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Die Teestube versteht sich als Wohnzimmer für Menschen, die keine Wohnung haben.

Gutleutkirche

Mehr Obdachlose besuchen die Teestube Jona in Frankfurt

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Vor einem Jahr ist die „Teestube Jona“ für obdachlose Menschen in die Gutleutkirche gezogen. Der neue Standort wird gut angenommen.

Gut ein Jahr nach ihrem Umzug in den ersten Stock der früheren Gutleutkirche verzeichnet die „Teestube Jona“ immer mehr Zulauf. Jeden Abend werde die Einrichtung an der Gutleutstraße von 90 bis 150 Menschen aufgesucht, sagte Leiterin Nadine Müller am Montag bei einer Pressekonferenz. Insgesamt habe man im vergangenen Jahr mehr als 500 Stammgäste gehabt. Die meisten lebten in Notunterkünften oder auf der Straße, einige seien auch ärmere Rentner. Das Publikum sei international, das Durchschnittsalter der Gäste liege bei etwa 45 Jahren.

Der Bedarf nach einem für alle zugänglichen Ort in Bahnhofsnähe, an dem man sich aufhalten könne, sei groß, sagte Müller. „In den Abendstunden hat sonst keine Einrichtung geöffnet.“ Man verstehe sich „als Wohnzimmer für Menschen ohne Wohnung“.

Die 1985 vom Verein „Projektgruppe Bahnhofsviertel“ gegründete Teestube war vor einem Jahr von der Pforzheimer Straße in das frühere Kirchengebäude gezogen, nachdem es Konflikte mit den neuen Eigentümern ihres alten Standortes gegeben hatte. Die Einrichtung ist nachmittags und abends geöffnet und bietet ihren Gästen Tee und Kaffee, günstiges Essen und kostenloses WLAN an. Außerdem können die Besucher ihre Wäsche waschen, duschen, Kleidung oder einen Schlafsack bekommen und sich einmal im Monat kostenlos die Haare schneiden lassen. Sozialarbeiter beraten die Gäste und unterstützen sie nach Bedarf, zudem organisiert die Teestube Spieleabende und Ausflüge.

Mit dem „Wohnhaus Jona“ in Sindlingen betreibt der Trägerverein außerdem eine eigene Unterkunft mit sieben Plätzen, in der obdachlose Menschen über einige Jahre so betreut und gestärkt werden, dass sie wieder in der Lage sind, ein geregeltes Leben in einer eigenen Wohnung zu führen.

Um dieses stark nachgefragte Angebot aufrechtzuerhalten, brauche der Trägerverein der Teestube in Zukunft mehr ehrenamtliche Unterstützung, sagte der Vereinsvorsitzende Stephan Knobel. Viele der Gründungsmitglieder seien in die Jahre gekommen, man hoffe daher auf neue engagierte Mitstreiter. „Jeder, der mithelfen will, ist eingeladen, das zu tun“, sagte Knobel. Außerdem suche der Verein weiter nach einem dauerhaften Standort in Bahnhofsnähe – im Erdgeschoss. Man sei über die von der Stadt organisieren Räume zwar sehr froh, die Lage im ersten Stock stelle aber gerade für ältere Gäste ein Hindernis dar. Zugleich ist der Verein auch auf der Suche nach Mitarbeitern, zwei Stellen sind unbesetzt. Der Arbeitsmarkt für Sozialarbeiter und Sozialhelfer sei leider „saharatrocken“, klagte Knobel. „Wir haben zu wenige engagierte, qualifizierte Bewerber.“

Um den Gästen etwas Besonderes bieten zu können und die Einrichtung bekannter zu machen, lädt die Teestube für Freitag, 31. Mai, alle Interessierten zu einem „Bunten Abend“ ein. Es gibt Live-Musik und Auftritte von Comedians wie Melanie Gerland, außerdem lesen bekannte Poetry-Slammer wie Jan Cönig und Gax Axel Gundlach. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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