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Aktivisten von „Extinction Rebellion“ blockieren die Friedberger Anlage.

„Extinction Rebellion“

„Extinction Rebellion“ probt in Frankfurt den Aufstand fürs Klima

Umweltschützer der Protestbewegung „Extinction Rebellion“ blockieren mehrfach kurzzeitig den Verkehr in Frankfurt.

Mit großen Bannern und Schildern sperren am Dienstag immer wieder bis zu 50 Aktivisten der Protestbewegung „Extinction Rebellion“ Straßen in Frankfurt, und halten den Verkehr für einige Minuten auf. Ihre Aktionen richten sich gegen das Aussterben der Menschheit. Das Logo von „Extinction Rebellion“, abgekürzt XR, ähnelt einer Sanduhr. Die deutliche Nachricht: Es wird knapp – wenn wir jetzt nicht handeln, ist es bald zu spät. Die Klimakrise könne sich zur größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte entwickeln, heißt es auf den Flyern, die sie an die gezwungenermaßen haltenden Autofahrer verteilen.

In der roten Ampelphase nehmen die Protestierenden am Dienstag Aufstellung auf der Straße und bleiben ein bis zwei Grünphasen dort stehen. Während sich die Autos stauen und einige Fahrer ihrem Unmut durch Hupen und Rufe wie „Spinner!“ und „Ihr müsst alle mal zum Arzt gehen!“ Ausdruck verleihen, ist die Stimmung der Protestgruppe heiter. Es wird gesungen, ein junger Mann jongliert mit blauen Bällen, während ein anderer sein Fahrrad in die Höhe hält.

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ wollen „unignorierbar“ sein

Nachdem alle wieder von der Straße herunter sind, werden Kekse verteilt, bevor sich die Gruppe schnell auflöst, um an anderer Stelle erneut zusammenzukommen. Zunächst blockierten die Aktivisten die Senckenberganlage, anschließend die Bockenheimer Landstraße und den Mainkai auf Höhe des Eisernen Stegs. Weitere Proteste an der Friedberger Anlage und an der Alten Oper folgten. Diese Methode nennt Hannah Elshorst, eine der Organisatorinnen ,„Swarming“.

Das Vorgehen soll Teilnehmende vor der Polizei und vor Strafverfolgung schützen, denn die Straßenblockaden sind illegal. Den Protestierenden ist das bewusst, sie nehmen das Risiko in Kauf, um „unignorierbar“ zu sein, wie Hannah es formuliert. „Die Unterbrechung des Alltags ist der beste Weg die nötige Aufmerksamkeit für das Thema Umweltschutz zu erreichen“, sagt die Politikwissenschaftsstudentin. Aktuell habe sie ein Urlaubssemester genommen, um mehr Zeit in den Aufbau von Extinction Rebellion in Frankfurt zu stecken. Zunächst sei sie skeptisch gegenüber der aus Großbritannien stammenden Bewegung gewesen. Die konkreten Aktionen – insbesondere die Besetzung der Themse-Brücken im Januar dieses Jahres – hätten sie aber überzeugt, dass hier endlich gehandelt werde.

„Rebellionswoche“ von „Extinction Rebellion“ hat erst begonnen

Die „Rebellionswoche“ der Bewegung hat gerade erst begonnen. Nachdem am Montag bereits in Berlin der Bundesregierung die Rebellion erklärt und mehrere Spreebrücken blockiert wurden, sind bis Sonntag weitere Aktionen geplant. In Frankfurt soll am Samstag auf der Zeil ein sogenanntes „Die-in“ stattfinde, bei dem sich Aktivisten auf den Boden legen, um den eigenen Tod zu simulieren. Über konkrete Pläne und Forderungen informiert die Initiative auf ihrer Website extinctionrebellion.de. Diese war aber am Dienstag über längere Zeiträume nicht abrufbar, wegen Serverüberlastung.

Das Vorgehen der Polizei gegen die illegalen Proteste ist bislang zögerlich. Mehrere Streifenwagen tauchten zwar bei den verschiedenen Straßenblockaden auf, die Beamten griffen aber bislang nicht ein.

Von Paula Doenecke

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