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Die Bewohner der Altenheime halten sich in diesen Krisenzeiten meistens in ihren Zimmern auf.

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Altenheime in der Corona-Krise: Telefonieren statt sich sehen

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In den Frankfurter Pflege- und Altenheimen sind Besuche verboten, wie gehen die Einrichtungen und Bewohner damit um?

  • Frankfurts Altenheimen stehen vor besonderen Herausforderungen
  • Die Corona-Krise verändert den Alltag der Bewohner
  • Das Pflegepersonal in Frankfurt tut das Beste, um ein normales Leben zu ermöglichen

Frankfurt - Winken durchs Fenster oder Videotelefonie ist dieser Tage wohl der Kontakt, der einem Besuch am nächsten kommt. Manchmal kämen Angehörige im Schwanthaler Carrée in Sachsenhausen vorbei und grüßten so ihre Angehörigen, sagt Schwester Leila Naffissi. In allen Frankfurter Pflege- und Altenheimen herrscht Besuchsverbot. Die meisten Einrichtungen hatten die Verordnung der hessischen Landesregierung von Mittwoch schon vorher umgesetzt. Diese will so der Ausbreitung des Coronavirus entgegenwirken. Aber wie sieht der Alltag nun für die Bewohner aus?

Briefe bekommen neue Bedeutung in der Corona-Krise

Gemeinsam gegessen werde noch im Speisesaal, sagt Naffissi, und auch einige andere Angebote fänden noch statt, gestern habe man etwa gekegelt. Damit der Kontakt mit Angehörigen aufrechterhalten bleibt, hilft das Personal. Die Pflegerin habe etwa einer Dame ihr Smartphone geliehen, um einen Videochat zu ermöglichen. So konnte diese wenigstens mal ihren Sohn sehen – und umgekehrt.

In den Heimen der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) wurden die Gruppenaktivitäten weitestgehend eingestellt und auf die Wohnbereiche oder Stationen verlagert, wie Pressesprecher Johannes Frass berichtet. Und man biete Alternativen. So habe man das Programm „kreativ gegen Einsamkeit“ ins Leben gerufen, regelmäßig würden Briefe oder Selbstgebasteltes von Kindern und auch Erwachsenen geschickt. „Das kommt bei den Bewohnern sehr gut an, sie freuen sich über jeden Brief und jede Aufmerksamkeit.“ Von den Mitarbeitern der Betreuung gibt es Unterstützung bei der Beantwortung der Post.

Zusammensitzen geht in Frankfurts Altenheimen nicht mehr

In der nächsten Woche wird der Verein Yehudi Menuhin Live Music Now ein Fenster- und Innenhofkonzert veranstalten, genauso an Ostern. Außerdem überlege man sich kulinarische Angebote, verteile etwa Waffeln, Smoothies, Obst oder Eis, so Frass. „Wir haben die Einzelbetreuung der Bewohner verstärkt, es werden viele Gespräche geführt, es wird Musik gehört, vorgelesen, gebastelt, gespielt. Bei schönem Wetter gehen die Mitarbeiter auch einzeln mit den Bewohnern spazieren.

In den Einrichtungen des Frankfurter Verbands versuche man ebenfalls, den Menschen Ablenkung zu verschaffen, sagt Pressesprecher Frédéric Lauscher. Mit Hürden, denn es müsse der Abstand von mindestens zwei Meter eingehalten werden. Natürlich könne man schwer verbieten, dass sich die Bewohner zusammensetzten, aber durch Gespräche ließe sich das meist erklären.

Noch ist Rausgehen in Frankfurts Altenheimen trotz Coronavirus erlaubt

Gemeinsames Essen sei nicht mehr möglich, die Bewohner müssten ihre Mahlzeiten in ihren Zimmern einnehmen, sagt Lauscher. In den leeren Restaurants könne man aber mit Abstand zusammensitzen und dort etwa einen Sitztanz oder Gedächtnistraining durchführen.

Man bemühe sich auch, Telefongespräche zu ermöglichen und um andere Optionen der Kontaktaufnahme. Allerdings sei auch das nicht immer einfach*, man müsse etwa ein Tablet, das man ausleihe, desinfizieren und die Hilfe bei der Bedienung sei wieder ein weiterer enger Kontakt.

Corona-Krise kann kein Dauerzustand werden

Diejenigen, die noch mobil und rüstig sind, könnten ja auch weiter die Einrichtungen verlassen. „Wir dürfen natürlich niemanden zwingen zu bleiben“, sagt Lauscher. Das sei aber kein Problem, die Menschen seien zum größten Teil verständig und blieben in den Einrichtungen. „Weil viele auch Angst haben sich selbst anzustecken.“ Auch in den Seniorenwohnanlagen merke man, dass immer weniger auf die Straße gingen. Höchstens zum Einkaufen, da biete der Verband aber auch Hilfe an. Das beobachtet auch Naffissi im Schwanthaler Carree: „Die Bewohner sind sehr zurückhaltend.“

Damit die Senioren sich nicht völlig alleingelassen fühlen, sind nun die Mitarbeiter gefordert. Natürlich wäre es gut, wenn das Personal gerade jetzt mehr für die Menschen da wäre, sagt Lauscher. Allerdings sei die Personalkapazität im Moment eher schlechter als sonst. Denn die Arbeit habe zugenommen, da etwa mehr Zeit für den Schutz draufgehe, wie Desinfizieren und Reinigen. Und wenn Mitarbeiter Erkältungssymptome zeigten, müssten sie 14 Tage zu Hause bleiben. Noch gingen Bewohner und Angehörigen gut mit dem Besuchsverbot um, sagt Lauscher. Aber wie wird das auf Dauer sein?

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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