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Welche der 72 Schülerinnen und Schüler werden einen Platz am Adorno-Gymnasium bekommen? 

Schulplatzvergabe

Adorno-Gymnasium in Frankfurt verlost Schulplätze

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Das Adorno-Gymnasium in Frankfurt ist beliebt. So beliebt, dass die Schule ihre Plätze für Fünftklässler verlosen muss.

  • Das Adorno-Gmynasium in Frankfurt wurde erst 2015 gegründet.
  • Inzwischen sind Plätze in den fünften Klassen der Schule sehr begehrt.
  • Das Frankfurter Adorno-Gymnasium verlost die Plätze deshalb.

Frankfurt - Eigentlich hatte Schulleiter Mathias Koepsell nicht damit gerechnet, dass am Adorno-Gymnasium die Schulplätze für die künftigen Fünftklässler ausgelost werden müssen. Doch nun hat er am Donnerstag im Besprechungsraum der Schule im Westend einen Glasbehälter aus der Biologiesammlung vor sich stehen, in dem sich 72 zusammengefaltete pinkfarbene Klebezettel befinden. Denn 72 Schülerinnen und Schüler haben das Adorno als Zweitwahl angegeben – aber Koepsell hat nur noch 57 Plätze zu vergeben.

Eine ganz neue Situation für den Schulleiter. Denn als das Gymnasium 2015 in Höchst gegründet wurde, waren es gerade einmal zwei Familien, die diese Schule als Erstwunsch angaben. Der allergrößte Teil der Schülerschaft waren daher Kinder, die eigentlich auf andere Schulen gehen wollten. Fünf Jahre später hat die Schule einen Umzug ins Westend hinter sich und 142 Familien mit dem Erstwunsch Adorno-Gymnasium. Ein traditionelles Gymnasium mit 120 Plätzen pro Jahrgang wäre bereits mit Erstwünschen voll gewesen.

Adorno-Gymnasium in Frankfurt: Schulplätze sind knapp

Doch die Schule hat regulär sechs Parallelklassen, also 180 Schülerinnen und Schüler im Jahrgang. Im vorigen Jahr nahm das Adorno aber sieben fünfte Klassen auf. „Wegen der Situation in der Stadt“, erklärt Koepsell. Weil Schulplätze in Frankfurt knapp sind, jeder einzelne gebraucht wird. Auch in diesem Jahr wird er wieder sieben neue Klassen aufmachen, das wären dann 210 zu vergebende Plätze. Allerdings glaubt der Schulleiter aufgrund der Corona-Krise, dass „wir etwas mehr Kinder haben werden, die das Schuljahr freiwillig wiederholen wollen“. Deswegen vergibt er diesmal nur 200 Plätze.

142 gehen an die Kinder mit Erstwunsch. Ein Kind mit Zweitwunsch ist Geschwisterkind und wird bevorzugt aufgenommen. Die verbleibenden 57 Plätze werden verlost. Auf den 72 Klebezetteln im Lostopf stehen aber keine Namen, sie sind durchnummeriert von 1 bis 72. Auf dem Tisch wiederum liegt eine durchnummerierte Namensliste: Jede Nummer ist einem Schüler oder einer Schülerin zugeteilt. Neben Koepsell sind sein Stellvertreter Torsten Schulz und Schulelternbeirätin Stefanie Horn anwesend. Zudem hat Koepsell den Notar Wolf Schröder-Hilgendorff gebeten zu kommen. Der führt Protokoll. „Es soll alles transparent zugehen“, sagt Koepsell.

Frankfurter Adorno-Gmynasium: Auswahl der Schüler ohne Kriterien

Das ist Koepsell ganz wichtig. Schon bei der Auswahl. „Wir machen das ohne Ansehen von Personen, ohne Kriterien“, sagt er. Außer den Geschwisterkindern wird niemand bevorzugt aufgenommen. Denn eines begleitet das Gymnasium bis heute, vor allem die Familien der ersten drei Jahrgänge: An diese Schule gekommen zu sein, „weil sie an anderen Schulen nicht erwünscht waren“. Das Gefühl, abgeschoben worden zu sein, sei erhalten geblieben. „Und Eltern empfanden das Wahlverfahren als intransparent.“ Dass durch das veränderte Verfahren des Staatlichen Schulamts nun alle Schulen viel weniger Kriterien zur Auswahl ihrer Schüler anwenden können und viel mehr losen müssen, findet Koepsell richtig. „Die Losverfahren tun der Frankfurter Gesellschaft gut, weil sie das Egalitäre betonen.“

Um 10.11 Uhr beginnt die Verlosung. Als Losfee zieht Schulelternbeirätin Horn die Zettel aus dem Glasbehälter. Auch sie hatte nicht damit gerechnet, dass gelost werden muss. „Es erfüllt mich aber auch mit Stolz, dass die Schule sich so schnell entwickelt hat.“

Schule in Frankfurt: Künftige Schüler des Adorno-Gymnasiums ausgelost

Horn greift in den Glasbehälter, fischt einen Zettel heraus, faltet ihn auf und liest vor: „15“. Sie reicht den Zettel an Koepsell weiter, der ihn an eine Stellwand klebt. Schulz trägt eine 1 bei Kind Nummer 15 ein. Welches Kind auch immer das ist, es kann sich freuen: Es hat einen Platz am Adorno-Gymnasium. Als nächstes zieht Horn die Nummer 38. Dann die 10. So geht es weiter. Ziehen, kleben, Platznummer auf Namensliste eintragen.

Dann greift Horn zum 57.-mal in den Glasbehälter. Der letzte freie Platz an der Schule wird vergeben. Er geht an den Schüler oder die Schülerin mit der Nummer 45. Die Nummer 68 hat Pech gehabt. Sie wird als 58. gezogen – und bekommt den ersten Platz auf der Warteliste. Denn es werden alle 72 Zettel gezogen, damit auch gleich eine Reihenfolge der möglichen Nachrücker feststeht. Falls ein Platz frei wird, weil Eltern ihr Kind doch lieber etwa auf eine Privatschule schicken. Oder ein Kind doch noch an seiner Erstwunschschule aufgenommen wird. Kann alles passieren. Und das Kind mit der Nummer 68 bekommt auf jeden Fall den ersten freien Platz.

Fünftklässler der Adorno-Schule in Frankfurt: Glück oder Unglück per Los

Um 10.22 Uhr ist alles vorbei, das Glück oder Unglück der 72 Schülerinnen und Schüler besiegelt. Die Anmeldung von Kind Nummer 68 und die der danach gezogenen werden nun ans Staatliche Schulamt geschickt. Das entscheidet mit den Schulleitern, auf welche Schule die Kinder gehen werden, die keinen Platz an einer ihrer Wunschschulen erhalten haben.

Ende Mai bekommen alle Eltern von Viertklässlern Bescheid, welche Schule ihr Kind aufgenommen hat – und auf keinem der Bescheide wird ungewünscht Adorno-Gymnasium stehen. Das erste Mal seit Bestehen der Schule.

Von Sandra Busch

In der Corona-Krise kommt Erzieherinnen besondere Verantwortung zu. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) fordert deshalb mehr Anerkennung und eine bessere Entlohnung.

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