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Das weiß auch das Eichhörnchen: Im Tierheim kümmert man sich trotz Corona-Pandemie. Wenn auch selten um Eichhörnchen. 

Corona und Tiere

Ärmel hochkrempeln für Hund und Katze in Frankfurt während der Corona-Krise

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Das Corona-Virus erschwert auch die Arbeit des Tierheims und der Tiertafel in Frankfurt. Große Hilfsbereitschaft ist da, aber Spenden werden dringend benötigt.

  • Tiertafeln und Tierheime sind während der Corona-Krise noch mehr auf Unterstützung angewiesen
  • Tierschutzorganisationen fordern staatliche Zuschüsse für Tierheime
  • Das Tierheim in Frankfurt-Fechenheim freut sich über Spenden

Frankfurt - Wie geht es eigentlich den Tieren in diesen Corona-Zeiten? Wenn man sich so umhört: Es könnte bald schwierig werden. Aber noch sind sie versorgt, heißt es aus dem Frankfurter Tierheim in Fechenheim und von der Tiertafel.

Was die Leute von der Tiertafel hinter sich haben, ist ein gigantischer Kraftakt. Innerhalb von nur fünf Tagen belieferten sie alle ihre 312 Kunden, das sind Menschen mit wenig Geld, aber insgesamt 702 Tieren, und brachten ihnen Futter für zwei Monate. Vollversorgung. „Ohne den FSV hätten wir dies niemals geschafft – wir sind dafür unendlich dankbar!“, sagt Tiertafel-Vorsitzende Conny Badermann. Und auch Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler half mit: Er riet davon ab, alle Kunden an einem Samstag zur Tafel zu bitten – zu beschwerlich und vor allem zu gefährlich wegen der Infektionsgefahr.

Futter bis Enden Mai trotz Corona-Virus - Dank Spenden

Also legte sich der Verein ins Zeug, informierte sämtliche Hilfeempfänger telefonisch, packte Taschen für alle Haushalte – insgesamt 1500 Stück. Das Rödelheimer Fressnapf-Geschäft stellte die Taschen, Futterlieferant Bergers Tierwelt brachte einen zusätzlichen Lieferwagen mit Futter, und Siegler fragte beim Fußballsportverein in Bornheim, ob er bei der Lieferung helfen könnte.

Konnte er. Mit gesponserten Fahrzeugen des Autohändlers Euler und Privatwagen ging es auf die Reise in die Stadtteile und ins ganze Rhein-Main-Gebiet bis hin nach Birstein. Am Ende hatten alle ihr Futter bis weit in den Mai.

Keine Tiervermittlung in Frankfurt wegen des Corona-Virus

Die Lager der Tiertafel sind jetzt allerdings leer. „Die ganze Aktion hat uns über 50 000 Euro gekostet“, rechnet Conny Badermann zusammen. „Und ich befürchte, dass wir sie im Mai wiederholen müssen – dass das Virus so schnell verschwindet, glaube ich nicht.“ Also: Die Tiertafel braucht Geld.

So geht es auch dem Frankfurter Tierheim. „Die Lage ist nicht rosig“, sagt Leiterin Sabine Urbainsky. „Wir mussten ja zumachen, Fremde und Ehrenamtliche dürfen nicht mehr hereinkommen. Die Tiervermittlung ist so gut wie am Boden.“

Staatliche Zuschüsse für Tierheime in der Corona-Krise?

Zwar lässt sich ein neues Zuhause für die Heimtiere im Prinzip auch per Telefon oder Mail anbahnen. „Es ist auch kürzlich ein Kaninchen rausgegangen“, sagt Michael Hallstein, der Vorsitzende des Frankfurter Tierschutzvereins. Aber die Zeit, ein Tier kennenzulernen, entfällt jetzt. Normalerweise vermittelt das Tierheim pro Monat zehn bis zwölf Hunde. Zuletzt waren es nur noch sieben, „und das bricht jetzt weiter ein“, sagt Sabine Urbainsky.

Die Folge: Dem Verein gehen die Schutzgebühren verloren, die die neuen Herrchen und Frauchen für ihr mitgenommenes Tier bezahlen. Sie decken normalerweise einen Teil der Kosten. Den Großteil tragen die Stadt auf der Basis des sogenannten Verwahrvertrags und private Gönner. Tierschutzorganisationen appellierten bereits an Bund und Länder, den Tierheimen mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen zu helfen.

Kein Anspruch auf Betreuungsplätze in der Corona-Krise

Leiden die Tiere? Immerhin: Sie infizieren sich bis auf extrem seltene Ausnahmen nicht mit dem Corona-Virus. Aber sie müssen nun länger im Heim bleiben – und kommen seltener vor die Tür. Denn außer dem Geld fehlen auch die Gassigeher. Etwa 70 Personen kamen bisher am Wochenende von außen, um mit den Hunden spazieren zu gehen. Ein enormer Mehraufwand für das feste Personal von gut 30 Leuten.

Die sind zurzeit in drei streng getrennte Gruppen aufgeteilt (Kleintiere/Katzen, Hunde und Sonntagsdienst), damit eine etwaige Infektion nicht den ganzen Betrieb lahmlegt. Auch die Kinderbetreuung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Verein intern geregelt, denn die Tätigkeit im Tierheim zählt nicht zu den sogenannten systemrelevanten Berufen, die Anspruch auf öffentliche Betreuungsplätze haben – anders als das Personal von Tierkliniken und Tierarztpraxen.

„Auf Dauer wird es schwierig“, sagt Hallstein. „Wir gucken von Tag zu Tag“, sagt Urbainsky. „Wir freuen uns natürlich über Spenden – und über Atemschutzmasken.“ Die sind längst auch im Tierheim knapp.

Spendenkonten: Frankfurter Tiertafel, IBAN: DE63 5005 0201 0200 4999 47. (https://frankfurter-tiertafel.de).

Tierschutzverein Frankfurt/Main und Umgebung, IBAN: DE54 5001 0060 0001 6806 07 (www.tsv-frankfurt.de)

Von Thomas Stillbauer

Die Tierheime in Darmstadt und Umgebung sehen sich in der Corona-Krise ähnlichen Herausforderungen gegenüber. Neben fehlenden Einnahmen und Mitarbeitern gibt es noch ein weiteres Problem: Viele geben aus Furcht vor einer Corona-Ansteckung ihre Haustiere ab. 

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