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Das Interesse an gemeinschaftlichem und genossenschaftlichem Wohnen in Frankfurt ist riesig. Bald gibt es zum Thema wieder eine Infobörse.

Hintergrund

Wohnen in Frankfurt: Alternativ und günstig leben

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Kleinfamilie, drei Zimmer, Küche, Bad: Das hat mit der Realität in Frankfurt wenig zu tun. Viele wollen anders leben, gemeinschaftlich. Und langsam passiert auch etwas.

Die Zahl der gemeinschaftlichen und genossenschaftlichen Wohnungen in Frankfurt steigt kräftig. Lange Zeit haben sich viele Traditionsgenossenschaften darauf beschränkt, den Bestand zu verwalten. Und lange wollten zwar viele Menschen auf eine andere Art als herkömmlich zusammenleben, fanden aber keine Grundstücke, um ihre Vorhaben zu verwirklichen. Doch das hat sich, nicht zuletzt dank Unterstützung der Stadt, geändert. Diese sieht in gemeinschaftlichen und genossenschaftlichen Projekten seit einigen Jahren einen wichtigen Beitrag für Vielfalt auf dem Wohnungsmarkt und Stabilität bei den Mieten.

Gerade in Frankfurt, wo die Mieten kräftig wachsen und Normalverdiener es sehr schwer haben, eine für sie bezahlbare Wohnung zu finden, gelten die Traditionsgenossenschaften, die viele Jahre als eher verschlafen wahrgenommen wurden, nun als vorbildlich. Die Stadt ist froh, dass diesen zusammen gut 11 000 Wohnungen in der Stadt gehören. Denn die Mieten sind vergleichsweise niedrig und steigen langsam. Sehr positiv sieht die Stadtpolitik auch die Arbeit der gemeinschaftlichen Wohngruppen. Auch diese entziehen Wohnungen dem Markt und der Spekulation und tragen nebenbei mit solidarischen und integrativen Konzepten zu besseren Nachbarschaften bei.

Zahlreiche Wohnprojekte, Institutionen und Organisationen präsentieren sich am Samstag, 28. September, bei einer Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen in der evangelischen Akademie und den Römerhallen an mehr als 40 Ständen. Vorträge und Diskussionen sind angekündigt.

Das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen in Frankfurt lädt  für jeden vierten Mittwoch im Monat, 19 Uhr, zu Informationsveranstaltungen für Neuinteressierte in die Koordinations- und Beratungsstelle an der Adickesallee 67/69 ein. Kontakt per E-Mail unter info@gemeinschaftliches-wohnen.de, per Telefon unter 069 / 91 50 10 60.

Derzeit gibt es in der Stadt nach Zahlen des Netzwerks für gemeinschaftliches Wohnen rund zwei Dutzend bestehende oder im Bau befindliche Wohnprojekte. Doch diese Zahl dürfte rasch deutlich steigen. In jedem Neubaugebiet sollen künftig 15 Prozent der Flächen für den Wohnungsbau durch gemeinschaftliche und genossenschaftliche Akteure reserviert werden. Realisiert wird das gerade im Neubaugebiet am Hilgenfeld. Dort können fünf Projekte mit rund 13 500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen. Gemeinschaftliche Wohnprojekte und traditionelle Genossenschaften kommen im Areal nördlich des Frankfurter Bergs zum Zuge.

Die Stadt vergibt zudem über ihren Liegenschaftsfonds zuvor nicht oder kaum genutzte Grundstücke und Immobilien nach bestem Konzept zu Festpreisen an gemeinschaftliche und genossenschaftliche Projekte. Inzwischen ist das erste Wohnprojekt fertig, das von diesem Angebot profitierte. Das Hausprojekt NiKa hat ein früheres Pelzhändlerhaus an der Ecke Niddastraße/Karlstraße im Bahnhofsviertel in nur etwa eineinhalb Jahren Bauzeit in ein Wohnhaus umgebaut, in das jüngst mehr als 40 Menschen zogen. Das Erdgeschoss wird kulturell und sozial genutzt. Auch sonst passiert derzeit sehr viel im gemeinschaftlichen Wohnungsbau. Ein großes Neubauprojekt entsteht etwa an der Triftstraße in Niederrad, wo die Genossenschaft Wohngeno 51 Wohnungen errichtet.

Für die traditionellen Genossenschaften ist vor allem die Nachverdichtung ihrer Siedlungen ein großes Thema. Allein der Volks- Bau- und Sparverein schafft derzeit per Nachverdichtung in Ginnheim 50 neue Wohnungen und plant, in Steinbach weitere 50 Wohnungen auf diese Weise zu errichten. Genossenschaften und gemeinschaftliche Projektgruppen kooperieren zudem zunehmend. So hat der Beamten-Wohnungs-Verein mit der Initiative Gewagt 18 Wohnungen auf dem Riedberg errichtet, die Wohnbaugenossenschaft Frankfurt bebaut mit den Mitgliedern des Vereins Gemeinsam suffizient leben ein Grundstück an der Friedberger Landstraße im Nordend. Der Volks-, Bau und Sparverein ist in Gesprächen mit der Gruppe Globalokal über ein Projekt in den Günthersburghöfen im Nordend.

Informationen über gemeinschaftliche Wohnprojekte in Frankfurt hat das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen in Frankfurt unter www.gemeinschaftliches-wohnen.de zusammengestellt.

Informationen über Frankfurter Wohnungsgenossenschaften sind unter www.kooperation-frankfurt.de zu finden. Telefon: 069 / 92 07 19 0, E-Mail: info@kooperation-frankfurt.de

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