Sars-CoV-2

Unheimliche Stille am Flughafen Frankfurt - Sogar die Fluglärm-Gegner sind besorgt

Das Coronavirus hat den Flugbetrieb am Flughafen Frankfurt lahmgelegt. Der Rückgang des Fluglärms hat positive Auswirkungen für Anwohner in Rhein-Main. Doch die Freude darüber ist getrübt.

  • Wegen Corona: Anzahl der Passagiere am Flughafen in Frankfurt ist  im März um 62 Prozent gesunken
  • Anwohner in Rhein-Main freuen sich über blauen Himmel und weniger Fluglärm
  • Die Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau fordert eine Öffnung des Flughafens 

Frankfurt – „Wir können wieder ausschlafen und werden nicht um kurz nach fünf aus dem Schlaf gerissen. Und auf der Terrasse sitzen ist auch wieder möglich, ohne die ganze Zeit unterbrochen zu werden“, sagt Thomas Scheffler. Er ist Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau und wohnt in Flörsheim. Die Stadt ist normalerweise mit am stärksten von Fluglärm in Rhein-Main betroffen

Frankfurt: Coronavirus legt Betrieb am Flughafen lahm 

„Manchmal flog alle zwei Minuten eine Maschine über unsere Köpfe“, sagt Thomas Scheffler. Doch dann kam das Coronavirus und legte innerhalb weniger Tage den weltweiten Flugverkehr lahm – in Frankfurt hat inzwischen nur noch Terminal 1 geöffnet, die Nordwest-Landebahn ist zum Parkplatz für Flugzeuge umfunktioniert und die Anzahl der Passagiere sank im März um 62 Prozent im Vergleich zum Februar. Im April werden es noch weniger gewesen sein. Die Folge, sagt der Flörsheimer, „ist paradiesische Ruhe am Himmel“. 

Doch statt Freude darüber, wachsen bei ihm und seinen Bündnis-Kollegen die Sorgen. „Der Flughafen hat eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Region: Viele arbeiten hier. Und denen geht es jetzt gar nicht gut.“ Deshalb hofft das Bündnis auch auf eine schnelle Wiedereröffnung – „alles andere wäre eine Katastrophe! Wir sind ja keine Flughafen-, sondern Ausbau-Gegner“, so Thomas Scheffler.

Corona in Frankfurt: Tausende Fraport-Mitarbeiter in Kurzarbeit

Und deshalb wolle man aber auch nicht wieder komplett zurück zum Vor-Corona-Zustand. Flughafen-Unternehmen retten: Ja – aber mit Auflagen, wünscht sich der Bündnissprecher. „Wir müssen uns künftig umweltbewusster mit der Fliegerei beschäftigen. Also keine Kurzstrecken- oder Christmas-Shopping-in-New-York-Flüge mehr anbieten. Das ist Unsinn!“

Zustimmung gibt’s dafür von der Frankfurter Stadträtin Ursula Fechter: „Ich möchte anregen, bisherige Geschäftsmodelle des Flughafens zu überdenken. Die Pandemie hat gezeigt: Vor allem zahlreiche Businessflüge können gespart und stattdessen über Telefon- und Videokonferenzen umgesetzt werden. Auch Inlandsflüge sind unnötig.“ 

Doch eine Rückkehr zur „Normalität“ scheint aktuell sowieso utopisch: Zuletzt schickte die Lufthansa zwei Drittel ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit. Glaubt man Gerüchten, könnte die sogar für rund zwei Jahre gelten. Dazu sind fast alle Airlines inzwischen auf Rettungsgelder angewiesen. Auch tausende Fraport-Mitarbeiter sind in Kurzarbeit – Dauer: Zunächst bis Ende Mai, vermutlich aber länger. 

Auswirkungen durch Corona am Flughafen Frankfurt: "Positiv für Gesundheit"

Selbst langjährige Flughafenmitarbeiter gehen deshalb davon aus, dass sich die Lage in Frankfurt nicht vor Mitte nächsten Jahres nennenswert bessert. „Viele Flüge, unter anderem nach Afrika oder Südamerika, wird es lange nicht geben“, sagt Thomas Scheffler. „Es beginnt vermutlich auf einem niedrigen Niveau und dann mal sehen, ob der Flugverkehr in Frankfurt überhaupt wieder diese Größenordnung wie zuletzt erreicht.“

Für die Gesundheit wäre das was Gutes, ist sich Martin Kessel vom Verein „Deutscher Fluglärmdienst“ in Mörfelden-Walldorf sicher: „Weniger Abgase und nachts durchschlafen ist schon jetzt positiv für die Gesundheit und die Luft in Rhein-Main.“ Wie es aber in Zukunft aussieht, bleibt abzuwarten.  Fest steht: Es ist vor allem chronischer Lärm, der zu Langzeitschäden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, vermehrt ausgeschütteten Stresshormonen oder Hörschäden führen kann. Daran ändert eine kurzzeitige Abnahme des Flugverkehrs durch das Coronavirus nichts.

Flughafen Frankfurt: Durch Corona ist Stille messbar

Das weiß auch Bündnissprecher Thomas Scheffler: „Wir hoffen einfach, dass es für viele aktuell eine Erfahrung wird, bei der sie merken, welchen Belastungen sie sonst ausgesetzt sind. Dann kann sich jeder fragen, bis zu welchem Punkt man bereit ist, das wieder zuzulassen.“

Normalerweise ist die Rhein-Main Region von Fluglärm geprägt.  Wie ruhig es wirklich in dieser fluglärmlosen Zeit ist, wissen Martin Kessel und seine Vereinskollegen: „Erstmals seit dem großen Vulkanausbruch 2010 auf Island können wir sogar wieder Stille messen und mit Lärmzeiten vergleichen.“ Damals ruhte der Flugverkehr in Frankfurt nur wenige Tage. Auch er ist deshalb überzeugt: „Die Menschen werden auch in Zukunft diese Ruhe beibehalten wollen.“

Von Julia Oppenländer

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