Das Hofheimer Restaurant „Beef’n Beer“ nutzt in der Corona-Krise Teddybären als Abstandshalter.  
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Das Hofheimer Restaurant „Beef’n Beer“ nutzt in der Corona-Krise Teddybären als Abstandshalter.  

Datenschutz

Corona-Krise in Frankfurt: Gäste müssen Daten im Restaurant angeben - Ohne Name kein Essen

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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  • Friederike Meier
    Friederike Meier
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Restaurants in Frankfurt gehen unterschiedlich gewissenhaft mit den Daten um, die die Gäste wegen der Corona-Auflagen hinterlassen müssen.

  • In Restaurants müssten Gäste aufgrund der Corona-Krise ihre Daten angeben.
  • So können bei einer Infizierung schneller Kontaktpersonen ausgemacht werden.
  • Betreiber und Gäste in Frankfurt reagieren unterschiedlich auf diese Regelung.

Frankfurt - Mit einem Blatt Papier deckt die Bedienung in einem Restaurant in der Höchster Altstadt in Frankfurt die Namen und Adressen der anderen Gäste zwar ab, lässt aber den Zettel zum Ausfüllen am Tisch der beiden Freundinnen für fünf Minuten zurück.

Corona in Restaurants in Frankfurt: „Ich denke, Sie sind gesund“

Wenn sie wollten, könnten sie jetzt alle Namen und Adressen der Nachbartische in Ruhe verinnerlichen oder sogar abfotografieren. Auf ihre Frage, ob sie denn unbedingt ihre Telefonnummer hinterlassen müssten, schüttelt die Bedienung den Kopf und sagt: „Ach lassen Sie ruhig. Ich denke, Sie sind gesund.“

In einem Café in der Frankfurter Innenstadt liegt die Liste von Gästen, die auf der Terrasse sitzen, offen vor der Kuchentheke aus. Jeder könnte die vielen Seiten mit den Kontaktdaten einstecken und mitnehmen. Manche Gäste tragen sich gar nicht erst ein, der Bedienung ist es egal.

Frankfurt: Wegen Corona Daten im Restaurant angeben - Falscher Name eingetragen

Wer in Corona-Zeiten in Frankfurt essen geht, muss aber Namen, Adresse und Telefonnummer hinterlassen. Wenn sich später herausstellt, dass ein Gast mit dem Coronavirus* infiziert war, können die Gesundheitsämter so die anderen Gäste informieren. Dass manchmal derart fahrlässig mit den sensiblen Daten umgegangen wird, ist aus Sicht von Datenschützern ein Problem.

Restaurants müssen darauf achten, dass die Listen nicht öffentlich geführt werden, heißt es in einer Handlungsanweisung des hessischen Datenschutzbeauftragten. Entweder müsse das Personal die Daten direkt erfassen oder aber jeder Gast, beziehungsweise jede zu einem Haushalt gehörende Gruppe bekomme ein eigenes Formular.

„Ich rate Gästen, nur das Nötigste anzugeben und einen Blick darauf zu haben, wie mit den Daten umgegangen wird“, sagt Peter Lassek, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Es sollte nicht einfach ein Blatt Papier geben, auf dem sich alle eintragen und dann viele Menschen die Daten sehen.“

Frankfurt: Keine Daten, kein Essen im Restaurant - „nicht unproblematisch, hat aber einen legitimen Hintergrund“

Generell hält er es aber aufgrund der Gefährlichkeit des Coronavirus für gerechtfertigt, die Daten zu erheben. „Die Regelung kann durchaus für einen persönlich sinnvoll sein.“

Normalerweise dürfen nur Daten erhoben werden, wenn die Menschen das freiwillig tun und einverstanden sind. „Davon können wir hier nicht ausgehen. Man muss schließlich einverstanden sein, weil es sonst nichts zu essen gibt“, sagt Lassek. „Das ist nicht unproblematisch, hat aber einen legitimen Hintergrund.“

Es gibt sogar noch mehr Ausnahmen. Laut der Corona-Verordnung müssen Restaurantbesitzer die Gäste theoretisch nicht einmal darüber informieren, wofür und auf welcher Grundlage sie die Daten aufnehmen. Es empfehle sich dennoch, dies zu kommunizieren, heißt es allerdings beim hessischen Datenschutzbeauftragten.

Corona in Frankfurt: Unterschiedliche Herangehensweise in Restaurants und Cafés

So handhaben es wohl auch die meisten Restaurants. Als eine Frau nur ihren Namen und ihre Adresse einträgt, sagt der Kellner eines Restaurants nahe dem früheren Goethe-Turm: „Entschuldigung, aber Sie müssen entweder Ihre Mailadresse oder Ihre Telefonnummer eintragen, so dass wir, falls es einen Corona-Fall bei uns geben sollte, Ihnen auch Bescheid sagen können.“

Doch wie sollen die Restaurantbetreiber reagieren, wenn die Gäste ihre Kontaktdaten nicht preisgeben wollen? „Diskussionen mit den Gästen sind Alltag. Sie fragen uns, was wir mit ihren Daten machen und wollen sie oft erst nicht eintragen. Am Ende machen sie es dann doch“, erzählt eine Bedienung in einem Restaurant auf der Berger Straße in Frankfurt.

Corona-Krise in Frankfurt: Personalausweis nicht kopieren oder abfotografieren - Thema Datenschutz

Eine Frau trägt sich unter falschen Namen ein. Sie sagt zu ihrer Begleitung: „Ich will meine Daten schützen. Ich heiße jetzt Sabine Müller, okay?“ Auch die Adresse und Telefonnummer sind ausgedacht. Eine Bedienung antwortet auf die Frage, ob sie denn die Namen überprüfen. „Wir dürfen keinen Personalausweis verlangen. Ich gehe einfach davon aus, dass die meisten Gäste ihre richtigen Namen und Telefonnummern angeben.“

Eine Sprecherin des hessischen Datenschutzbeauftragten antwortete der FR, dass Personalausweise in Gaststätten sehr wohl verlangt werden dürfen, allerdings nur zur Ansicht. Kopieren oder fotografieren ist nicht zulässig. Doch wer ist verantwortlich, wenn das Gesundheitsamt die Daten verlangt und dann niemanden erreicht, weil Namen und Telefonnummern erfunden wurden?

„Die Betriebsinhaber müssen dafür sorgen, dass die korrekten Daten eingetragen wurden“, sagt eine Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums. Wer dieser Pflicht nicht nachkomme, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Wie genau die Restaurantbetreiber dafür sorgen, dass die Daten stimmen, sei ihnen überlassen.

Corona-Verordnung in Restaurants - Das sind die Regeln

Wer inHessen ein Restaurant oder ein Café besucht, muss Name, Anschrift und Telefonnummer angeben. Das gilt für alle Gäste, egal ob sie im gleichen Haushalt wohnen oder nicht. Außerdem müssen die Restaurantbetreiber notieren, in welchem Zeitraum die Gäste da waren. Eine Emailadresse als Ersatz für die Telefonnummer wäre laut einer Sprecherin des hessischen Datenschutzbeauftragten aus Sicht des Datenschutzes ebenfalls zulässig. 

Die Daten müssen von den Betreibern der Restaurants für vier Wochen aufgehoben werden. Wenn die Gesundheitsämter bei einem Restaurant anfragen, müssen die Daten herausgegeben werden, damit das Amt mögliche Infektionsketten verfolgen kann. Nachdem die Informationen übermittelt wurden, müssen die Daten bei den Restaurants vernichtet werden. Das gleiche gilt, wenn sie innerhalb von vier Wochen nicht angefordert werden. 

fme

Seit dem 15. Mai sind die Corona-Einschränkungen in Hessen gelockert. Auch Restaurant-Besuche sind möglich. Gäste müssen jedoch ein paar Dinge beachten.

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