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Im gediegenen Konferenzraum der Behörde fühlt sich Krömer noch nicht zuhause.

Generationswechsel

Bilderbuchkarriere in bunten Socken

Die 37-jährige Stephanie Krömer ist die neue Chefin der Arbeitsagentur in Frankfurt.

Erst 37 Jahre jung ist die neue Direktorin der Frankfurter Agentur für Arbeit, Stephanie Krömer. Der erste Eindruck: charmant, lässig, zupackend, selbstbewusst – und sehr sportlich. In der Schule hat sie „ganz viel Sport gemacht“, Leichtathletik, verschiedene Disziplinen, auch Fünf- und Siebenkampf. Und so ist es kein Zufall, dass sie von einer „Staffelstabübergabe“ spricht, wenn sie über den Wechsel an der Spitze ihrer Behörde redet.

Krömer kam am 2. September nach Frankfurt. Bevor sich der nun ehemalige Direktor, Karl-Heinz Huth, in den Ruhestand verabschiedete, „hatten wir eine gemeinsame Woche“. Die sei „großartig“ gewesen: Er habe sich überall verabschiedet, sie habe sich vorstellen können. Jetzt hat sich das Erscheinungsbild im Chefzimmer, vierter Stock der Agentur, entsprechend verändert: Da sitzt eine Frau mit frechem Kurzhaarschnitt, diskretem Hosenanzug und auffällig bunten Socken. „Das ist so ein Tick von mir“, sagt sie im Gespräch mit der FR.

Die 37-Jährige hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich, deren Fundament von einer vermutlich inzwischen auch pensionierten Kollegin gelegt wurde. Einer Berufsberaterin gelang es, Krömer in ihrer Schule für die Agentur anzuwerben. Sie ließ sich in Mannheim zur Diplom-Verwaltungswirtin ausbilden, die Praktika absolvierte sie in Bochum.

Nach dem Studium stieg sie dort in die „klassische Beratung“ ein, versuchte verschiedenen Zielgruppen, etwa den unter 25-Jährigen oder Akademikern, Wege aus der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen. Nächste Station war für die in Hagen Geborene die Fußballhochburg Dortmund, wo sie ihre „erste Führungsaufgabe“ in einem Jobcenter übernahm. „Schon mein Opa war BVB-Fan“, erzählt sie. Sie selbst „interessiert“ sich für den Club. Aber seitdem sie in Frankfurt lebt, wirft sie auch einen Blick auf die Eintracht.

In Siegen lernte sie dann vor allem die Arbeitgeberseite kennen. Viele Betriebsbesuche standen auf der Tagesordnung. „Ich wollte wissen, was ist den Arbeitgebern wichtig.“ Nächste Station war der Märkische Kreis in der Nähe von Iserlohn. In Siegen-Wittgenstein wurde sie dann Geschäftsführerin des Jobcenters. Ihre Karriere bezeichnet sie mehr als ein „Zufallsprodukt“. Es sei ihr vor allem darum gegangen, „neue Aufgaben“ und „mehr Verantwortung“ zu übernehmen.

Nach Frankfurt habe sie von ihrem „Dreiländerdreieck“ – Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen, immer wieder mal geschaut und die Stadt am Main zwei, drei Mal im Jahr mit Freunden besucht, um dass eine oder andere Highlight mitzunehmen. „Frankfurt ist spannend“, sagt sie. „Dynamik und Vielfältigkeit“ hätten sie beeindruckt.

Der Arbeitsmarkt zeichne sich durch seine „facettenreichen Beschäftigungsmöglichkeiten“ aus. Krömer ist sicher – auch wenn sich die Konjunktur in den nächsten Monaten abschwäche, werde die Entwicklung auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt „tendenziell positiv“ bleiben. Die Rahmenbedingungen seien „solide“.

Ganz oben auf der Prioritätenliste hat Krömer die Gespräche mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesetzt. Sie schätzt ein offenes Klima, das „Miteinander“, Teamarbeit. Wichtig ist ihr auch, dass in der Agentur „die Kundenperspektive stark berücksichtigt“ wird. Zu den „Kunden“ zählt die 37-Jährige Arbeitslose ebenso wie Arbeitgeber.

Auch für Arbeitnehmer, die einen festen Job haben, sei die Agentur zuständig. Es gehe ihr darum, durch Qualifizierungsangebote Arbeitslosigkeit zu verhindern. Mit Weiterbildung möchte Krömer auf die Digitalisierung der Arbeitswelt und den sich beschleunigenden Strukturwandel reagieren. Um entsprechende Kampagnen und Projekte zu entwickeln, wird sie nach Bündnispartnern suchen.

Es ist ihr bewusst, dass es sich erst noch herumsprechen muss, dass die Agentur für Arbeit sich nicht nur um Erwerbslose kümmert, sondern auch den Beschäftigten weiterhelfen will. Außerdem soll ihre Behörde „offen sein“ für alle Akteure auf dem Arbeitsmarkt, etwa für die Kammern oder die Bildungsträger.

Das klingt ambitioniert und nach viel Arbeit. Schon ihre Elfern hätten gewusst, dass sie „ehrgeizig“ sei. Als Schülerin war sie in der Leichtathletik „deutschlandweit“ unterwegs. Waren ihr zunächst die technischen Disziplinen wie Kugelstoßen oder Speerwurf am liebsten, ist es inzwischen das Laufen. Der Vorteil ist, das man das „überall“ machen könne – auch in der Stadt. Und so joggt sie zwei bis drei Mal die Woche zum Beispiel am Main entlang. „Das ist ein wunderbarer Ausgleich für alles.“

Von Friederike Tinnappel

Darüber diskutiert Frankfurt derzeit: Die Stadt hat einen Christbaum für den Weihnachtsmarkt auf dem Römer gefunden. Es ist eine Fichte aus Bad Orb namens Peter

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