Nur fünf Masken haben Ingo Gabriel und Mitarbeiterinnen Britta Ragge (M.) und Silvia Friedrich.
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Nur fünf Masken haben Ingo Gabriel und Mitarbeiterinnen Britta Ragge (M.) und Silvia Friedrich.

Ärzte in der Corona-Krise

Corona-Krise in Frankfurt: Arzt sucht Schutzausrüstung

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Internist Ingo Gabriel fühlt sich und seine Praxismitarbeiter während der Corona-Krise in Frankfurt im Stich gelassen.

  • Hausärzte stehen in der Corona-Krise in der ersten Reihe
  • In vielen Praxen fehlt Schutzausrüstung gegen das Corona-Virus
  • Ein Arzt aus Frankfurt berichtet von seinen Erfahrungen

Frankfurt - Ingo Gabriel ist ratlos. Der Internist ist als Hausarzt am Frankfurter Berg seit 1986 eigentlich dafür da, seinen Patienten zu helfen. Nun braucht er selbst Hilfe – doch die bekommt er nicht. Er benötigt dringend Schutzausrüstung, in erster Linie Schutzmasken. Aber Gabriel weiß nicht, wie er an diese gelangen soll.

Hausärzte sind in der Corona-Krise erste Anlaufstelle

Vor rund zwei Wochen hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, rund zehn Millionen neue Masken seien auf dem Weg und würden an Praxen, Kliniken und Kassenärztliche Vereinigungen (KV) verteilt werden. Darum ging es auch in dem täglichen Fax der KV Hessen, das am Montag voriger Woche in Gabriels Praxis im Lupinenweg einging. Darin informierte die KV über den aktuellen Stand in Sachen Coronavirus, und diesmal erfolgte auch ein Aufruf an die Praxen, sich wegen der Masken per E-Mail an die KV zu wenden.

Gabriel schrieb diese E-Mail, „obwohl ich als Hausarzt davon ausgegangen bin, automatisch berücksichtigt zu werden“. Schließlich seien die Hausärzte eine der ersten Anlaufstellen für Menschen, die sich auf Corona testen lassen wollen.

Arzt in Frankfurt: „An der Front“ der Corona-Krise - aber keine Schutzkleidung

Auf seine Mail habe er keine Antwort erhalten, daher rief Gabriel am Dienstag die Hotline der KV an. „Dort hat man noch nicht einmal nach meinem Namen gefragt“, erzählt er. „Ich hatte das Gefühl, dass man mich abwimmeln wollte.“

Einen Ansprechpartner habe man ihm nicht genannt, geschweige denn die Frage beantwortet, ob und wie er an die dringend benötigten Masken komme. Es sei nicht sicher, ob er überhaupt mit einer Zuteilung rechnen könne, sei die Auskunft gewesen. Also schrieb der Internist am Dienstagnachmittag eine weitere E-Mail, die ebenfalls unbeantwortet blieb. Bis heute.

In dieser Mail berichtete Gabriel von seiner persönlichen Situation. Davon, dass er „als Hausarzt derzeit bezüglich der Versorgung der möglichen Corona-Verdachtsfälle absolut an der Front“ stehe. Doch weder er noch sein Personal verfügten über Schutzkleidung.

Kassenärztliche Vereinigungen setzt Prioritäten in der Corona-Krise

„Ich habe Sorgen um meine Mitarbeiter“, sagt Gabriel. Drei Arzthelferinnen beschäftigt der 70-Jährige, der nicht nur wegen seines Alters selbst zur Risikogruppe gehört; hinzu kommt eine Herzerkrankung. Er sei „nicht bereit, ohne Schutzkleidung weiter meine Praxis oder meine Patienten zu versorgen“. Bisher habe seine Praxis zahlreiche Abstriche vorgenommen, niemand sei positiv getestet worden. Ob er weitere Tests machen wird, wenn die Masken ausbleiben, weiß Gabriel nicht.

Die KV sieht die Verantwortung derweil in Berlin. Das Bundesgesundheitsministerium habe Bestände an Schutzausrüstung versprochen, „bisher ist jedoch von den zugesagten Kontingenten kaum etwas angekommen“, sagt Karl Roth, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Sobald Material geliefert werde, übernehme die KV die Verteilung, obwohl es „grundsätzlich nicht Aufgabe einer KV“ sei, „sich um die Ausstattung der Praxen zu kümmern“. Bei dieser Verteilung gehe der Verband nach Prioritäten vor. „Wir etablieren gerade hessenweit sogenannte Covis-Schwerpunktpraxen, die wir als erste ausstatten werden, danach alle weiteren Primärversorger“, sagt Roth.

Patient stellt FFP3-Maskten für Arzt in Frankfurt

Dass Ingo Gabriel keine Reaktion erhalten habe, liege daran, dass im Moment sehr viele Mails und Anrufe eingingen, „sodass sich die Antwortzeiten leider verlängern“. Die Sorgen des Arztes* verstehe man aber.

Etwas kleiner geworden sind diese Sorgen am Donnerstag voriger Woche. Eine Patientin kam vorbei und übergab fünf Masken vom Typ FFP3 – „die besten, die es auf dem Markt gibt“, sagt Gabriel. Die stammten aus einem privaten Bestand „und helfen uns natürlich weiter, wenn auch nur kurzfristig“.

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