Verdi möchte, dass Bäckereien am Sonntag nicht mehr öffnen dürfen.

Ladenöffnungszeiten

Ein alter Konflikt bricht wieder auf

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Verdi will die Gesetzesnovellierung nutzen, um die Öffnungszeiten wieder einzuschränken. Der Einzelhandelsverband schätzt den Status Quo.

Die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden will das Ladenöffnungsgesetz aus dem Jahre 2006 novellieren. Die Gewerkschaft Verdi möchte die Gunst der Stunde nutzen, um zu den Zuständen von vor 2006 zurückzukehren. Der Einzelhandelsverband ist mit dem Status quo zufrieden. Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?

„Wir können uns an die Wünsche der Verbraucher besser anpassen“, sagt Joachim Stoll, der Vizepräsident des Einzelhandelsverbandes Hessen-Süd. So gebe es unterschiedliche Öffnungszeiten an einzelnen Werktagen oder in den Stadtteilen im Vergleich zur Innenstadt.

Wie haben sich die Umsätze entwickelt?

Die haben zugenommen – allerdings im Online-Verkauf deutlich stärker als im stationären Verkauf.

Die Leute geben ja auch insgesamt mehr Geld aus. Wie macht sich die gestiegene Kaufkraft bemerkbar?

Zwischen Handel, Gastronomie und dem Tourismus gibt es ein Konkurrenzverhältnis, sagt Stoll. „Wenn wir um 18 Uhr zumachen, geben die Leute ihr Geld in der Kneipe aus.“

Und wie geht es den Beschäftigten in der Branche. Verdi fordert einige Zugeständnisse von den Arbeitgebern?

Auch der Einzelhandel spürt den Fachkräftemangel und ist ständig auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Was verdienen die Beschäftigten im Einzelhandel?

Eine langjährige Verkäuferin muss mit 2656 Euro brutto im Monat auskommen, sagt Verdi-Sekretär Horst Gobrecht. Das entspricht bei einer Arbeitszeit von 37,5 Stunden in der Woche einem Stundenlohn von 16,29 Euro. Nicht selten bleibt es aber auch bei dem Mindestlohn von 9,19 Euro. Die Gewerkschaft beklagt außerdem, dass immer mehr Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband austreten und keinen Tarif mehr zahlen. Außerdem werde der „mörderische Preiskampf“ etwa im Lebensmitteleinzelhandel, auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.

Was heißt das konkret für die Beschäftigten?

Durch die Verlängerung der Öffnungszeiten hat die Flexibilisierung der Arbeitszeiten enorm zugenommen. Oft können nur die großen Betriebe Öffnungszeiten bis 22 oder 24 Uhr abdecken. Die Stammbelegschaft wird durch Aushilfen ergänzt, diese arbeiten oft auf der Basis von Minijobs.

Ein Vorschlag der Gewerkschaft dürfte für besonders viel Widerspruch sorgen. So sollen Bäckereien und Konditoreien sonntags nicht mehr öffnen dürfen. Schließlich gebe es Tiefkühl-Backwaren. Was sagt die Innung dazu?

„Diese Forderung ist absurd“, sagt Stefan Körber. „Unfassbar.“ Die Verbraucher möchten am Sonntag frische Brötchen. Für die Bäckereien ist der Sonntag besonders umsatzträchtig. Sie sind auf diese Einnahmen angewiesen. „Deshalb sichert der verkaufsoffene Sonntag Arbeitsplätze. “

Wen betrifft das Ladenöffnungsgesetz überhaupt?

Praktisch alle Verkaufsstellen wie Ladengeschäfte, Einkaufsmöglichkeiten in Bahnhöfen, Tankstellen, aber auch zum Beispiel Apotheken.

Zusammengestellt von F. Tinnappel

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