen Filmriss habe. Deswegen nehme er ganz automatisch alles auf, was am Abend so passiert, damit er es sich es am nächsten Tag angucken könne und wisse, was er erlebt habe.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Stefan Behr

Zwei Baustellen gibt es am Mainufer in Frankfurt* zwischen Holbeinsteg und Untermainbrücke in den kommenden Wochen. Die Flusssohle wird gesichert, die 160 Jahre alte Uferwand saniert.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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