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Am Dienstag störten mehrere Vermummte in Frankfurt in einen Hörsaal und verteilten Flugblätter.

Uni Frankfurt

Kritik an Outing rechter Studentin

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Am Dienstag störten Unbekannte eine Vorlesung, um eine mutmaßlich rechte Studentin bloßzustellen. Die Fachschaft Psychologie kritisiert die Aktion scharf.

Die Störaktion vermummter Aktivisten in einer Psychologie-Vorlesung hat eine kontroverse Diskussion an der Goethe-Universität ausgelöst. Am Dienstag waren mehrere Personen in einen Hörsaal am alten Campus Bockenheim gestürmt und hatten Flugblätter verteilt. Auf den Zetteln, die auch am Campus Westend verteilt wurden, stehen private Daten einer Kommilitonin, der die unbekannten Autoren vorwerfen, Aktivistin der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ zu sein und zudem bereits an Neonazi-Aufmärschen teilgenommen zu haben. Der Text endet mit dem Aufruf an alle Studierenden, der jungen Frau zu zeigen, „was ihr von rechtsextremen AkteurInnen haltet“.

Die Fachschaft Psychologie, die von allen Studierenden des Fachbereichs gewählt wird, hat zu dem Vorfall eine Erklärung veröffentlicht, in der sie das Vorgehen der mutmaßlichen Antifa-Gruppe kritisiert. „Wir halten eine politische Praxis, die die Grundrechte der politischen Gegner*innen missachtet, für falsch und kritisieren diese aufs Schärfste“, heißt es darin. Sensible Daten zu veröffentlichen, ermögliche gewalttätige Übergriffe und sei kein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung. Eine mutmaßlich rechtsextreme Studentin einzuschüchtern, sei zudem „in keinster Art und Weise produktiv“.

Empörung auf Facebook

In der Erklärung räumt die Fachschaft ein, dass ihr der politische Hintergrund der betreffenden Kommilitonin bereits länger bekannt ist. Man habe schon darüber nachgedacht, wie mit der Situation umzugehen sei, ohne die Studentin bloßzustellen. „Wir sind uns dessen bewusst, dass wir auf die rechten Tendenzen in der Studierendenschaft schneller hätten reagieren können“, schreibt die Fachschaft selbstkritisch.

Auf Facebook erntet die Fachschaft für ihre Erklärung inzwischen empörte Kommentare. Einige Nutzer werfen der Interessenvertretung vor, sich schützend vor eine Rechtsradikale zu stellen, anstatt an die potenziellen Opfer rechtsextremer Gewalt zu denken. „Wenn Leute, die in der Vorlesung neben mir sitzen, meine Existenz als Ganzes infrage stellen, gibt es keine Diskussionsgrundlage“, schreibt ein Facebook-Nutzer.

Die Goethe-Universität teilte auf Anfrage mit, „Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Ausgrenzung und andere Formen der Diskriminierung“ hätten keinen Platz an der Hochschule. Zugleich könnten „die Verletzung von Persönlichkeitsrechten und der Aufruf zu Ausgrenzung oder gar Gewalt kein Mittel der – auch noch so berechtigten – politischen Auseinandersetzung sein“. Der aktuelle Vorfall werde auch juristisch geprüft, teilte die Universität mit.

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