+
Schals über die Köpfe und mitsingen. Auch heute gegen den 1. FC Köln wird „Im Herzen von Europa“ zu hören sein.

Eintracht Frankfurt

Im Herzen von Europa: Vom Schunkelwalzer zur Eintracht-Hymne

  • schließen

Eintracht Frankfurts Vereinshymne: Die Geschichte von „Im Herzen von Europa“.

Die Stimmung schwankte zwischen Niedergeschlagenheit, Stolz und Trotz an jenem 9. Mai 2019 an der Stamford Bridge. Dann hoben rund 2000 Eintracht-Fans in London ihre Schals und stimmten „Im Herzen von Europa an“, um die Spieler, aber auch sich selbst nach der schmerzlichen Niederlage im Europapokal-Halbfinale gegen Chelsea zu trösten.

Der Weg des Liedes vom Schunkelwalzer zur Eintracht-Hymne war keine Erfolgsgeschichte von Anfang an. Bezeichnenderweise ist die Melodie des Liedes aber genauso alt wie die bislang einzige Deutsche Meisterschaft der Eintracht. Im Jahr 1959 komponierte Kurt Westphal, Mitglied im Frankfurter Polizeichor, das Lied zunächst für den Karneval als etwas schnulzige Hommage an die Stadt Frankfurt. „Frankfurt am Main, Du bist ein schönes Städtchen, Frankfurt am Main, hier wohnen schöne Mädchen“, hieß es ursprünglich im Refrain.

Eintracht Frankfurt hat die Idee

Damit könnte die Geschichte des Liedes schon zu Ende sein, wäre die Eintracht nicht Anfang der 1970er Jahre auf die Idee gekommen, zur 75-Jahr-Feier eine Platte mit den schönsten Eintracht-Liedern herauszubringen. Der damalige Vorsitzende des Polizeichors, Heinz Böcher, kam auf die Idee, den Text auf die Eintracht umzumünzen. Das fand bei der Jury Anklag. So gelangte die neue Version auf die 1974 erschienene Eintracht-LP, die fortan bei vielen Fans in den Plattenregalen stand (auch beim Autor).

Das Lied erklang 1997 erstmals im Stadion

Bis zum Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit war es aber noch immer ein weiter Weg. Eintracht-Fan Andi Klünder alias Rigobert_G erzählte 2006 nach dem Pokalfinale in Berlin, als Zehntausende Eintracht-Fans das Lied vor dem Anpfiff mitgesungen hatten, im Eintracht-Forum seine Version der Geschichte. Demnach drückte ihm ein Freund irgendwann jene schon etwas knisternde Eintracht-LP in die Hand. Klünder war begeistert, brannte die Scheibe auf CD und drückte sie dem damaligen Stadionsprecher André Rothe in die Hand. Der zeigte sich Klünder zufolge wenig begeistert, spielte sie aber 1997 dennoch erstmals im Stadion.

Tradition gegen eine Amerikanisierung des Fußballs

Von einem Durchbruch zu reden, wäre übertrieben, vielmehr fand das Lied - außer bei den Plattenbesitzern - wenig Anklang. Das änderte sich erst, als Radio FFH die Stadionregie übernahm und das Lied regelmäßig spielte und den Text auf der Leinwand einblendete. In einer Zeit, als eine Amerikanisierung des Fußballs drohte und sogar Cheerleaderinnen auf dem Rasen auftauchten, stand traditionelles Liedgut plötzlich hoch im Kurs.

Mittlerweile ist das Lied aus dem Vorprogramm der Heimspiele nicht mehr wegzudenken. Die Rechte an dem Lied hat Böchers Sohn Norbert an die Eintracht abgetreten, die den Schunkelwalzer auch vermarktet. So kam zuletzt für stattliche 9,95 Euro ein Notenblatt in den Handel, das auch ein bisschen die Geschichte des Lieds erzählt. Notenblätter brauchen die Eintracht-Fans aber keine mehr für ihre Hymne.

Vor der Winterpause ist die Stimmung bei der SGE jedoch schlecht. Nach der Heimpleite gegen Köln schlittert Eintracht Frankfurt mit Coach Adi Hütter in den Abstiegskampf. Der Trainer ist allerdings nicht allein schuld an der Misere. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare