Noch ungewohnt, aber muss ja sein, sagen die Kundinnen im Drogeriemarkt auf der Berger Straße.
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Noch ungewohnt, aber muss ja sein, sagen die Kundinnen im Drogeriemarkt auf der Berger Straße.

Lockerungen

Corona-Pandemie: Geschäfte öffnen - und fast ganz Frankfurt maskiert sich

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Die Menschen in der Stadt halten sich fast ausnahmslos an die Pflicht, in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

  • Trotz Lockerungen prägt das Coronavirus weiter das Stadtbild in Frankfurt. 
  • Seit Montag (27.04.2020) gilt in Frankfurt die Maskenpflicht. 
  • Die Menschen halten sich fast ausnahmslos an die Vorgaben - „Es muss ja sein.“

Frankfurt – Die Frankfurterinnen und Frankfurter sind schon ein seltsames Völkchen. Am Freitagnachmittag schauen sie mit einer Mischung aus Irritation und Hochmut („Ist doch alles nicht so schlimm“) auf die wenigen Menschen, die in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr Masken tragen. 

Corona in Frankfurt: Die Menschen halten sich an die Maskenpflicht

Und keine 72 Stunden später schauen sie jeden vorwurfsvoll an, der an der U-Bahn-Tür noch an seinem Mund-Nasen-Schutz herumwerkelt und dabei womöglich noch zwei Quadratmillimeter seines Riechkolbens zeigt. Was in der Zwischenzeit passiert ist? Die Landesverordnung, wonach in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften Masken zu tragen sind, ist in Kraft getreten. Und an die halten sich die Menschen, wie ein Spaziergang durch Frankfurt zeigt.

Früher Montagmorgen, Lebensmittelladen am Grüneburgweg in Frankfurt. Nur Masken schauen den Käufer an, der das Geschäft betritt. Ob an der Käsetheke oder beim Brot: Keiner zeigt sein Gesicht. Die junge Verkäuferin streift noch hastig ihre Vermummung über. Hier ist die Neuregelung voll angekommen, Diskussionen gibt es keine.

Corona-Maßnahmen in Frankfurt: Gegrummel über bayerische Bußgelder

Dem Hinweisschild: bitte desinfizieren, folgen die Kunden auch.

Anders beim Zeitungskiosk nebenan. Gegrummel über das hohe Bußgeld in Bayern, wenn sich einer nicht an die Maskenpflicht hält. „Ich glaube, das geht nicht mehr lange gut, den Leuten geht das zunehmend auf die Nerven“, sagt ein älterer Mann. Nicken in der Dreierrunde der Kunden. Aber alle tragen Masken.

Maskenpflicht in Frankfurt: „Es muss ja sein.“

Zweiter Zeitungskiosk am Bornwiesenweg in Frankfurt. Der Inhaber baut gerade eine Plexiglasscheibe in das offene Fenster ein und lässt unten nur noch eine Durchreiche frei. „Dann brauche ich doch keine Maske, oder?“, fragt er hoffnungsvoll. Die Frage bleibt unbeantwortet. Drogeriemarkt am Mittelweg. Ganz ungewohnt: keine Warteschlange, weil früher Morgen. Nur zwei Kundinnen im Laden, beide maskiert. „Ich find’s noch ungewohnt, und die Brille beschlägt dauernd“, sagt die eine. Fügt aber hinzu: „Es muss ja sein.“

Nebenan im Getränkemarkt. Der Mann an der Kasse trägt keine Vermummung, bleibt aber hinter seiner Glasscheibe. Die einzige Kundin ist maskiert und weicht sofort in den Seitengang zwischen die Limokästen aus. Bloß Abstand halten. Fazit: Im Nordend ist die Maske ziemlich angekommen.

Auch in der Frankfurter Innenstadt ist klar zu erkennen - Hier gilt eine Maskenpflicht

Und immer schön Abstand halten, das gilt auch Lederwarenladen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in der Frankfurter Innenstadt ab. Im Hugendubel verhalten sich die Leute fast schon mustergültig. Sie alle tragen ihren Mundschutz, halten sich an den Mindestabstand, ob beim gemächlichem Stöbern durch die Bücherregale oder an der Kasse. Eine Angestellte, die den Kunden den Weg zum Ausgang weist, ist sehr zufrieden. „Bisher hatten alle Kunden einen Mundschutz an.“

Raus aus dem Hugendubel, rein in das nächste Geschäft im Steinweg in Frankfurt. Im Modegeschäft Bailly Diehl sind zwar keine Kunden zu sehen, dafür zwei Mitarbeiterinnen, die hinter der Kasse stehen und schnell ihren Mundschutz hochziehen. Auch hier, erklärt eine der Frauen, hielten sich bisher alle Kunden an die Maskenpflicht. Ein Kunde habe sie gefragt, ob er seinen Mundschutz ausziehen könnte. „Das habe ich ihm erlaubt. Ich meine, er hielt sich im Eingangsbereich auf und war über vier Meter entfernt“, sagt sie.

Maskenpflicht in Frankfurt: „Das wird bestimmt auch bald ein Modeaccessoire“

Generell finde sie die Maskenpflicht richtig und wichtig, aber auch nur in Geschäften, draußen ergebe es keinen Sinn. Und sie findet auch einen weiteren Aspekt gut: „Viele machen sich ja echt Gedanken, welchen Mundschutz sie tragen. Das wird bestimmt auch bald ein Modeaccessoire.“ Viele machen den Mundschutz auch selbst. Im Internet kursieren Nähanleitungen und Stoffe und Gummis sind gefragte Güter. 

Rund drei Kilometer westlich vom Steinweg im Frankfurter Skyline Plaza befindet sich zwar keine weitere Bailly-Diehl-Filiale, dafür aber viele andere Geschäfte, die geöffnet haben. Das Skyline Plaza wirkt fast so ausgestorben wie die angrenzende Europa-Allee. Die meisten Leute holen sich ihr Mittagessen oder erledigen ihren Einkauf im Rewe. Nur eine Handvoll von ihnen trägt keinen Mundschutz. Ein Mann hat sich seinen um den Ellbogen gezogen.

In der Filiale der Modekette Peek & Cloppenburg ist außer den Mitarbeiterinnen kaum jemand zu sehen. Auch hier hielten sich alle Kunden an die Maskenpflicht, berichtet eine Mitarbeiterin, findet aber „das alles etwas willkürlich“. Sie ärgert sich über die Landesregierung: „Die Maskenpflicht hätten sie doch in den letzten Wochen vorbereiten können. Gerade für uns im Einzelhandel war das alles schwer planbar.“

Neben den Geschäften gilt die Maskenpflicht auch in Frankfurter Bussen und Bahnen 

Masken aller Art sind jetzt auch wieder leicht zu haben.

Auch in den Bussen und Bahnen in Frankfurt wird die neue Verordnung konsequent umgesetzt. In der Linie 43, die von Bergen nach Bornheim fährt, sind am Montagmorgen alle maskiert. Alle bis auf den Fahrer. Aber der muss auch keinen Schutz tragen, das hatten die Verkehrsbetriebe vorige Woche noch einmal klargestellt. Seit Wochen ist der Bereich hinter seinem Sitz abgesperrt, die vordere Tür wird nicht mehr geöffnet, einen Fahrkartenverkauf im Bus gibt es nicht. Vermutlich erkennt man an der wieder geöffneten Fahrertür im Bus, wenn die Corona-Krise endlich vorbei ist.

Sehr genau lässt sich im 43er beobachten, wer Maskenträger aus Überzeugung ist und wer eben tut, was die Landesregierung von ihm verlangt. Die Menschen, die zu letztgenannter Gruppe gehören, reißen sich die Maske schon beim Aussteigen vom Gesicht und schnappen danach übertrieben nach Luft. Die Überzeugungstäter lassen die Maske über Mund und Nase gezogen.

Die Maskenpflicht bleibt Geprächsthema Nummer Eins in Frankfurt

Die Gespräche im Bus drehen sich auch vorwiegend um die Maskenpflicht. Was können Brillenträger tun, damit die Sehhilfe nicht beschlägt (Maske an der Nase fixieren)? Soll man die Maske beim Husten absetzen (äh ... natürlich nicht)? Wie fühlen sich scharfe Hustenbonbons an, wenn man sie unter einer Maske lutscht (unerträglich scharf)?

Vermutlich werden die Frankfurterinnen und Frankfurter diese Fragen noch einige Zeit lang besprechen. Bis ihnen irgendjemand sagt, dass sie die Masken abnehmen sollen. Und das werden sie dann von einem auf den anderen Tag auch tun.

Claus-Jürgen Göpfert & Georg Leppert

In Hessen stößt die neueste Verordnung zum Corona-Infektionsschutz in Bus und Bahn auf breite Akzeptanz. Bußgelder soll es in Frankfurt vorerst nicht geben.

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