Der Frankfurter Baudezernent Jan Schneider (CDU) will einen neuen Leiter für das Bauamt.
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Der Frankfurter Baudezernent Jan Schneider (CDU) will einen neuen Leiter für das Bauamt.

FR-Recherchen

Bauamt Frankfurt heillos zerrüttet - Leiter freigestellt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Frankfurter Baudezernent Jan Schneider (CDU) hat Michael Simon, den Leiter des zentralen Bauamts, freigestellt und will seine Ablösung.

  • Frankfurt: Baudezernent Jan Schneider will Bauamts-Leiter Michael Simon ablösen lassen
  • FR-Recherchen: Verhältnis der Männer heillos zerrüttet
  • Licht und Schatten beim Bauamt in Frankfurt

Als er vor zweieinhalb Jahren seine neue Aufgabe in Frankfurt übernahm, galt er als Hoffnungsträger. Michael Simon wurde am 1. November 2017 Leiter des neugebildeten Amts für Bau und Immobilien (ABI) der Stadt Frankfurt. Eine der größten städtischen Organisationseinheiten mit 700 Arbeitsplätzen und einem Ziel: Der Bau von dringend benötigten Kitas, Schulen und anderer wichtiger Infrastruktur, aber auch die Sanierung Tausender städtischer Immobilien sollte endlich schneller und effektiver vonstatten gehen. 

Frankfurt: Baudezernent Jan Schneider (CDU) die Trennung von Michael Simon

Doch jetzt will Baudezernent Jan Schneider (CDU) die Trennung von Simon. Seit Ende März ist der Amtsleiter schon freigestellt, seit Wochen verhandeln die Juristen hinter den Kulissen über eine Vereinbarung, die beide Seiten das Gesicht wahren lässt.

Die Recherchen der FR ergeben: Das Verhältnis zwischen Schneider (39) und Simon (41) ist heillos zerrüttet. Selbst eine eigens angestrengte Mediation hat keine Annäherung der beiden mehr gebracht. Mittlerweile haben andere Führungspersonen bereits das Amt verlassen, weil die Lage so eskalierte. Warum aber diese dramatische Situation entstand, darüber gehen die Darstellungen auseinander. Die Stadt selbst schweigt zu dem Thema, Schneiders Sprecher Günter Murr sagt lediglich, „zu Personalangelegenheiten“ wie dieser gebe das Dezernat keine Auskunft.

Frankfurt: Bauamt ist deutlich unterbesetzt

Der Baudezernent hat allerdings in der vertraulichen Runde der Spitzenpolitiker der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen Bericht erstattet. Aus den Aussagen von Sitzungsteilnehmern und den Recherchen der FR ergibt sich ein differenziertes Bild. Auch von der schwierigen Situation des ABI: Von den 700 Arbeitsplätzen sollen fast 100 noch immer unbesetzt sein. Das ist sicherlich nicht Simon anzulasten, denn die Stadt zahlt einfach zu wenig, um Baufachleute an sich binden zu können. Viele gehen zu privaten Unternehmen.

Der Amtsleiter habe allerdings, so heißt es, die Lage des Amts immer schöngezeichnet und etwa einen höheren Besetzungsgrad der Stellen angegeben als dieser tatsächlich war. Hier ist sogar von Täuschung die Rede. Überhaupt habe es kaum Kommunikation zwischen der Amtsleitung und dem Dezernat gegeben. Simon dagegen soll sich immer gegen die Einmischung der Politik und insbesondere Schneiders in seine Führungsarbeit verwahrt und freie Hand in vielen Fragen gefordert haben. Der studierte Bauingenieur und Wirtschaftswissenschaftler hatte in seiner Karriere immer mit großer Selbstständigkeit gearbeitet.

Frankfurt: Bauamt kann auch Erfolge vorweisen

Das neu gebildete Amt, das aus dem alten Liegenschaftsamt, dem Hochbauamt und Teilen des Stadtschulamts entstand, hat durchaus Erfolge vorzuweisen. So ist es gelungen, die Bautätigkeit bei Schulen und Kitas anzukurbeln und die Prozesse zu beschleunigen. In anderen Bereichen wie etwa bei den städtischen Toiletten und bei der Bauunterhaltung und Sanierung sind noch immer große Defizite zu verzeichnen.

Im Amt selbst soll es eine große Fluktuation geben, viele Fachleute bleiben offenbar nicht lange. Mittlerweile werden im Amt selbst deutliche Zweifel daran laut, dass die Zentralisierung so vieler Aufgaben in einer Hand tatsächlich sinnvoll ist. Das ABI ist beispielsweise für nicht weniger als 44.000 städtische Grundstücke und die Bauunterhaltung von 164 öffentlichen Schulen zuständig.

Ziel von Baudezernent Schneider ist es jetzt, die Führungsposition des Amts so schnell wie möglich wieder auszuschreiben und neu zu besetzen.

Claus-Jürgen Göpfert

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