+
Ein prachtvolles Ambiente bietet das endlich eröffnete Café im der „Goldenen Waage“, dem schönsten Haus der Frankfurter Altstadt.

Frankfurt

Die „Goldene Waage“ ist das Schmuckstück der Frankfurter Altstadt

  • schließen

Das Café lädt zum Verweilen im Erdgeschoss des prachtvollsten Baus der neuen Altstadt ein.

Frankfurt - Manch einer, der regelmäßig über den Krönungsweg zwischen Dom und Römer geht, reibt sich verwundert die Augen. Kann das tatsächlich sein? 14 Monate, nachdem die Bauzäune um die neue Frankfurter Altstadt fielen, ist auch ihr schönstes Gebäude endlich geöffnet – die prachtvoll rekonstruierte „Goldene Waage“ am Dom.

Tatsächlich lädt ein Café im Erdgeschoss zum Verweilen ein. Torten, Kuchen, Croissants locken in den Auslagen hinter Glas. Morgens offeriert das Team auch Frühstück, abends sind Weine im Angebot. Von 9 bis 21 Uhr betreibt die renommierte Frankfurter Gastronomenfamilie Zarges unter der Adresse Markt 5 das neue Domizil für Flaneure und solche, die es werden wollen.

Das schwarz-weiße Schachbrettmuster des Marmorbodens, die Säulen mit ihrem goldenen Zierrat: Ein wenig Wiener Flair umgibt die kleinen Tische im Inneren, die nach Auskunft des Teams etwa 40 Sitzplätze bieten. Dafür gibt es im Freien auf dem Vorplatz nicht weniger als 22 Tafeln. Abraham van Hamel und seiner Ehefrau Anna van Litt hätte das wohl gefallen. Die beiden kamen als Glaubensflüchtlinge Ende des 16. Jahrhunderts aus den katholischen Niederlanden ins liberale Frankfurt. Von 1616 bis 1619 ließ das Ehepaar, das als gastfreundlich galt, in der Altstadt die „Goldene Waage“* eröffnen.

In der „Goldenen Waage“ kulminiert die Arbeit zahlreicher Handwerker

Die Porträts der beiden sind, in Stein gemeißelt, an der Hauswand zu finden. In einem Allianzwappen stehen die Initialen beider Eheleute – ein Zeichen für ihre Gleichberechtigung.

Die Deckenhöhe im Café beträgt nicht weniger als fünf Meter. Eine kleine Empore ist noch nicht zur Nutzung freigegeben, soll aber später auch Teil des Gastraumes sein. In der „Goldenen Waage“ kulminiert die jahrelange Arbeit zahlreicher Handwerker aus ganz Deutschland: Vergolder, Steinmetze, Schmiede und Zimmerleute.

Michael Guntersdorf, dem Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH, ist hörbar ein Stein vom Herzen gefallen. Immer wieder hatte er neue Eröffnungsterminefür das Haus verkünden müssen, keiner konnte gehalten werden.

Der Kuchen lockt mit Wiener Flair. 

Rund acht Millionen Euro hat das Schmuckstück der Altstadt* nach seinen Worten am Ende gekostet. Dass sich die Arbeiten so lange hinzogen, erklärt der Manager damit, dass das Erdgeschoss ursprünglich gar nicht als Gastraum konzipiert worden sei.

Deshalb musste umgeplant werden. Die erste Haustechnikfirma erwies sich der Herausforderung als nicht gewachsen und musste ausgetauscht werden. Die Gastronomen meldeten dann eigene Wünsche an.

Aber auch die architektonische Ausführung, für die der renommierte Baumeister Jochem Jourdan aus Frankfurt verantwortlich zeichnet, erwies sich als komplex. 2013 hatte Jourdan mit der Planung begonnen. In den oberen Stockwerken wird das Historische Museum im Herbst sechs möblierte Räume einer wohlhabenden Frankfurter Bürgerfamilie des 17. Jahrhunderts mit Originalen rekonstruieren.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare