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In Rom voll auf der Höhe: Mijat Gacinovic, Ante Rebic und Luka Jovic (von links).

Eintracht Frankfurt

Echte Helden

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Holger Sà fotografiert die Eintracht Frankfurt, wie man sie noch nicht sah. 

Sie sehen gut aus. Sehr gut. Nicht nur auf dem Platz – da vergöttert sie ja inzwischen halb Europa, die Kicker von Eintracht Frankfurt. Aber sie sehen auch mit langen Hosen gut aus, sehr gut, im feinen Anzug, der Trapper beispielsweise, also Torwart Kevin Trapp, wie er in Marseille zum Eintracht-Bus schreitet, den Rollkoffer in der rechten, den Kaffeebecher in der linken Hand (da müssen wir bei Gelegenheit mal über Mehrweg und Recycling sprechen), die Kollegen David Abraham und Gelson Fernandes im Schlepptau. Und das siegreiche Auswärtsspiel vom Vorabend noch im Gesichtsausdruck.

So sieht man sie in der Ausstellung „Eintracht Frankfurt – Eine neue Ära“, noch bis zum 16. März im Leica-Store in der Frankfurter Innenstadt. Aber natürlich nicht nur so. Man sieht sie in Mannschaftsfotos vor den Spielen, die tollen Fan-Choreographien im Hintergrund. Man sieht sie beim schweißtreibenden Training, man sieht sie beim Jubeln: Danny da Costa und Kevin Trapp ballen die Fäuste, Luka Jovic und Adi Hütter liegen sich in den Armen, die Eintracht-Entourage vor berstend vollen Adler-Rängen, sei es Frankfurt, sei es Nikosia, sei es Rom.

Eintracht Frankfurt: Die Gänsehaut vom 19. Mai 2018 ist sofort wieder da

Und die Fotos transportieren etwas: Es ist diese Stimmung, die die Eintracht begleitet seit jener magischen Nacht am 19. Mai 2018, in der alles begann. Die Gänsehaut, sofort ist sie wieder da, angesichts des Fotos, das die Kurve des Berliner Olympiastadions zeigt, in der unzählige Frankfurter dem Spielfeld ihre Rücken zukehren, und auf diesen Rücken: zehntausendfach die „12“. Und dann die Trophäe, der Pokal im Cockpit des Flugzeugs, das die Mannschaft am nächsten Tag heimbringt. Die wehenden Fahnen der Eintracht. Die mit Worten nicht zu beschreibende Begeisterung – Bilder können sie transportieren, jedenfalls ein gutes Stück des Wegs. 

Wer hat das alles fotografiert, wer war so nahe dran? Holger Sà war’s, deutsch-italienischer Backstage-Modefotograf, der in Rio und Paris viel Erfolge sammelte – und dann Fredi Bobic traf, Sportvorstand bei der Eintracht. Sie heckten ein ungewöhnliches Projekt aus: Sà wurde „Mannschaftsfotograf“ bei dem Bundesligisten. Das war die Eintracht seinerzeit noch: ein ganz normaler Bundesligist. Erster Arbeitstag des Fotografen war das Pokal-Viertelfinale gegen Mainz. Da ahnte noch niemand, was daraus entstehen würde.

„Es war beeindruckend zu erleben, was hinter den Kulissen eines Spieltages geschieht“, blickt er zurück. Das Beeindruckendste sollte noch folgen. Das Finale im Mai, beschreibt Sà, „ist ausgehend vom Ereignis selbst und der Menge an Emotion das Extremste, was ich als Fotograf erlebt habe“.

Eintracht-Fotos in Schwarz-Weiß schaffen erhabene Atmosphäre

Erstaunlich: Die Fotos übertragen Fußball auf eine ganz unerwartete Art. Ihr Schwarzweiß schafft eine erhabene Atmosphäre. Es gibt auch einige wenige Farbfotos, aber die Stimmung im Ausstellungsraum wird beherrscht von den oft edlen, immer bestechend ausgeleuchteten Aufnahmen in Schwarz und Weiß. Dem erstklassigen Spiel der Eintracht-Sportler mit dem Ball folgt hier das erstklassige Spiel des Fotografen mit dem Licht. Coach Adi Hütter in einem bibliothekenhaften Raum bei der Besprechung mit Co-Trainern und Fredi Bobic: Man kann sich gar nicht sattsehen an den Aufnahmen. Das funktioniert auch im edlen Ausstellungskatalog. 

Kuratiert wurde die Schau von Sonja Kruchen und Kerstin Krüger aus dem Leica-Team. Die Ausstellung stoße auf großes Interesse, sagt Geschäftsführer Qaiser Malik: „Wo funktioniert so etwas? In Frankfurt!“ Ein Höhepunkt in der Geschichte des Fotohauses, sagt er, und blickt zurück: Vor 109 Jahren legte Firmengründer Georg Rahn in der Kaiserstraße den Grundstein für das Geschäft, das Leica heute am Großen Hirschgraben führt. Vor 120 Jahren begann die lange und glorreiche Geschichte der Eintracht. Aber ob es in diesem üppigen Jahrhundert je ein so ausdrucksstarkes Foto eines Eintracht-Spielers gab wie jenes von Ante Rebic, wie er den Kopf in die Hand stützt? Unwahrscheinlich.

„Eintracht Frankfurt– Eine neue Ära“ im Leica-Store, Großer Hirschgraben 15, geöffnet werktags 10 bis 19, samstags 10 bis 17 Uhr, noch bis 16. März.

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