Literatur

Buchmesse Frankfurt soll trotz Corona-Krise stattfinden - egal in welcher Form

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Frankfurt: Kulturdezernentin Ina Hartwig freut sich über Beiträge für ihren Corona-Notfallfonds für Künstler. Die Buchmesse solle in jedem Fall stattfinden - egal wie.

Frankfurt - Kulturpolitik in Zeiten der Corona-Pandemie: Die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig erlebt gerade, welch schwierige Gratwanderung das ist. Die 56-jährige Sozialdemokratin spricht von einer „einzigartigen gesellschaftlichen Ausnahmesituation“. Im Gespräch mit der FR versucht die Stadträtin einerseits, den vielen Akteuren in den zur Zeit weitgehend gelähmten Kultureinrichtungen Mut zu machen. Andererseits verteidigt sie energisch das Ziel, ein städtisches Kinder- und Jugendtheater zu schaffen: Dieses Projekt soll nicht den Streichungen im städtischen Haushalt als Folge der Pandemie zum Opfer fallen.

Schwierige Zeiten für die Kulturbranche: Buchmesse Frankfurt soll trotz Corona-Krise stattfinden

Hartwig bekennt ihre „Enttäuschung“ darüber, dass die Kultur im öffentlichen Diskurs über Corona und die Folgen eine so geringe Rolle spiele. Angesichts der Debatten etwa über die Wiederaufnahme des Spielbetriebes der Bundesliga sagt sie: „Ich hätte mir gewünscht, dass man auch über die Kultur nachdenkt, die ich für systemrelevant halte.“

Die Fachleute des Kulturdezernates haben eine erste „überschlägige Berechnung“ angestellt zu dem finanziellen Schaden, der für die Stadt entsteht, wenn etwa die Schließung der Städtischen Bühnen bis zum Sommer andauert. Sie kommen auf rund zehn Millionen Euro. Denn selbst wenn die Museen am 5. Mai wieder öffnen sollten, was Hartwig anstrebt: Die internationalen Gäste für die Frankfurter Kulturinstitutionen werden bis auf Weiteres ausbleiben.

Buchmesse Frankfurt im digitalen Format? Ideen für Veranstaltungen in der Corona-Krise

Hartwig möchte, um eine gesellschaftliche Debatte in der Stadt auch in Corona-Zeiten zu gestalten, in den nächsten Wochen und Monaten „Diskussionsformate digital ermöglichen“. Die kritische Diskussion müsse „einen Ort bekommen“. Sie unterstützt auch die Überlegungen der Frankfurter Buchmesse, die größte Medienschau der Welt vom 14. bis 18. Oktober in starkem Maße auf digitale Formate umzustellen. „Ich finde es gut, dass Buchmessen-Direktor Jürgen Boos an der Veranstaltung festhält. Die Buchmesse soll stattfinden, in welcher Form auch immer“, sagt die Kulturdezernentin.

Der von Hartwig ins Leben gerufene Notfallfonds für Künstlerinnen und Künstler kann durch die starke Unterstützung privater Sponsoren weiter ausgebaut werden. Stellte die Stadt ursprünglich 200 000 Euro zur Verfügung, konnte der Fonds durch das Engagement der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, des Patronatsvereins der Städtischen Bühnen, der Stiftung Giersch und anderer auf 310 000 Euro ausgebaut werden. „Ein tolles Beispiel bürgerschaftlichen Engagements“, so die Stadträtin.

Betroffene Künstlerinnen und Künstler können Anträge auf finanzielle Unterstützung formlos beim städtischen Kulturamt stellen, die Fördersummen liegen bei minimal 500, maximal 5000 Euro. „Es geht darum, Kulturschaffenden eine würdevolle Übergangslösung anzubieten“, sagt Hartwig.

Kulturförderung in der Corona-Krise: Notfallfonds für Künstler, digitale Formate für Buchmesse Frankfurt 

Die Vorbereitungen für das geplante städtische Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus gehen ungeachtet der Corona-Pandemie weiter. Im Herbst soll ein „Nutzungs- und Betriebskonzept“ für das Gebäude vorgelegt werden. Die Kulturdezernentin warnt davor, angesichts des Einbruchs bei den städtischen Steuereinnahmen jetzt verschiedene Projekte „gegeneinander auszuspielen“. Man werde die Probleme im Herbst „im Magistrat gemeinschaftlich lösen müssen“. Das Kulturdezernat jedenfalls halte an seinen Planungen fest.

Bürgermeister Uwe Becker (CDU) hatte im FR-Interview gesagt, es gebe Wichtigeres als ein Kinder- und Jugendtheater. Hartwig verweist darauf, dass die Corona-Pandemie die Kluft zwischen Arm und Reich in der Stadt noch verstärke. Gerade für die Kinder ärmerer Familien könne ein städtisches Theater in dieser Situation ein sehr wichtiges Angebot sein.

Von Claus Jürgen-Göpfert

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen Redaktions-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/David Zorrakino/Europa Press/dpa

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