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AWO-Affäre

Wie OB Peter Feldmann (SPD) seine Glaubwürdigkeit verspielte - Ein Kommentar

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Das größte Kapital eines Politikers ist seine Glaubwürdigkeit. Die hat OB von Frankfurt, Peter Feldmann (SPD), nach der Awo-Affäre verspielt.

Frankfurt - Das größte Kapital eines Politikers ist seine Glaubwürdigkeit. Ist sie erst einmal verspielt, lässt sie sich sehr schwer zurückgewinnen. Durch eine sozial engagierte Politik hat Frankfurts Oberbürgermeister in den bisher sieben Jahren seiner Amtszeit viel Glaubwürdigkeit bei den Menschen erworben.

Durch sein Verhalten in der AWO-Affäre hat Peter Feldmann in wenigen Tagen einen Teil dieses Kapitals verzockt. Doch das ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass der Sozialdemokrat das nicht verstehen will.

Peter Feldmann: Stellungnahme muss wie Hohn erscheinen

Mehr als eine Woche brauchte der OB für eine dürre Erklärung von wenigen Zeilen zu den Vorwürfen. Dass er so lange schwieg, war ein schwerer Fehler. Kernaussagen seiner Stellungnahme müssen wie ein Hohn erscheinen. So will das Stadtoberhaupt allen Ernstes glauben machen, dass er nicht wusste, wie viel seine Ehefrau Zübeyde als Leiterin einer AWO-Kita verdiente. Das ist vollkommen unglaubwürdig.

Natürlich war und ist Feldmann bewusst, dass seine Gattin zu den Gutverdienenden im großen Geflecht der AWO gehörte. Schließlich profitierte er selbst von diesem System, als Leiter eines Altenheimes in Darmstadt. So bleibt auch an ihm hängen, dass die AWO eigens für ihn eine gut dotierte Stelle einrichtete, weil er nach Frankfurt zurückstrebte.

Peter Feldmann, die AWO und die SPD: seit Jahrzehnten verwoben

AWO und Sozialdemokraten: Das ist ein seit Jahrzehnten verwobenes Gespinst. Auch das wird jetzt zum Problem für den Oberbürgermeister. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die AWO wegen Betruges und Untreue werfen einen Schatten auch auf Feldmann. Für die Frankfurter SPD, die sich seit Feldmanns Wahlsieg 2012 langsam berappelt hatte, sind die AWO-Affäre und Feldmanns Verhalten ein böser Rückschlag.

Es gibt bisher keinerlei strafrechtlich relevanten Vorwürfe gegen den OB, das ist richtig. Aber sein Ansehen hat Schaden genommen. Wenn er sich künftig zu seinen Lieblingsthemen wie Transparenz und Meinungsfreiheit äußert, werden die Vorgänge der letzten Tage ein Echo sein. Feldmann muss kämpfen, damit die Öffentlichkeit ihm seine Rolle als Anwalt der kleinen Leute wieder abnimmt. Ob das gelingt, ist offen.

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