Friseurmeister Guillermo Gonzalez wird oftfür Jesus oder einen Rockstar gehalten. Foto: Monika Müller
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Friseurmeister Guillermo Gonzalez wird oftfür Jesus oder einen Rockstar gehalten. Foto: Monika Müller

PORTRÄT DER WOCHE

Der Friseur, der wie ein Rockstar aussieht, erzählt von seinen Erfahrungen in der Corona-Krise

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Guillermo Gonzalez macht nicht nur fremde Haare schön, sondern ist selbst ein Hingucker. Ab diesem Montag darf der gebürtige Spanier wie alle Friseure wieder ihre Salons unter bestimmten Corona-Hygieneregeln öffnen.

  • Ein Friseur mit Rockstar-Potenzial
  • Jetzt darf Guillermo Gonzalez seinen Laden wieder öffnen – Unter strengen Hygieneregeln
  • Der Friseur berichtet von seiner Erfahrung in Zeiten des Coronavirus*

Guillermo Gonzalez wird oft mit Jesus verwechselt. Und genauso oft für einen Rockstar gehalten. Auf der Straße bitten ihn Leute darum, ihn fotografieren zu dürfen. Denn er sieht mit seiner blondierten Mähne, dem Bart, den Tattoos, dem langen goldenen Kreuz-Ohrring und der Paillettenweste aus wie eine Mischung aus beiden. Ein Rockstar-Jesus, der Friseurmeister im Frankfurter Nordend ist. In seinem Salon N-Kuentro kann man sogar T-Shirts mit Gonzalez mit Lockenwickler im Haar kaufen.

Frankfurt: Es begann mit drei Freunden und einem kleinen Friseur-Geschäft der Berger Straße

„Immer wenn ich in Santo Domingo in der Karibik im Urlaub bin, rufen die Leute mir hinterher: ‚Bist du Jesus?‘“, erzählt der 53-Jährige, der schon Opa eines fast zweijährigen Enkelsohns ist. Er lacht. Wie Jesus ist Gonzalez am 24. Dezember geboren. Geht der gebürtige Spanier in Frankfurt in ein Restaurant, wollen ihm die Kellner sofort einen Tisch anbieten, weil sie glauben, er sei ein berühmter Musiker. „Aber er lehnt immer ab. Er nutzt sein Aussehen nie aus. Er ist eher schüchtern“, sagt seine Kollegin und sehr gute Freundin Lilly.

Zusammen mit Friseurin Dzana haben die drei Freunde im Jahr 2003 den Salon N-Kuentro auf der Berger Straße eröffnet. Mittlerweile haben sie noch einen zweiten, größeren Salon auf der gegenüberliegenden Straßenseite und sieben Mitarbeiter. Ab diesem Montag dürfen sie jetzt nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen ihre Salons nach über einem Monat wieder öffnen.

Friseur in Frankfurt: Er wird einige selbst-kreierte Haarschnitte reparieren müssen

„Ich glaube ich werde viel reparieren müssen, denn einige Kunden haben selbst versucht die Haare zu schneiden oder sich sogar selbst versucht zu färben“, sagt Gonzalez und grinst. „Wir hatten, als wir schließen mussten, viele Anfragen, ob wir nicht auch privat zu Hause schneiden könnten. Aber das habe ich aus moralischen Gründen abgelehnt“, betont Gonzalez. Soforthilfen und Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter hätten sie finanziell über Wasser gehalten.

Die nächsten drei Wochen seien sie jetzt schon ausgebucht. „Aber wir werden weniger einnehmen, weil weniger Kunden in die Salons reindürfen.“ Trotz allen Einschränkungen freut Gonzalez sich endlich wieder Haare schneiden zu dürfen. Einige seiner Stammkunden kenne er seit 30 Jahren. „Einige sind Freunde geworden.“ Er liebe es Leute, mit schönen Frisuren glücklich zu machen.

Frankfurt: „Das Friseur-Sein war schon immer in mir drin“ berichtet der Friseur aus Spanien

„Das Friseur-Sein war schon immer in mir drin.“ Geboren und aufgewachsen ist Gonzalez in der spanischen Provinz Albacete als das fünfte von sieben Kindern. „Ich habe noch einen Bruder, der Rest sind alles Schwestern. Mit zwölf habe ich angefangen, meinen Schwestern die Haare zu schneiden.“ Im Dorf sei er mit seinem auffälligen Look früh aufgefallen.

Hygieneregeln beim Friseurbesuch

Kundinnenund Kunden müssen ihre eigene Maske mitbringen. Bei Färben sollten man am besten sich eine aus Papier mitbringen.

Friseure dürfen keineGetränke ausschütten und keine Zeitschriften auslegen. Man darf aber seine eigenen Getränke mitbringen. Am Eingang müssen Kunden ihre Hände desinfizieren.

Haare müssenvor dem Schneiden vom Friseur nun immer gewaschen werden. Kunden dürfen sich nicht mehr selbst föhnen.

Bart schneidensowie Wimpern- und Augenbrauenfärben sind nicht erlaubt.

Es wird keinen Wartebereich geben.Die Abstandsregeln von 1,5 Metern müssen eingehalten werden, somit gibt es weniger Plätze im Salon.

Mit Ausnahmevon kleinen Kindern und pflegebedürftigen Menschen sind Begleitpersonen nicht erlaubt. rose

Mit 16 macht er eine Ausbildung zum Friseur. Der Liebe wegen zieht er mit 21 Jahren nach Frankfurt. „Mit elf Jahren habe ich die Mutter meines Sohnes kennengelernt, später verliebten wir uns. Sie war eine Spanierin, die in Frankfurt lebte und die immer mit ihrer Familie nach Spanien kam. Sie war die einzige Frau in meinem Leben“, betont Gonzalez. Als der Sohn drei Jahre alt ist, trennt sich das Paar und teilt sich das Sorgerecht. Nicht gleich habe er sich in Frankfurt zu Hause gefühlt. „Das erste Jahr in Deutschland war hart, weil ich kaum Deutsch sprach und die Leute sich über mich lustig machten.“ Auch kann er wegen der mangelnden Sprachkenntnisse zunächst nicht seinen Friseurberuf ausüben. Er besucht Sprachkurse und jobbt. „Ich habe im Lager von Neckermann und bei McDonald’s gearbeitet, bis ich eine Anstellung in einem Friseursalon in Bornheim bekam.“

Hier lernt er zunächst seine Kollegin Dzana kennen. „Und über sie lernte ich Lilly kennen. Lilly hatte die Idee, dass wir Drei einen Salon gründen. Dzana und ich schneiden und sie kümmert sich um das Personal und alles Organisatorische.“ Neben seinem 26-jährigen Sohn und dem Enkel, seien sie seine Familie.
Wenige Tage vor der Wiedereröffnung steht Gonzalez in der oberen Etage des größeren Salons. Zwischen den Stühlen ist immer einer mit orangefarbenen Klebeband abgeklebt, so dass man sich nicht hinsetzen kann. „Damit immer ein Platz zwischen den Kunden frei bleibt und der Abstand von 1,5 Meter eingehalten wird.“ Aber auch sonst wird es kein normaler Alltag sein. Nicht nur Kundinnen und Kunden müssen Maske tragen. „Ich werde jetzt den ganzen Tag mit Maske arbeiten müssen. Das ist schon unangenehm heiß, gerade, wenn man auch noch föhnt.“ Klar, auch seine Stoff-Masken sind im Rockstar-Look. Eine ist schwarz mit Glitzer-Totenkopf darauf.
„Niemand darf sich selbst föhnen, damit unsere Arbeitsgeräte sauber bleiben.“ Einweg-Umhänge wollen sie aus Umweltgründen nicht verwenden. „Wir waschen jeden Umhang nach einmaligem Gebrauch.“ Bürste, Föhn und Schere muss er nach jedem Kunden desinfizieren.
Bekannt geworden ist der Salon schon früh. Sogar Leute, die hier keinen Schnitt wollen, bleiben am kleineren der beiden Läden bis heute stehen. Denn Gonzalez fing irgendwann an alte Barbiepuppen im Schaufenster ziemlich kreativ zu präsentieren: So gab es schon Barbies in sehr sexy Outfits und eindeutigen Posen mit Ken. „Eine Freundin schenkte mir zum Geburtstag aus Spaß einen Ken, und da kam mir die Idee mit den Barbies im Schaufenster. Mittlerweile bekomme ich von Kundinnen ihre alten Barbies geschenkt.“
Sein aktuelles Werk ist Ken mit langer Mähne als Jesus am Kreuz. Er trägt Krönchen, Calvin-Klein-Unterhose und hat viele Einkaufstüten umhängen.
Von Kathrin Rosendorff

Während die Friseur-Geschäfte in der Corona-Krise wieder öffnen, will längst nicht jeder einen Salon aufsuchen. Neben Corona-Sorgen hat das wohl auch mit so mancher - mehr oder weniger gelungenen - Heimarbeit am Haarschopf zu tun. 

Auch der Friseur-Salon „Kathargo“ in Frankfurt-Bornheim hat nach der Corona-Lockerung gut zu tun. 

Zudem gelten aufgrund der Corona-Krise einige Vorgaben beim Friseur.

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseur-Handwerks* Harald Esser spricht über Billiglöhne - und den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Kunden.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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