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Solche Luxuswagen, wie hier von Ferrari, werden so schnell nicht mehr auf dem Frankfurter Messegelände zu sehen sein.

IAA Frankfurt

Frankfurt: Alternativen zur Automesse IAA gesucht

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Die Frankfurter Wirtschaft bedauert den Wegzug der IAA, sieht aber gute Chancen, etwas Neues aufzubauen.

  • Frankfurt verliert die IAA
  • Messe Frankfurt blickt nach vorn
  • Wegfall eröffnet neue Wege

Frankfurt - Nach der Entscheidung des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) nicht länger in Frankfurt auszurichten, blickt die Messe Frankfurt demonstrativ nach vorne. Von Bedauern, gar einer Niederlage für den Standort, ist in der Stellungnahme des Unternehmens, das vergangenes Jahr einen Rekordgewinn erzielte, nicht die Rede – stattdessen von den neuen Möglichkeiten. „Bei der Messe Frankfurt sind wir nun frei, den verfügbaren, hochattraktiven Zeitslot mit anderen lukrativen Veranstaltungen zu füllen.“

Noch tut sich die Wirtschaft in Frankfurt schwer, die Folgen des Wegzugs der Messe – die früher bis zu eine Million, im September 2019 allerdings nur noch 560.000 Menschen anzog, einzuschätzen. Noch am klarsten äußert sich der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen. Der spricht von einer bitteren Entscheidung und einem schwarzen Tag in der Messe-Historie Frankfurts. Insbesondere die Dienstleistungsbranche werde das Aus für die IAA in Frankfurt mit immensen Umsatzeinbußen bezahlen müssen. Bei einer Befragung im Herbst hatten Hotelunternehmen im Dehoga der IAA zu fast drei Vierteln eine hohe Bedeutung für ihr Geschäft zugemessen, wie Geschäftsführerin Kerstin Junghans im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau sagt. Zugleich habe aber die Hälfte angegeben, die Auslastung sei diesmal schlechter gewesen als sonst.

Frankfurt: Wegfall der IAA eröffnet neue Wege

Der Vorsitzende des Frankfurter Kreisverbands des Dehoga, Eduard M. Singer, spart nicht mit Kritik am VDA und spricht von einer „Rat- und Hilflosigkeit der Verantwortlichen“. Der Messe Frankfurt traut der Dehoga dagegen zu, „in einem Kernmonat wie dem September eine attraktive Messe zu platzieren, die Frankfurt beflügelt und als internationalen Wirtschaftsstandort weiter stärkt“. Vorstellbar wäre etwa eine Pharma-Messe, sagt Singer. Robert Mangold, Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie, spricht davon, dass der Wegfall der IAA auch neue Wege und Möglichkeiten eröffne.

Der Frankfurter Tourismuschef Thomas Feda sieht ebenfalls die Chance, etwas Neues aufzubauen. Dennoch sei die Entscheidung gegen Frankfurt sehr bedauerlich – schon weil die IAA für Frankfurt ein Imagefaktor gewesen sei. Die Tourismus- und Congress-Gesellschaft habe bisher international mit den „Weltleitmessen“ Buchmesse und IAA geworben, sagt er. Den Effekt des Wegfalls der IAA in Zahlen zu beziffern, sei allerdings schwer.

Wegfall der IAA: Stadt Frankfurt uns Region müssen an ihrem Image arbeiten

Joachim Stoll, Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd, sieht einen Umsatzverlust in Millionenhöhe für den Einzelhandel. Für diesen sei die IAA eine der wichtigsten Messen in Frankfurt gewesen. Nun müssten Stadt und Region gemeinsam Antworten finden, um attraktiver und moderner zu werden und am eigenen Image arbeiten, sagt er im Gespräch mit der FR.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt nennt den Verlust der IAA eine große Beeinträchtigung für den Messestandort Frankfurt. Die Messe bringe bundesweit und international Besucher in die Stadt, wirke sich positiv auf Hotellerie und Gastronomie aus und trage zur internationalen Bekanntheit Frankfurts bei. Mit Schuldzuweisungen hält sich die IHK zurück. „Soweit der VDA in den letzten Jahren in Frankfurt nicht immer eine Willkommenskultur empfunden haben sollte, bedauern wir dies“, sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar lediglich. Er hatte beim IHK-Jahresempfang für den Verbleib der IAA in Frankfurt geworben.

Eine Woche IAA spielt für Frankfurt keine existenzielle Rolle

Keine großen Auswirkungen auf die Frankfurter Wirtschaft sehen die Gewerkschaften. „Die Messe wird den begehrten Zeitslot schnell gefüllt bekommen, der Tourismus boomt, da spielt die eine Woche IAA keine existenzielle Rolle“, sagt der Frankfurter DGB-Chef Philipp Jacks. Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt, nennt es zwar schade, dass sich die IAA nach 70 Jahren eine neue Heimat suche. Überrascht ist er aber nicht. Der Veranstalter denke ja schon seit Jahren über den Weggang nach, auch weil sich die Besucherzahlen halbiert haben.

Der Präsident der Handelskammer Frankfurt/Rhein-Main, Bernd Ehinger, sieht eine Ära deutscher Wirtschaftsgeschichte zu Ende gehen, die das regionale Handwerk maßgeblich mitgestaltet habe. Nun sei es aber wichtig, nach vorne zu schauen und aus der Situation das Beste zu machen. Das Handwerk sei bereit, an der Entwicklung neuer Ideen mitzuarbeiten.

IAA in Frankfurt war schon seit Jahren nicht mehr attraktiv

Der Vorsitzende der Frankfurter Taxi-Vereinigung, Hans-Peter Kratz, macht dagegen keinen Hehl daraus, dass er der Automobil-Ausstellung nicht nachtrauern wird. „Die IAA war für uns schon seit Jahren nicht mehr attraktiv“, sagt er auf Anfrage. „Wir hatten viel Verkehr, aber wenige Fahrgäste.“ Anders als bei den großen Fachbesuchermessen seien zur IAA schließlich viele Besucher gekommen, die abends wieder heimfuhren. Kratz sieht die Chance, dass sich nun eine für seine Branche viel bessere Messe in Frankfurt etablieren könne.

Auch Eintracht-Vorstand Axel Hellmann rät, den Blick nach vorne zu richten. „Erspart uns Gejammer und Schuldzuweisungen“, schreibt er auf Twitter. Und wirbt dafür, jetzt größer zu denken: „Lasst uns ein Bündnis für Mobilität gründen: vernetzt, klimafreundlich, digital.“

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